Das größte Geschenk

Der Chor „Bel Canto“ zauberte – unter der Leitung von Werner Gratl – eine wundervolle Adventstimmung in die Heiterwanger Kirche. RS-Fotos: Gerrmann

Beeindruckendes Adventsingen in der Heiterwanger Kirche

Was eigentlich ist Weihnachten? Das dürften sich in den Wochen zuvor, die allüberall von Hektik und Stress geprägt schienen, viele gefragt haben. Eine Antwort konnten sie freilich am dritten Adventsonntag in der Heiterwanger Kirche finden – beim besinnlichen Abend des Chors „Bel Canto“. 

Von Jürgen Gerrmann

Schon das Motto („Hosch a bissel Zeit für di?“) ließ dabei spüren, dass das Ensemble um Spiritus Rector Werner Gratl seinem Publikum ein Geschenk machte. Im Grunde das größte Geschenk, das man sich in Zeiten, in denen man sich nur noch getrieben wähnt, überhaupt vorzustellen vermag: Zeit für sich.
Einen ganz besonderen Abend konnte man auch dadurch erleben, dass da nicht einfach Adventslied an Adventslied, Weihnachtsgedicht an Weihnachtsgeschichte aneinandergereiht wurden, man eben nicht an der Oberfläche blieb, sondern in die Tiefe ging. Sowohl von den Themen als auch von der Botschaft her.

Die Botschaft der Kinder.
In kleinen Szenen brachten die Kinder beim Adventsingen des Chors „Bel Canto“ den Kern der Weihnachtsbotschaft unter die vielen Menschen in der Heiterwanger Kirche.

Die Kinder spielten dabei eine ganz wesentliche Rolle: In verschiedenen kleinen Szenen brachten Annika Versal, Anna Weirather, Carolin Schenk und Sarah Fügenschuh die vielen Menschen (einige mussten sogar stehen) immer wieder zum Nach-Denken.
Zum Beispiel, dass Armut eben mehr ist, als kein Geld zu haben oder „in schiachen Hütten“ zu leben. Sondern auch inmitten des größten Reichtums nichts geben zu können: „Nicht mal ein Lächeln, ein gutes Wort, ein bissle Hilfe.“
Auch die Lesungen von Anja Weirather und Wolfgang Kramer wandten sich den Schattenseiten zu, die sich nach dem Licht sehnen. Und der Sehnsucht, dass „einmal im Jahr die Welt das Gesicht zeigt, zu dem sie eigentlich fähig ist.“ Oder den Gesichtern der Armut, die sich auch im Antlitz des Erfolgreichen oder im sinnlosen Reichtum zeigen können. Oder auch der stillen, leisen Not des Arbeits- und/oder Wohnungslosen oder der psychisch Kranken. Und doch: „Irgendwo hört das stille Herz Echorufe.“

Mit dem Herzen dabei.

Solche Echorufe waren zweifelsohne die Musikstücke an diesem Abend. Caroline Zabernig und Werner Gratl mit ihren Harfen und Thomas Rindle mit seiner Harmonika begleiteten einen mit besinnlichen Klängen auf dem Weg zur eigenen Seele und zum eigenen Herzen, mit dem allein man wirklich zu verstehen vermag (so die Botschaft eines Textes).
Auch die Auswahl der Lieder mit ihrer Balance zwischen traditionellen und modernen Klängen trug wesentlich zu der einzigartigen Atmosphäre des Abends bei. Auch da spürte man: Jede und jeder war mit dem Herzen dabei, ganz gleich, ob es sich nun um uralte Tiroler Klänge oder um Gospels handelte. Und auch hier gilt: Man singt nur mit dem Herzen gut.
„Was ist Weihnachten?“: Diese Frage tauchte am Ende wieder auf. Die Antwort gaben zwei Kinder. Sie nahmen sich an der Hand.
Ja, genau: Das ist Weihnachten.

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