Rundschau - Oberländer Wochenzeitung
Imst | Chronik | 6. August 2019 | Bogdan Dujic

Obsteig schläft nicht

Dass Obsteig nicht schläft, schert die Transitlawine herzlich wenig. RS-Foto: Bundschuh
Der Rückbau solle vom Land finanziert werden, meint Föger. Geld müsse die Gemeinde für andere dringend anstehende Projekte in die Hand nehmen. Ende August startet die nächste Landhaus-Verhandlungsrunde. RS-Foto: Bundschuh
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Kommt die Neuauflage der 2012er Blockade?


Im Februar vor sieben Jahren kämpften die Obsteiger gegen Tagesspitzen von 14798 Kraftfahrzeugen, davon 1821 Lkws, vorwiegend Trucks. Nunmehr ist die Belastung auf 18000 (allermeist Transit) Autos angestiegen. Was tun? Rückbaumaßnahmen die „Obsteiger Dorfautobahn“ betreffend könnten zumindest als „Erstversorgung“ dienen, aber…


Von Peter Bundschuh 


Würde man nicht überwiegend auf die längst fällige Verkehrsberuhigung auf der mitten durch das Dorf führenden B189 mittels Rückbau setzen, hätte Obsteig wohl schon zu Sperrmaßnahmen gegriffen, überlegt Bürgermeister Hermann Föger. Kritiker geben hingegen zu bedenken, dass die Rückbaumaßnahmen zu kurz griffen und die eklatante Belastung der Gemeindebevölkerung nicht entscheidend verringern könnten. Auch nachher würde kein einziges Auto weniger durch Obsteig fahren.



Doch Kein einziges Auto weniger?

Föger räumt ein, dass der Rückbau keine zahlenmäßige Verkürzung der Blechschlange einbringen würde, aber jedenfalls ein unübersehbarer Beruhigungseffekt spürbar wäre. „Die Planung der Ortsdurchfahrt war geradezu ein Bilderbuchbeispiel für absolut misslungene Straßenprojektierung und ist als solche auch in Fachkreisen regelmäßig zitiert“, so Hermann Föger. Somit sei der Rückbau die Korrektur eines Fehlschlages, welche die Verkehrssicherheit und generelle Lebensqualität der Sonnenscheingemeinde heben würde und zumindest als Sofortmaßnahme dienen könnte. „Es war ein Wahnsinn, so zu bauen. Von oben schaut das ganze derzeit aus wie die Rollbahn eines Flughafens“, nimmt sich der Bürgermeister kein Blatt vor den Mund.




Der Rückbau solle vom Land finanziert werden, meint Föger. Geld müsse die Gemeinde für andere dringend anstehende Projekte in die Hand nehmen. Ende August startet die nächste Landhaus-Verhandlungsrunde. RS-Foto: Bundschuh

Das liebe Geld

Dass die Gemeindekasse von Obsteig nicht gerade aus allen Nähten platzt, ist kein Geheimnis. Dem Obsteiger Dorfchef wird aber auch seitens Bürgermeisterkollegen Verhandlungsgeschick bestätigt. Seine Ansicht, dass der Rückbau einerseits als Teil der Fernpassstrategie und andererseits aus dem Gemeindeausgleichsfond des Landes bezahlt werden müsse, trifft im Dorf auf breite Zustimmung. Insgesamt wären etwa flotte zwei Millionen Euro aufzubringen, die Hälfte davon von der Gemeinde, das ist schlichtweg nicht möglich, „dann müssen wir es lassen“, so der Bürgermeister. Grundsätzlich stünden aber die zuständigen Landesräte Josef Geisler und Johannes Tratter (zuständig für Gemeindeausgleichsfond) dem Obsteiger Anliegen positiv gegenüber. Abgesehen davon wird man Föger zustimmen, wenn er gegenüber der RUNDSCHAU meint: „Wir sind die einzige Gemeinde weit und breit, die über keinen Mehrzweck-(Turn)Saal verfügt“ – dafür und auch für einen Kindergartenneubau brauche man einiges an Finanzkraft.



Der Föger-Heppke-Plan

Auch Günter Heppke, Leiter des Baubezirksamtes Imst, ist in den Föger-Dreistufen-Plan eingebunden. Dabei geht es um die Aufsplitterung von Kosten, aber auch um die in die Rückbaumaßnahmen eingebundene Sanierung von zwei Brücken im Ortsgebiet. Abschnitt eins betrifft die Strecke von der „Alten Schmiede“ bis Gemeindegrenze West mit Kosten um maximal 600.000 Euro. Auch ein Verkehrsüberwachungssystem wie Radar oder Kamera am östlichen Ortsende würde Sinn machen. Und der Bürgermeister ist nicht der Einzige, der an dieser Stelle schon Zeuge haarsträubender Überholaktionen sogar links der Verkehrsinsel geworden wäre.



Zähes Ringen

„Obsteig schläft nicht“ soll nicht nur auf das immer stärker in die Nachtstunden verlegte Verkehrsaufkommen hinweisen, sondern auch darauf, dass der Widerstand gegen die Transitbelastung auch nicht eingeschlafen ist. Dass man am Ende des Tages nach einem Jahrzehntelangen Kampf der Obsteiger und Tarrenzer vor dem nunmehrigen Istzustand mit Tagesspitzen von 18000 (Transit) Fahrzeugen steht, kann allerdings die Motivation schon deutlich einbremsen. Dennoch – wer aufgibt, hat schon verloren. Auch wenn man die einzelnen Belastungslagen nach ihrer juridischen Positionierung unterschiedlich zu beurteilen hat, wird man aus Obsteiger Sicht etwas neidisch auf zumindest zeitliche Problemeinschränkungen durch Wochenendfahrverboten blicken, wie sie in den Bezirken Reutte und Innsbruck-Land zur Anwendung kommen.

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