GR-Disput wegen „Rosshütte-Aufsichtsrat“

Bgm. Frießer ärgerte sich über das oppositionelle Vorgehen. Foto: Holzknecht

Seefelds Bürgermeister Frießer und GR Kneisl warfen sich gegenseitig mangelndes Demokratieverständnis vor

Entgegen dem bisherigen Usus wurde bei der jüngsten Seefelder Gemeinderatssitzung heftig debattiert und teilweise sogar gestritten. Der Grund: Die Oppositionslisten „Aktiv für Seefeld“ und die „Seefelder Bürgerliste“ hatten einen Vorschlag zur Neubesetzung des Aufsichtsrats der „Rosshütte Bergbahnen AG“ eingebracht. Bürgermeister Werner Frießer fühlte sich überrumpelt und warf GR Sepp Kneisl undemokratisches Verhalten vor. Dieser konterte, dass es für ihn demokratiepolitisch bedenklich sei, mit einer Mehrheit der Bürgermeisterliste „Seefeld bewegen“ die Kontrollfunktion des Organs auszuschalten. Am Ende der sehr emotionalen Debatte einigte man sich, den Aufsichtsrat künftig hauptsächlich mit Fachleuten zu besetzen, und das mit dem Einverständnis aller im Gemeinderat vertretenen Gruppierungen.

GR Sepp Kneisl, auf dessen Wunsch die Gemeinderatssitzung einberufen worden war, schlug vor, Wolfgang Rauth, Alexander Schmid, Markus Wackerle, Martin Schwenninger, Thomas Knuchel und Richard Schneider in den Aufsichtsrat zu berufen. Darauf Bgm. Frießer: „Ich habe ein Riesenproblem damit, dass die stärkste Fraktion im Gemeinderat zu diesem Vorschlag nicht einmal befragt wurde!“ Er stellte mit einem Imagevideo und beeindruckenden Zahlen vor, wie gut sich die „Rosshütte“ im Lauf der letzten zehn Jahre entwickelt hat: „Die Gastrobetriebe verzeichneten 2010 noch 366.000 Euro Umsatz, 2019 waren es bereits 680.000 Euro. Bei den Bergbahnen entwickelte sich der Umsatz im gleichen Zeitraum von 713.000 auf 1.229.000 Euro. Trotz durchschnittlichem Wetter konnten wir heuer im Sommer ein absolutes Rekordergebnis erzielen. Auch das Eigenkapital entwickelt sich in eine sehr positive Richtung. Der Vorstand hat also – im Zusammenspiel mit dem Aufsichtsrat – eine extrem gute Arbeit geleistet!“ 

KEIN STREIT VOR DER WM. GR Kneisl zweifelte diese Darstellung nicht an, verwies aber darauf, dass die Opposition bei der letzten Aufsichtsratbestellung wegen der bevorstehenden WM auf eine Besetzung des Gremiums mit Fachleuten verzichtet habe. Alexander Schmid ergänzte: „Wir sind der Meinung, dass der Aufsichtsrat für den Vorstand eine fachliche Bereicherung darstellen sollte, deshalb wollen wir Seefelder mit einer entsprechenden Qualifikation in dieses Gremium entsenden.“ Bürgermeister Frießer erinnerte daran, dass die Bergbahnen zu 91 Prozent Teil der „Beteiligungs- und Infrastruktur GmbH“ der Gemeinde Seefeld seien und eigentlich der Geschäftsführer dieses Betriebs den Aufsichtsrat vorschlagen könne. Diese Aussage brachte GR Kneisl derart in Rage, dass er Frießer sogar damit drohte, ihn als Geschäftsführer der „Rosshütte“ in Frage zu stellen. Nachdem sich die Aufregung etwas entspannt hatte, brachte der Ortschef den Vorschlag ein, Marketing-Spezialistin Silvia Frenes in den Vorschlag der Opposition zu integrieren. Die Debatte wurde schließlich ohne Abstimmung vertagt. Man einigte sich, das Thema noch einmal fraktionsintern zu diskutieren, Vor der Vollversammlung am 16. Dezember soll ein gemeinsamer Vorschlag eingebracht werden.

Von Bernhard Rangger

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