„Da geht’s schon zur Sache“

Freuen sich jetzt schon auf die Premiere der Reuttener Heimatbühne: Michael Singer (l.) und Simon Niedermayer sind Max und Moritz. RS-Foto: Gerrmann

Heimatbühne Reutte probt für „Max und Moritz“

Mit 45 aus alten Gleisen ausbrechen – diesen Wunsch kennen vermutlich fast alle jenseits dieses Alters aus dem persönlichen Leben. Die Reuttener Heimatbühne erfüllt ihn sich jetzt. Premiere ist am 7. November im Paulusheim.

Von Jürgen Gerrmann

Mehr als zwei Wochen probt man nun schon intensiv Abend für Abend. Für Berufstätige ist schon allein das eine herausragende Leistung. Aber wenn man eine Probe besucht, dann spürt man: Dieses bislang ungewohnte Projekt motiviert auch ungeheuer.
Im 45. Spieljahr wollte man sich nämlich (so Produktionsleiter Roland Hiebl) einmal etwas ganz Besonderes gönnen: „Bisher kamen die Regisseure immer aus den eigenen Reihen (die letzten vier Jahre zum Beispiel Christine Budde), jetzt wollten wir mal mit einem Profi zusammenarbeiten.“ Der war schnell gefunden: Der gebürtige Breitenwanger Peter Wallgram leistet an den Wuppertaler Bühnen tolle Arbeit und hat auch ein Händchen dafür, Amateure über sich hinauswachsen zu lassen – der „Horrorladen“ und der „Proberaum“ in der Kellerei haben`s bewiesen.
Auch er hat die Herausforderung begeistert angenommen: „Mit der Heimatbühne zu arbeiten, dazu an einem Stück, das eher schwer zu inszenieren ist – das reizt mich ungemein!“ Illustriere man nämlich Wilhelm Buschs Bildergeschichte quasi nur mit den Mitteln des Theaters, dann sei das Konzept schnell erschöpft. Die Konsequenz: „Wir mussten eine Fassung finden, die mehr Schauwert hat!“ Im Februar trafen sich Ensemble und Regisseur das erste Mal. Und es blieb nicht beim „Beschnuppern“. Man erarbeitete gemeinsam ein Konzept: „Wir brechen die Moritat auf, fragen uns, wie wir heute damit umgehen.“ Schließlich drehe sich die 150 Jahre alte Story um Jugend und Erziehung: „Das ist doch ein hochaktuelles Thema.“ Für Wallgram hat Busch hat die Geschichte so angelegt, dass „das Anarchische dieser beiden Punks“ das tragende Element sei: „Wir siedeln das eher in der Erwachsenenwelt an, fragen uns, warum diese beiden denn so sind.“ Aber bei einem anderen Aspekt bleibt man doch nah beim Autor: „Busch spottet leise – aber doch vernehmlich – über die Spießbürger.“
Roland Hiebl sieht das ganze übrigens nicht nur als Bühnenauftritt: „Sondern auch als Workshop für uns alle. Wir können alle von diesem Projekt lernen. Und Peters spontane Zusage dazu hat mich sehr begeistert.“ Der gibt dieses Lob zurück. Die Disziplin aller fasziniere ihn: „Ich kann tagsüber ausruhen, die aber müssen arbeiten und sind dennoch so voller Energie. Alle sind engagiert, offen, einfach gute Spieler.“ Wobei es einfach gut tue, auch einen alten Hasen wie Fritz Höllrigl, der den Erzähler spielt, in der Truppe zu haben: „Der hat 30 Jahre Erfahrung, und das spürt man.“ Für dieses Projekt hat sich Höllrigl übrigens sogar aus der Theater-„Pension“ zurückholen lassen. Manch einer dürfte vom neuen Stück überrascht sein. Nicht nur weil, „Bühnenbild und Kulisse anders sind, als man es sonst im Bezirk gewohnt ist“, (so Hiebl), sondern auch, weil „wir so frei mit dem Original umgehen“. Der Produktionsleiter: „Das ist kein Kinderstück. Da geht es schon zur Sache.“

Termine:
Premiere ist Donnerstag, 7. November im Paulusheim.
Gespielt wird dann noch am 8., 9., 14. 15., 16., 21., 22. und 23 November. Vorverkauf und Reservierung laufen über das Büro des TVB am Reuttener Untermarkt.

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