Fix ist, dass noch lange nichts fix ist

Ab wann wieder dem runden Leder nachgejagt werden kann, steht noch in den Sternen. Foto: sportszene.tirol

TFV-Vizepräsident Bucher im RS-Gespräch über die Fußballzeit nach Corona und warum Geisterspiele keine Option sind

Anstatt über spektakuläre Treffer zu jubeln oder über strittige Szenen zu diskutieren, gibt es selbst im Tiroler Fußball-Unterhaus derzeit nur ein Thema: Corona. Wie nachhaltig die wohl größte Krise der Nachkriegszeit den Fußball verändert und wann es endlich wieder los geht, darüber sprach der RUNDSCHAU-Sportjournalist Alexander Dosch mit TFV-Vizepräsident Arno Bucher.

Von Alex Dosch

RUNDSCHAU: Servus Arno! In Zeiten wie diesen erstmal die Frage: Wie geht es dir?

Bucher: Danke der Nachfrage! So weit gut. Auch ich bin momentan daheim, beruflich soll ich nur rausfahren, wenn es bei unseren Kunden (Krankenhäuser, Anm.) Probleme mit unseren Geräten gibt. Alleine bin ich ja nicht, meine Söhne Matthias und David leisten mir Gesellschaft. Meine Frau ist als Krankenschwester voll im Einsatz. Im Gesundheitswesen gibts momentan mehr als genug zu tun.

RS: Du sagst es. In Tirol herrscht derzeit etwa ein striktes Ausgehverbot. Wie sehr schmerzt es dich, aktuell nicht joggen gehen zu dürfen beziehungsweise wie verbringst du die Zeit?

Bucher: Wer mich kennt, weiß, dass joggen jetzt nicht unbedingt mein Sport ist. Beruflich habe ich die Möglichkeit, Homeoffice zu machen und es werden jetzt halt gewisse Dinge aufgeräumt. Auch im Haushalt beziehungsweise Garten stehen Arbeiten an. Die werden wir vor zu abarbeiten. Zudem sucht das Land Tirol derzeit für regionale Screening-Teams und Notkrankenstationen Personal. Als ehemaliger Diplomkrankenpfleger werde ich mich dort melden und schauen, dass ich mithelfen kann.

RS: Auch in deinem Brotberuf bist du als Gebietsleiter bei „Getinge“, einem schwedischen Medizintechnik-Konzern, im Gesundheitswesen tätig. Inwieweit spürt ihr die Corona-Krise? 

Bucher: Die Corona-Krise spüren wir natürlich sehr. Die meisten unserer Produkte finden in der Intensivmedizin ihre Anwendung und wir können dazu beitragen, diese Krise zu meistern. So gesehen ist es momentan nicht langweilig.

RS: Auch in deiner Funktion als Vizepräsident des Tiroler Fußballverbands wird dir wohl nie langweilig. Auch wenn der Spielbetrieb im Tiroler Unterhaus derweil ausgesetzt ist. Ist schon absehbar, wie lange die Sperre andauern wird?

Bucher: Hier eine valide Aussage zu tätigen, wäre nicht seriös. Wir werden uns mit Sicherheit an die Vorgaben der Behörden halten. So wie es im Moment ausschaut, könnte diese Pause länger dauern.

RS: Nachdem den Vereinen auch ein Trainingsverbot auferlegt wurde, braucht es wohl auch eine Art Vorbereitungsphase, ehe der Ball wieder ins Rollen kommt. Wie lange wird diese etwa sein?

Bucher: Vorab: Bei uns in Kematen wurde bereits am Mittwoch, dem 11. März, seitens der Gemeinde der Sportplatz gesperrt. Und ich halte diese Sperrung für ein sehr gutes Mittel, die Ausdehnung der Infektionen zu verhindern beziehungsweise zu verlangsamen. Zum Thema Vorbereitung: Im Prinzip waren ja alle Mannschaften gleich weit, es wäre ja vergangenes Wochenende losgegangen. Ich denke, wir werden frühzeitig erfahren, wann es wieder losgeht und dann halt unter anderen (körperlichen) Voraussetzungen wieder spielen. Wie lange mindestens eine Vorbereitung dauern soll, muss man die Trainer fragen.

RS: Angesichts der angespannten Situation scheint ein Rückrundenauftakt erst im Mai auch nicht ganz unmöglich. Bis dahin wären etwa in der Tiroler-Liga normalerweise bereits sechs Runden absolviert. Gibt es für solch ein Szenario einen Plan B? Wenn ja, wie sieht der aus?

Bucher: Wann es wieder losgeht, ist derzeit mehr als fraglich. Vielleicht auch später, möglicherweise auch erst im Herbst und wir haben dann eine Meisterschaft wie das Kalenderjahr. Man kann momentan einfach keine seriöse Antwort darauf geben. Als Verband haben wir die Aufgabe, dann einen Spielplan zu erstellen, der für die Mannschaften und Vereine umsetzbar ist. Zudem wird es keine Insellösung des TFV geben, wir halten uns natürlich auch an die Vorgaben des ÖFB.

RS: Werden auch sogenannte „Geisterspiele“, also Spiele ohne Publikum, in Betracht gezogen?

Bucher: Fußball lebt von Emotionen. Und dazu gehören auch die Fans und Zuschauer. Wir müssen auch ganz strikt den Profi- vom Amateurfussball trennen. In den unteren Ligen sind die Zuschauereinnahmen ein wesentlich wichtigerer Faktor als bei den Profis. Vielleicht muss man dann bei den Amateuren länger mit einem Start warten. Aber auch hier müssen wir österreichweit überlegen, wie es weitergeht, wenn wir wissen wann und wie.

TFV-Vizepräsident Arno Bucher stand Rede und Antwort. Foto: TFV

RS: Besteht die Gefahr, dass die aktuelle Saison vorzeitig beendet wird? Wenn ja, wie sieht es dann mit der Auf- und Abstiegsregel aus?

Bucher: Im Eishockey ist die Saison ja bereits beendet worden. Ausschließen kann man dieses Szenario natürlich nicht. Auch hier müssen dann alle Landesverbände gleich mitziehen, möglicherweise müssen Durchführungsbestimmungen beziehungsweise Statuten geändert werden. So eine Situation hatten wir ja noch nie, deshalb müssen wir hier im Sinne der Amateurvereine versuchen, die beste Lösung zu finden.

RS: Kann die aktuelle Lage auch Auswirkungen auf die neue Saison haben oder beginnt diese, egal was in der laufenden noch geschieht, planmäßig?

Bucher: Natürlich haben wir einen Plan, wann die Saison 2020/2021 starten sollte. Aber es kann auch alles ganz anders kommen.

RS: Legen wir Corona mal auf die Seite: Du bist jetzt seit fast einem Jahr Vize-Präsident des TFV. Wie sieht ein erstes Resümee aus?

Bucher: Im Großen und Ganzen positiv! Viel Arbeit in den Detailfragen bezüglich einiger Änderungen in den jeweiligen Referaten. Auch einige repräsentative Termine waren dabei, die Hallenmeisterschaft ist abgeschlossen und das ein oder andere Projekt ist abgeschlossen und auf Schiene. Auch wenn uns hier Corona auch ausgebremst hat.

RS: Welche Projekte stehen als nächstes an?

Bucher: Die Vereinsakademie des TFV. Wir wollen hier den Vereinen und Funktionären zu aktuellen Themen Vorträge, Weiterbildungen, Schulungen und Workshops anbieten. Unser erster Vortrag wurde bereits Opfer von Corona. Ich bin aber optimistisch, dass wir auch hier in der zweiten Jahreshälfte weiterkommen werden.

RS: Danke für das Gespräch und gesund bleiben!