Die Kraft der Träume

Gemeinsam sind sie ganz stark: Der Chor unus mundus und der Männergesangverein Reutte gestalteten im VZ Breitenwang ein begeisterndes Konzert. RS-Foto: Gerrmann

Beeindruckendes Sommerkonzert von unus mundus und dem Männergesangverein Reutte

Für alle beide war’s eine Herausforderung. Wie man von beiden Seiten hörte, eine ziemlich große. Doch das Konzert am Freitagabend im VZ Breitenwang zeigte: Sowohl der Chor unus mundus unter der Leitung von Jeannine Howard als auch der Männergesangverein Reutte mit seinem Dirigenten Hansjörg Wörz meisterten sie bravourös.

Von Jürgen Gerrmann

„Träume und Gedanken kennen keine Schranken“ – diese Worte aus der Begrüßung könnten als Motto über dem gesamten Abend stehen. Der eigentliche Titel dieses sommerlichen Konzerts drückte es als Versprechen in Englisch aus: „We won’t stop dreaming!“
Wie auch immer: Für das Publikum (das zwar in respektabler Zahl erschienen war, aber – angesichts der Leistungen beider Chöre – durchaus zahlreicher hätte sein können) war es ein Hochgenuss, mitzuträumen.
Zumal sich mit Träumen ja auch Botschaften verbinden. In „Thula Sizwe“ (einem Volkslied der Zulus) lautet es zum Beispiel: „Sei ruhig, mein Volk – unser Gott wird uns beschützen!“ An einem Tag, an dem im Außerfern durchaus auch afrikanische Hitze herrschte, verstanden es beide Chöre dabei, auch afrikanische Inbrunst in die vier Lieder aus diesem Kontinent zu legen – und zwar ganz gleich, ob sie nun gemeinsam oder jeder für sich sangen. „Sisi Ni Moja“ lebte da zum Beispiel nicht zuletzt daraus, dass es die Sängerinnen einfühlsam und kraftvoll zugleich zu interpretieren verstanden: „Wir sind eins!“ – Diese Botschaft trugen sie gerade dadurch weit über diesen Saal hinaus.
Den „Sommerpsalm“ aus Schweden ließ unus mundus zur Hymne an die Natur werden: Dort hoch im Norden gibt es lange Sommertage. Aber auf die folgen dann eben auch lange Winternächte. Vielleicht liegt es ja an diesem Zwiespalt, dass in dieser Melodie bei aller Freude und Begeisterung doch auch ein Schuss Wehmut und Melancholie mitschwingt.
Bei „Adiemus“ kommt es hingegen weniger auf die Worte an. Bei unus mundus war es eine Huldigung an die Musik an sich, der Chor wurde fast zum Orchester, und die Zuhörer konnten wohlig in diese Klangwolke hineintauchen und sich von der tollen Dynamik am Schluss mitreißen lassen.
Der Männergesangverein machte wiederum Udo Jürgens‘ Schlager „Ihr von Morgen“ zum Erlebnis – auch wegen des Appells: „Vergesst nicht unsere Träume!“
„Und wenn ein Lied“ von Michael Herberger und Xavier Naidoo avancierte im Miteinander der Chöre zum Choral für die Liebe und für die Angstfreiheit. Cheyenne Bagshaw brillierte als Solistin in „This is me“ – einem mitreißenden Loblied auf die Individualität.
Nach dem „Gälischen Segen“ prasselte daher zurecht großer Applaus auf die Akteure (zu denen auch Andreas Kopeinig am Klavier, Alois Gedl mit der Gitarre, Julian Schennach am Schlagwerk und Sophie Zehetbauer mit der Querflöte gehörten) nieder. Gemeinsam mit dem Publikum wurde dann noch die Zugabe gesungen: „O wie wohl tut uns das Singen!“ Und auch diese Botschaft galt nicht nur denen auf der Bühne.

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