Grünes Hexenaustreiben

Liebe Freunde der grotesken Politinszenierung!

Unlängst erreichte mich per E-Mail eine Presseaussendung samt Bild mit seltsamer Botschaft. Das Foto zeigte unsere Vize-Landesmutter Ingrid Felipe inmitten prächtig aufgeputzter Fåsnåchtsfiguren. Die maskierten Winteraustreiber wurden im Text als vorbildliche Umweltaktivisten glorifiziert. Ausgerechnet die „Muller“ sind in Sachen Müll echte Musterschüler. Beim diesjährigen Umzug der Fåsnåchtler entstanden keine Abfallberge durch Wegwerfgeschirr. Die Veranstalter verwendeten Mehrweg-Becher. Und organisierten für die gut 10000 Besucher Fahrten mit den öffentlichen Verkehrsmitteln. Die Verknüpfung dieser beiden löblichen Tatsachen mündete in einer Ehrung. Ab sofort ist das „Mullerlaufen“ ein „Going Green Event“. Auf gut Deutsch: Eine gut gehende grüne Veranstaltung. Was oberflächlich, beim ersten Hinhören recht gut klingt, ist in sich mehrfach schräg. Dass jetzt ausgerechnet die grünen Feministinnen kollektive Männeraufmärsche huldigen, ist das eine. Immerhin ist der hinter Larven versteckte maskuline Hüftschwung ein Akt des Segenskultes, der im Sinne von #meToo wohl nicht allen Überprüfungen standhalten würde. Letztlich hatten die Grünen mit traditionellen Veranstaltungen in Uniform und Tracht bislang wenig am Hut. Aber die Koalition mit der Volkspartei scheint abzufärben. Und so eine Grüne im Dirndl hat durchaus Perspektive. Ich persönlich bin schon gespannt, ob auch die Oberländer Hochburgen der Fåsnåcht wie Telfs, Imst oder Nassereith ihr Hexentreiben bald als einen Beitrag zum Klimawandel sehen. Oder ob Bären, Treiber, Roller, Scheller und Schleicher den Politikern die Stirn zeigen. Und ihnen mitteilen, dass sie sich schleichen sollen. Außerdem: Das Verjagen der Kälte brächte ja eine bedrohliche Erwärmung der Wetterlage. Was einer Weltuntergangsstimmung gleich käme. Da finde ich es halb so schlimm, ein Schnapsl aus dem Einweg-Becher zu trinken.

Meinhard Eiter