Erst Personal finden, dann das Hotel bauen

AMS-Chef Günther Stürz, Leiter-Stv. Carmen Praxmarer, Gerhard Kubin (Leitung Beratungszone) und Leiter-Stv. Andreas Kopp (v. l.) RS-Foto: Haueis

Arbeitslosigkeit im Bezirk war 2018 mit 7,6 Prozent auf einem Tiefstand – Personalsuche wurde schwieriger

 

Es ist schwieriger geworden, Mitarbeiter zu finden – im Tourismus, mittlerweile aber auch in anderen Branchen. Die Kehrseite der Medaille: eine -historisch niedrige Jahres-arbeitslosenquote im Bezirk Landeck von 7,6 Prozent.

 

Von Daniel Haueis

 

Die Arbeitslosenquote für das Jahr 2018 betrug im Bezirk Landeck 7,6 Prozent – das ist nicht nur erstmals seit Jahrzehnten niedriger als in Österreich (7,7 %), sondern auch ein Tiefstand seit mehr als 30 Jahren: „Ich weiß die Arbeitslosenquote noch nie so niedrig“, sagt AMS-Chef Günther Stürz. In den letzten beiden Jahrzehnten betrug die Arbeitslosenquote meist um die 10 Prozent. Im Schnitt waren bei 20756 unselbstständig Beschäftigten 1714 Menschen arbeitslos gemeldet, 178 weniger als im Jahr 2017. Bei den unter-25-Jährigen ist die Arbeitslosigkeit um 12,5 % gesunken (213 Arbeitslose), bei den über-50-Jährigen um 8,5% (515 Arbeitslose). Und man ist in Landeck nicht lange arbeitslos: Mit Imst und Reutte weist der tourismusintensive Bezirk mit 46 Tagen die kürzeste Bezugsdauer in Tirol auf; länger als ein Jahr auf Arbeitssuche waren im Schnitt 15 Menschen (–8) – das ist ein österreichweiter Topwert. 31 Menschen suchten länger als ein halbes Jahr (–26). Gesunken ist auch die Zahl der Schulungsteilnehmer: 105 gab es 2018, 38 weniger als im Jahr zuvor. Lehrstellensuchende gab’s mit 12 um einen mehr, 83 offene Lehrstellen bedeuten ein Minus von 28,6 % – die Betriebe melden mangels Erfolgsaussichten die offenen Lehrstellen nicht mehr so flächendeckend wie früher.

 

KAMPF UM MITARBEITER. Überraschenderweise ist auch die Zahl der gemeldeten offenen Stellen minimal gesunken: Der Durchschnitt von 397 sind ein Minus von 2. Vom AMS Landeck wurden jedenfalls 4682 Stellen besetzt, 531 mehr als im Jahr 2017. „Die Dynamik ist hoch – es rührt sich was am Arbeitsmarkt“, sagt Günther Stürz. Und es wird für Unternehmen immer schwieriger, Personal zu finden, spricht er die Kehrseite dieser Statistik an: „Einheimischer Kellner und Koch sind nicht mehr üblich“, sagt Stürz. Der Tourismusbranche könnte nach seiner Einschätzung noch mehr Ungemach drohen: „Jetzt ist es wohl wichtiger, zuerst Personal zu suchen und dann das Hotel zu bauen. Sonst kann es passieren, dass man das Hotel nicht aufsperren kann“ – denn es sei derzeit noch einfacher, die Branche zu wechseln, da fast alle Wirtschaftsbereiche nach Mitarbeitern suchen. Bereits jetzt merkt Stürz, dass sich „große Namen“ wie St. Anton, -Ischgl oder Serfaus-Fiss-Ladis auch bei der Personalsuche leichter tun: „Der Konkurrenzkampf um Arbeitskräfte wird schärfer.“ Und auch der Betrieb als solcher ist Kriterium: „Wer als Betrieb mehr bieten kann, wird mehr Arbeitskräfte finden“, sagt Stürz. „Abzufedern“ versucht das AMS diese Entwicklung auch mit ausländischen Fachkräften: Saisonniers gab’s heuer 54 für den Bezirk Landeck, seit einigen Jahren wird der kroatische Facharbeitermarkt von Stürz & Co. bearbeitet, und 901 Beschäftigungsbewilligungen sprechen ebenfalls dafür, dass der Tourismus im Bezirk nicht nur von ausländischen Gästen, sondern auch Mitarbeitern profitiert.

 

WENIGER FÖRDERUNGEN. Das AMS Landeck hat 2018 übrigens 1,77 Millionen Euro an Förderungen (Lehrabschlusskurs, Frauenberufszentrum, Lehrstellenförderung etc.) ausbezahlt – im Jahr zuvor waren es noch rund 2 Millionen. Dies ist auf die gesunkene Arbeitslosigkeit zurückzuführen, aber auch auf Einsparungen der Bundesregierung. „Bei Schulungen merkt man Budgetkürzungen“, sagt Stürz. Im gesamten Jahr sind beim AMS Landeck knapp 11000 Anträge nach dem Arbeitslosenversicherungsgesetz eingegangen. 275 Mal wurde der Bezug gesperrt, 116 Mal davon, weil eine zumutbare Beschäftigung abgelehnt wurde. Das durchschnittliche Arbeitslosengeld ist tirolweit übrigens in Landeck am höchsten: 29,8 Euro (Frauen) und 37,8 Euro (Männer) beträgt der Tagsatz. Das bedeutet: Man muss vor dem „Stempeln“ gut verdient haben. AMS-Leiter-Stv. Andreas Kopp relativiert aber: „Da sind auch Überstunden drin.“ In Summe wurden vom AMS Landeck im Jahr 2018 22 Millionen Euro an Leistungen ausbezahlt, der Großteil davon als Arbeitslosengeld (18 Millionen Euro), 1,1 Millionen waren Notstandshilfe.

 

 

Heimhilfe-Ausbildung startet am 11. März

Das AMS Landeck bietet ab 11. März die Ausbildung zur Heimhilfe an – in Vollzeit, Dauer: vier Monate. Der Kurs findet im Bildungszentrum St. Vinzenz (Krankenpflegeschule Zams) statt. Interessierte können sich melden – es gibt noch ein paar Plätze. Die Ausbildung wird vom AMS bezahlt. Beratungstermine können unter 0544262616 oder michael.weisskopf@ams.at vereinbart werden.