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Imst | Chronik | 9. August 2021 | Barbara Heiss

Ein DJ fliegt um die Welt

Ein DJ fliegt um die Welt
Marco Jägert alias „DJ in-style“ freute sich auch in diesem Jahr wieder bei den Olympischen Spielen in Tokio dabei zu sein. Foto: Marco Jägert
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Marco Jägert alias „DJ in-style“ legte für die Österreichischen Athleten bei den Olympischen Spielen in Tokio auf

Seit Ende Juli ist der gebürtige Stamser und mittlerweile in Mieming lebende Marco Jägert – besser bekannt als „DJ in-style“ – auf der anderen Seite der Weltkugel in Tokio unterwegs: Als DJ darf er dort bei den Kletterbewerben für die richtige Stimmung unter Athleten, Trainern, Mitarbeitern und Millionen Zuschauern vor den Fernsehern auf der ganzen Welt sorgen. Für die RUNDSCHAU berichtet der junge Tiroler direkt von den Olympischen Spielen und sprach über seine Arbeit und die Besonderheiten durch Corona.
Von Barbara Heiss

RUNDSCHAU: Du warst ja schon öfter bei Olympischen Spielen als DJ mit an Bord – wie fühlt es sich an bei solchen Großereignissen dabei sein zu dürfen?
Marco Jägert: Ja, ich durfte schon öfters bei Olympia mit dabei sein. Die Erinnerungen an mein erstes Mal 2016 in Rio sind immer noch überwältigend. Damals war ich im Österreich-Haus und jeden Tag gab es eine mega Party gemeinsam mit den Gästen und den Einheimischen. Bei den nächsten Spielen in Pyeongchang 2018 konnte ich auch wieder im Österreich-Haus mit meiner Musik für Stimmung sorgen. Die Stimmung war auch in Südkorea gewaltig. Heuer bin ich in Tokio nun zum dritten Mal dabei.

RS: Wie sahen deine Vorbereitungen für dieses Event aus? 
Jägert: Die Vorbereitungen waren sehr aufwändig. Begonnen hat alles vor rund zwei Jahren mit einem Termin in Wien beim Olympischen Komitee. Damals war ja noch geplant, dass ich im Austria-House dabei sein kann, was aufgrund von Corona leider nicht mehr realisiert werden konnte. Bei den Spielen in Tokio bin ich bei den Kletterbewerben für den Sound zuständig. Dabei ist es unerlässlich – da die Musik auch im Fernsehen zu hören ist –dass man die richtige Liederauswahl trifft. Es ist wichtig, dass man sich nicht vergreift und man auch immer „am Punkt“ ist. Das heißt, man muss die Lieder in und auswendig kennen und zum Teil auch öfter schneiden. Diese Vorbereitungen sind schon sehr zeitaufwändig und man ist sehr gefordert, da die Kletterbewerbe sehr lange dauern. 

RS: Wie war die Anreise nach Tokio? Welche Maßnahmen bezüglich Corona wurden getroffen?
Jägert: Ich bin von München über Amsterdam nach Tokio geflogen. Dafür musste ich mich zweimal innerhalb von vier Tagen vor Abflug einem PCR-Test unterziehen und die Impfung wurde sowieso vorausgesetzt. Vor Ort wurde wieder ein PCR-Test gemacht, die Temperatur wurde gemessen und dann musste ich am Flughafengelände, in einer Quarantänestation, auf das Ergebnis warten. Dies dauerte ein paar Stunden, in denen ich aber bestens versorgt wurde. Danach wurde ich ins Hotel gebracht und befand mich in einer sogenannten „Bubble“. Wir dürfen uns nur in fix festgelegten Räumen aufhalten (Hotel, Supermarkt und Arbeitsplatz), sonst dürfen wir uns nicht frei bewegen.
 
RS: Stichwort Corona – Erzähl‘ ein bisschen davon, wie die Situation dort momentan ist? 
Jägert: Bis auf die oben genannten paar Wartestunden am Flughafen musste ich nicht in Quarantäne. Wir befinden uns ja in unserer „Bubble“ und kommen aus dieser auch nicht heraus. Außerhalb dieser haben wir keine Kontakte zu anderen Personen. Wir tragen täglich unseren Gesundheitszustand in einer App namens „ocha“ ein und werden regelmäßig getestet. Die Hygieneregeln sind sehr streng: Jeder trägt in Tokio immer und überall die Maske und desinfiziert sich laufend die Hände.
 
RS: Wie sieht ein typischer Tagesablauf bei dir aus? 
Jägert: Ich lege bei den Kletterbewerben auf. Es gibt vier Bewerbe mit zwei Proben – also sechs Mal. In den Tag starte ich am späteren Vormittag mit einem Frühstück, das ich über „uber-eat“ bestelle und eigentlich sehr gut schmeckt. Danach fahre ich zum Veranstaltungsort zu einem Teammeeting und anschließend legen wir mit dem Vorprogramm los. Die Stimmung ist recht gut, da doch einige Zuschauer (Trainer, Volunteers, Mitarbeiter etc.) vor Ort sein dürfen. Um 17 Uhr beginnen die Bewerbe und enden um 23 Uhr. Diese werden alle im Fernsehen von rund 240 Fernsehsendern übertragen und somit sehen und hören mehrere Millionen Menschen weltweit das Programm und damit auch meine Musik!
 
RS: Welche Art von Musik legst du in Tokio auf?
Jägert: Dem Sport angepasst. Beim Klettern arbeite ich mit unterschiedlichen Rhythmen und Beats. Ich versuche durch die Musik die Spannung noch mehr zu heben und die Zuschauer zum Mitfiebern oder Mitklatschen zu animieren. Jemand hat einmal gemeint, man kann mit der Musik ein „Bild zeichnen“ während der Kletterer die Wand empor klettert. Ich habe es so verstanden, dass ich mit meiner Musik die Dramatik und Spannung noch mehr
hervorheben kann. Somit bringt man, während der Sportler alles gibt, eine einmalige Dramaturgie hinein. 

RS: Was bekommst du von den Bewerben und Athleten mit? Wie nah bist du quasi am Geschehen?
Jägert: Die Kletterbewerbe erlebe ich hautnah und man trifft auch die Athletinnen und Athleten. Die Musik kommt gut an und so mancher Sportler äußert auch Liederwünsche und freut sich, wenn er beispielsweise etwas aus seiner Heimat hört. Besonders freue ich mich natürlich über die Erfolge von Jakob Schubert, mit dem ich auch zusammen studiert habe. Das war wirklich sensationell.

RS: Bist du eher auf den großen Bühnen zuhause oder magst du lieber „kleinere“ Veranstaltungen?
Jägert: Es kommt nicht auf die Größe der Veranstaltung an, sondern immer auf den Flow, wie die Leute mitgehen. Es ist einfach etwas ganz besonderes, wenn man etwas von den Leuten zurückbekommt und man spürt, dass die Leute Spaß haben und den Moment genießen. Auf den Fotos schaut es zwar mega aus, wenn du vor tausenden Leuten spielst, aber es ist auch eine große Belastung. Du weißt, dass gerade Veranstaltungen wie Olympia Millionen Menschen mitverfolgen und da möchtest du jedenfalls nicht derjenige sein, der seinen Teil vermasselt.
   
RS: Du hast bei unserem letzten Gespräch von deiner Arbeit abseits der Bühne gesprochen: Wie läuft es mit deiner Event-Firma beziehungsweise deiner DJ-Agentur? 
Jägert: Die Agentur ist gewachsen und es macht mir sehr viel Spaß den jungen DJs zuzusehen, wie sie immer besser werden. Wir sind ein super Team und ich kann mich auf alle verlassen. Die Zusammenarbeit und vor allem der Zusammenhalt machen mich ganz besonders stolz. Des weiteren gibt es noch ein neues Projekt gemeinsam mit zwei Freunden, die Cocktail-Bar „Shakerz“ in Imst, wo meine DJs auch mithelfen. 

RS: Wie geht es euch in Österreich seit Corona?
Jägert: Trotz allem geht es uns gut! Die Sofortmaßnahmen der Regierung und die Förderungen sind bei uns angekommen. Natürlich schmerzt es, beruflich mehr als ein Jahr verloren zu haben. Unzählige geplante Veranstaltungen konnten nicht verwirklicht werden. Wir sind positiv gestimmt und freuen uns auf das, was in Zukunft möglich sein wird. Die Maßnahmen verkomplizieren die Vorbereitungen, machen sie aber nicht unmöglich. 

RS: Was war dein erster Auftritt seit dem Ausbruch der Corona-Pandemie? Wie hat es sich angefühlt, wieder auf der Bühne zu stehen? 
Jägert: Ich habe auch während der Pandemie immer wieder auflegen dürfen, beispielsweise bei den Weltcup Skibewerben oder beim Skispringen am Bergisel – leider ohne Zuschauer. Im Fernsehen und Radio konnte man mich aber hören. Das Feedback der Sportler war echt cool. Sie schätzten es sehr, dass ich mit der Musik für eine tolle Stimmung im Stadion gesorgt habe.

RS: Welche Veranstaltungen sind nach den Olympischen Spielen geplant? 
Jägert: Nach Olympia bin ich einige Tage zuhause. Danach geht es für mich weiter nach Frankreich zur „Tour de l‘avenir“, dem Radrennen der U23, bei dem ich bereits 2019 dabei war.  
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