Die Kraft der Weihnacht

Über 40 Bläser versetzten die Reuttener Sankt Anna Kirche in Schwingungen. RS-Fotos: Gerrmann

Die erste Reuttener Tuba-Weihnacht war ein Erlebnis

In der Bibel nimmt sie eine ganz zentrale Rolle ein: die Posaune. Sie erklingt in ganz besonderen Momenten: als Mose die Gesetzestafeln überreicht bekommt, als Salomo den Tempel einweiht – und auch das Jüngste Gericht soll sie ankündigen. Ein machtvolles Instrument also. Und das spürte man auch bei der ersten Reuttener Tuba-Weihnacht am vierten Adventssamstag in der Annakirche ganz deutlich.

Von Jürgen Gerrmann

Voll in Aktion: Dirigent Sándor Somogyi bei der ersten Tuba-Weihnacht.

Die machte nämlich vor zahlreichen Zuhörern das „tiefe Blech“ der Landesmusikschule Reutte-Außerfern zum Erlebnis. Unter der Leitung von Sándor Somogyi, der Posaune und Tenorhorn unterrichtet, erklangen in erster Linie alpenländische Melodien; die Lehrer Astrid Bittner (Posaune und Tenorhorn) und Stephan Gasser (Tuba) unterstützten durch ihr Mit-Spiel das über 40-köpfige Ensemble, zu dem auch Schüler von Georg Pranger (Posaune und Tenorhorn) gehörten.

Kirche zum Schwingen gebracht.

„Massive Weihnachtsmusik“ hatte Tobias Lämmle, der Leiter der Musikschule, angekündigt – und damit wahrlich nicht übertrieben. Es sollte nämlich genau so kommen, wie er es prophezeit hatte: „Das tiefe Register wird die Kirche zum Schwingen bringen.“
Im ersten Moment waren es ungewohnte Klänge, die das Gotteshaus erfüllten: Eben keine hellen Barocktrompeten, die da zum Lob des Schöpfers jubilieren, sondern getragene, machtvolle Töne, die aber alles andere als bedrückend, diktatorisch daherkommen, sondern Wärme schenken und spüren lassen, erdverbunden sind und gerade dadurch die Weihnachtsbotschaft erlebbar machen.
Es wird heimelig, man kommt zur Ruhe – inmitten einer Klangwolke, die einen umhüllt wie ein warmer Mantel.

Festliche Freude.
Über 40 Bläser aus den Reihen der Landesmusikschule Reutte-Außerfern machten die erste Reuttener Tuba-Weihnacht in der Annakirche zu einem Erlebnis.

Aus 20 eher kurzen Stücken bestand das Programm, das die Zeit wie im Fluge vergehen ließ. Sie ähnelten Gedankenblitzen, Impulsen, die mehr als nur das Ohr erreichten, sondern im Herzen widerhallten und einen so zum Kern der Weihnacht führten.
Festliche Freude prägte „Joy to the world“ (übrigens die einzige Melodie, die nicht aus dem Alpenraum stammte), „Kommet, Ihr Hirten“ war ein machtvoller Ruf, „O göttliche Liebe“, „Maria voll der Gnaden“ oder „O große Himmelsfrau“ wurden voll Innigkeit interpretiert, und bei „Es wird scho glei dumpa“ hörte man quasi schon die Karawane der Heiligen Drei Könige dahertrotten – und es wurde nicht etwa finster, sondern hell in den Herzen.

Neuauflage angekündigt.

Das Schöne an diesen 50 Minuten war auch: Die Tuba-Weihnacht verband alle Generationen – von den Kindern bis zu den Pensionisten (und zwar sowohl bei den Akteuren wie auch beim Publikum). Und allen machte es sichtlich Spaß. Toll, was das große Orchester nach nur einer gemeinsamen Probe auf die Beine zu stellen vermochte. Und so war auch der riesige Applaus am Ende dieses außergewöhnlichen Konzerts vollauf berechtigt.
Und die Premiere machte Lust auf mehr. „Wir wollen die Tuba-Weihnacht in Reutte heimisch machen“, sagte Sándor Somogyi (der übrigens tags darauf bei der gleichen Veranstaltung in Innsbruck mit von der Partie war), als seine Truppe ihre Sachen zusammenpackte. 2019 wird es also wieder eine Tuba-Weihnacht geben: Eine Ankündigung, die schon jetzt Freude macht. Denn, dann kann man wieder in all der Betriebsamkeit, aus der es kein Entrinnen zu geben scheint, zu sich selbst kommen. Und nicht nur die Macht der Posaunen erleben. Sondern auch die Kraft der Weihnacht.

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