Ermittlungen gegen Drogenring abgeschlossen

Sieben Mitglieder des Drogenrings befinden sich in der Justizanstalt Innsbruck in U-Haft. Foto: zeitungsfoto.at

5,8 Kilogramm Kokain sollen in Umlauf gebracht worden sein, ein Kilo „Koks“ wurde in Schmuggelfahrzeug entdeckt

Vor rund einem Jahr haben im Burgenland sowie im Großraum Imst-Ötztal gegen mehrere Personen Ermittlungen wegen des Verdachts des Suchgifthandels begonnen, heuer im Frühjahr klickten bei mehreren Verdächtigen die Handschellen, sieben von ihnen befinden sich noch immer in U-Haft. Vergangenen Mittwoch gab das Landeskriminalamt das Ermittlungsergebnis bekannt. Es geht um fast sechs Kilogramm Kokain mit einem Straßenverkaufswert von circa 580.000 Euro, das illegal nach Österreich eingeführt und in Tirol und im Burgenland gewinnbringend in Umlauf gebracht worden sein soll. Ein weiteres Kilogramm Kokain (circa 100.000 Euro Straßenverkaufswert) wurde in einem Schmugglerfahrzeug sichergestellt.

Von Gebi G. Schnöll

Beginnend mit August 2018 wurden gegen eine im Tiroler Oberland ansässige Tätergruppe wegen des Verdachtes des Kokainhandels Ermittlungen geführt. Der Anlass dafür war die Sicherstellung einer kleineren Menge Kokain im Burgenland, durch die sich eine Verbindung nach Tirol ergab. Im Rahmen der Ermittlung konnten heuer im Frühjahr vom LKA Tirol über Anordnung der Staatsanwaltschaft Innsbruck vorerst insgesamt 23 Personen festgenommen werden. Im Großraum Imst-Ötztal und in Götzens wurden zum Zeitpunkt der Festnahmen auf Anordnung der Staatsanwaltschaft auch mehrere Hausdurchsuchungen vollzogen und fünf Männer im Alter von 28 bis 57 Jahren sowie drei Frauen im Alter von 27 bis 62 Jahren – alle österreichische Staatsbürger – festgenommen. Darunter befanden sich auch fünf der nunmehr insgesamt acht Hauptbeschuldigten, die im Verdacht stehen, für die Organisation, die Finanzierung sowie für den Verkauf des Kokains zuständig gewesen zu sein.

Kokain, Silberbarren und Bargeld

Anfang April gelang es den Ermittlern, auch den Lieferanten, einen 36-jährigen albanischen Staatsbürger, nach dessen Einreise in Tirol in Wörgl festzunehmen. In dessen Fahrzeug konnte ein Kilogramm Kokain im Straßenverkaufswert von circa 100.000 Euro aufgefunden werden. Das Kokain, das für die Schmuggelfahrt verwendete Fahrzeug, ein Mercedes Kombi, 15 Kilogramm Silberbarren, 3.000 Euro Bargeld sowie einige Mobiltelefone wurden sichergestellt. Die Ermittlungen führten schließlich noch zu zwei weiteren Männern aus dem Tiroler Oberland. Die 29 und 36 Jahre alten österreichischen Staatsbürger wurden im April beziehungsweise Mai festgenommen, da sie im Verdacht stehen, über mehrere Monate Kokain verkauft zu haben. Darüber hinaus konnten in diesen Monaten weitere zwölf Personen (neun österreichische, zwei türkische sowie ein serbischer Staatsbürger) ausgeforscht und über Anordnung der Staatsanwaltschaft ebenfalls vorläufig festgenommen werden. Sie stehen im Verdacht, das Kokain gekauft und teilweise auch in kleineren Mengen weitergegeben zu haben. Bei diesen Beschuldigten erfolgte die Anzeige auf freiem Fuß.

Diese Cannabiskraut-Packungen wurden bei einem Zugriff im Burgenland sichergestellt. Foto: LPD Burgenland
Anzeigenflut

Die insgesamt acht als Hauptbeschuldigte ausgeforschten Personen wurden wegen Mitgliedschaft in einer kriminellen Vereinigung in Verbindung mit der Einfuhr und Weitergabe einer großen Menge Suchtgift der Staatsanwaltschaft Innsbruck zur Anzeige gebracht. Insgesamt wird ihnen zur Last gelegt, im Zeitraum vom Herbst 2017 bis Ende März 2019 circa 4,8 Kilogramm Kokain in Tirol in Verkehr gebracht sowie circa ein Kilogramm Kokain im Burgenland verkauft zu haben, was einem Straßenverkaufswert von circa 580.000 Euro entspricht. Die Beschuldigten sind teilweise geständig; sieben Personen befinden sich derzeit noch in U-Haft. Zusätzlich zu dieser Gruppierung wurden noch 30 Personen als sogenannte „Abnehmer“ ausgeforscht. Diese werden der Staatsanwaltschaft Innsbruck wegen Vergehen nach dem Suchtmittelgesetz zur Anzeige gebracht.

Frühpensionist als Drogen-Großhändler

Die Ermittlungen haben auch in Ostösterreich zu einer Verhaftungswelle geführt. Bereits im Frühjahr 2018 konzentrierten sich Ermittlungen von Polizeibeamten des LKA Burgenland auf einen damals 32-jährigen aus dem Burgenland stammenden Wiener. Es bestand der Verdacht, dass er gemeinsam mit einer 28-jährigen in Wien lebenden Ungarin grenzüberschreitend Handel mit Suchtmittel, vorwiegend Amphetamin, Ecstasy, Kokain und Cannabis betreibt. Als Großhändler der Suchtmittel konnte im Zuge der Ermittlungen ein 56-jähriger Mann aus Wien ausgeforscht werden. Er versorgte das Dealer-Pärchen mit den Suchtmitteln und kassierte in der Folge die Gewinne nach den Verkäufen. Der 56-jährige, wegen Drogenhandels bereits inhaftiert gewesene Frühpensionist versuchte sich zudem auch noch im Handel mit Kokain in größeren Mengen. Dazu organisierte er gemeinsam mit einem ehemaligen 60-jährigen Mithäftling aus Baden, der wegen internationalem Drogenhandels eine Haftstrafe im „gelockertem Vollzug“ verbüßt, größere Mengen Kokain.

Spur führte nach Tirol

Während der 56-jährige Wiener fortlaufend nach Abnehmern für größere Kokainlieferungen suchte und dabei auch auf einen verdeckten Ermittler stieß, war der 60-Jährige für den Suchtmittelnachschub zuständig und organisierte aus seiner Haftzelle via Handy Kokainlieferungen aus Tirol. Durch intensive Ermittlungen und in Kooperation mit Ermittlern des Landeskriminalamtes Tirol ist es im Weiteren auch gelungen, einen 58-jährigen Innsbrucker auszuforschen, der über einen 36-jährigen Albaner eine Lieferung von rund einem Kilogramm Kokain nach Baden organisierte beziehungsweise vermittelte. Der aus Baden stammende 59-jährige Häftling versuchte indessen zusätzlich, größere Kokainlieferungen im zweistelligen Kilobereich durch einen 51-jährigen ehemaligen Mithäftling aus Deutschland zu organisieren. Auch hier konnte in Kooperation mit deutschen Ermittlungsbehörden der 51-jährige Deutsche identifiziert und schließlich festgenommen werden. Das für Österreich bereitgestellte Kokain wurde sichergestellt.

Haftstrafen

Die in Ostösterreich festgenommen Personen wurden zu mehrjährigen Haftstrafen verurteilt und verbüßen zur Zeit in verschiedenen Strafvollzugsanstalten ihre Strafen. Bei den umfangreichen Amtshandlungen ist es den Fahndern aus dem Burgenland, Tirol und Deutschland gelungen, in Summe etwa fünf Kilogramm Kokain, 2,5 Kilogramm Cannabiskraut, 400 Gramm Amphetamin, 80 Stück Ecstasy-Tabletten sowie zwei Faustfeuerwaffen samt Munition, einen Pkw und Bargeld in der Höhe eines mittleren fünfstelligen Eurobetrages sicherzustellen.