Fernpasstunnel: Entscheidung gefallen?

Stärken und Probleme der Wirtschaft im Außerfern wurden bei einer Pressekonferenz in der Bezirksstelle Reutte der Wirtschaftskammer beleuchtet – Tirols WKO-Präsident Christoph Walser (Mitte), Bezirksobmann Christian Strigl (r.) und Bezirksstellenleiter Wolfgang Winkler wandten sich dabei nicht zuletzt dem Thema Verkehr zu. RS-Foto: Gerrmann

Bei der Pressekonferenz der Wirtschaftskammer ging es nur noch um die Höhe einer eventuellen Maut

Nicht immer liefert die Statistik eindeutige Ergebnisse: So landete das Außerfern beim Zukunftsranking der 93 österreichischen Bezirke republikweit mit Platz 56 nur im Mittelfeld – aber zugleich konnte man im Detail auch absolute Top-Werte verzeichnen. Darum und um die Herausforderung der Zukunft ging es kürzlich auch bei einem Pressegespräch bei der Wirtschaftskammer in Reutte.

Von Jürgen Gerrmann

Dass Reutte prinzipiell nicht in der Spitzengruppe platziert ist, führte Christoph Walser, der Präsident der Wirtschaftskammer (WKO) Tirol, dabei nicht zuletzt darauf zurück, dass man eben mit Abstand der kleinste Tiroler Bezirk ist. Drei andere (wahrlich nicht unerhebliche) Kennzahlen sprechen derweil eine ganz andere Sprache als die des Mittelfelds – die Arbeitslosigkeit ist mit im Sommer nicht mal zwei Prozent die niedrigste von ganz Österreich („Das ist Vollbeschäftigung“, sagt der Reuttener WKO-Bezirksobmann Christian Strigl), und die Bruttowertschöpfung mit 41 500 Euro pro Einwohner laut Walser „einfach super“. Das durchschnittliche Monatseinkommen von 2589 Euro wird in Tirol nur noch von Kufstein übertroffen (und das gerade mal um 11 Euro) und liegt damit weit über dem von Schlusslicht Kitzbühel (2349). „Man sieht – das steckt Potenzial drin“, ist der Präsident der Tiroler Kammer denn auch überzeugt.

Verkehr; Raumordnung; Tourismus.

Drei große Themen begleiteten die Arbeit der WKO in Tirol nach wie vor – neben der Raumordnung (genügend Neubauflächen für Wohnen und Gewerbe fehlen aus seiner Sicht) und dem Tourismus („angesichts des massiven Widerstands gegenüber vielen Projekten brauchen wir klare Ansagen der Politik im Vorhinein“ –) wandte Walser sich dabei vor allem dem Verkehr zu.

Dem  Inhaber eines Transportunternehmens ist es dabei offensichtlich nicht recht, dass medial dabei stets der Transit in den Vordergrund gerückt werde: „Die wahre Problematik steckt doch im Individual- und Reiseverkehr.“ Ständig rede man über die 2,5 Millionen Lkw, die jährlich auf der Brennerroute unterwegs seien – die 12,5 Millionen Pkw, die ebenfalls zur Wahrheit gehörten, gingen im öffentlichen Bewusstsein dagegen fast komplett unter.

Walser fand derweil freilich auch selbstkritische Worte: „Wir von der Wirtschaftskammer wollen nicht mehr die sein, die ständig nachschimpfen – sondern Ideengeber und Innovator.“ Im Moment erarbeite man ein detailliertes Verkehrskonzept, das die Jahre bis 2030 umfassen solle. Anfang Jänner werde man die ersten Ergebnisse präsentieren – und dabei solle der öffentliche Nahverkehr im Zentrum stehen.

Tunnel „vorrangig“.

Für das Außerfern halten Walser, Strigl und auch WKO-Bezirksstellenleiter Wolfgang Winkler die zurzeit heiß umstrittenen  Tunnel für „vorrangig“. Zudem sei auch der Tourismus in den Bezirken Imst und Landeck wesentlich darauf angewiesen, dass der Urlaubsverkehr problemlos über Reutte anrollen könne: „Da braucht es dringend Lösungen“, fordert der Präsident.

Im Moment befasse sich eine Arbeitsgruppe mit der zur Debatte stehenden Fernpass-Maut. Walser kündigte dabei den massiven Widerstand gegen die 37 bis 40 Euro, die zurzeit für eine Lkw-Fahrt kolportiert werden, an (bei Pkw sind es etwa 10): „Die Tunnellösung kann nicht zu 90 Prozent von der Wirtschaft finanziert werden.“ Man sei bereit, „einen gewissen Teil“ zu zahlen, aber diese Summen seien eine klare Benachteiligung der Außerferner Wirtschaft. Letztlich würden ja auch die Verbraucher zur Kasse gebeten: „95 Prozent aller Lebensmittel im Außerfern werden über den Fernpass angeliefert“, merkte Winkler an. Eine Maut fließe da ganz sicher in die Preiskalkulation mit ein.

Die Maut und die Verkehrslenkung.

Strigl wiederum beklagte, dass die Verkehrsdebatte „nicht ganz sachlich geführt“ werde (natürlich vor allem von den Gegnern der Projekte): „Wir wollen das ändern und Zahlen, Daten und Fakten neutral betrachten.“ Aber auch er unterstrich: „Die Maut darf nicht nur auf dem Rücken der Wirtschaft ausgetragen werden.“

Alle drei räumten indes ein, dass die Maut vor allem ein Finanzierungsinstrument sei, aber kaum jemand davon abhalte, durchs Außerfern zu fahren. Walser: „Schon die bisherige Maut hat nicht ansatzweise zu einer Verbesserung geführt. Allen Erhöhungen zum Trotz fahren immer mehr. Man muss endlich mit neuen Ideen kommen, anstatt immer nur an der Preisschraube zu drehen.“

Interessantes Detail: Für die Vertreter der Wirtschaft steht es „außer Diskussion, dass wir den Fernpasstunnel kriegen“. Man habe entsprechende Signale. Vermutlich ging es in der Pressekonferenz daher gar nicht mehr um das Ob, sondern um die Rahmenbedingungen. Wobei eins klar sei: „Wenn der Fernpasstunnel kommt, brauchen wir auch den durch den Tschirgant.“

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Die Oberländer Rundschau ist die regionale Wochenzeitung für die Bezirke Imst, Landeck, Reutte und Telfs im Tiroler Oberland.