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Imst | Chronik | 14. Juni 2021 | Gebi G. Schnöll

Polizisten schlugen bei Unternehmer zu

Polizisten schlugen bei Unternehmer zu
Staatsanwall Hansjörg Mayr: „Wir sind wegen der Busfahrten auf die gefälschten Maskenbefreiungs-Dokumente aufmerksam geworden!“ Foto: zeitungsfoto.at
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Staatsanwaltschaft ordnete Hausdurchsuchung an: Waffen, Munition und mehr als 100.000 Euro Bargeld sichergestellt

Ein Firmengebäude in einer Gemeinde nahe Imst und noch zwei andere Örtlichkeiten waren am vergangenen Donnerstag Schauplätze von Hausdurchsuchungen, die im Auftrag der Staatsanwaltschaft Innsbruck von Beamten der Finanz- und Bundespolizei durchgeführt wurden. Sechs Waffen samt Munition und ein sechsstelliger Bargeldbetrag wurden sichergestellt, zudem steht der Firmenchef unter Verdacht, Dokumente zur Maskenbefreiung gefälscht und Steuern hinterzogen zu haben. Es gilt die Unschuldsvermutung.
Von Gebi G. Schnöll und Manuel matt

Gegen den Unternehmer wurden von der Staatsanwaltschaft Innsbruck umfangreiche Vorerhebungen durchgeführt. Die Ermittlungen hat die Staatsanwaltschaft eingeleitet, als der 44-Jährige heuer im Frühjahr österreichweit für Schlagzeilen sorgte. Zwei vollbesetzte Reisebusse machten sich am 6. März auf den Weg nach Wien. In den Bussen waren Demonstranten, die extra für die Demo gegen die Corona-Maßnahmen in die Bundeshauptstadt gereist sind. Zehn Tage nach der Wienfahrt verzeichnete man in der Gemeinde, in der das Unternehmen seinen Sitz hat, einen Anstieg der Corona-Infektionszahlen. Der anfangs angestellte Verdacht eines Zusammenhangs erhärtete sich allerdings nicht, wurde der Cluster doch etwas später vielmehr mit der örtlichen Volksschule in Verbindung gebracht. Aber: „Der Mann hat öffentlich kundgetan, dass er Dokumente über Maskenbefreiungen ausstellt. Seither haben wir gegen ihn ermittelt“, bestätigt Staatsanwalt Hansjörg Mayr gegenüber der RUNDSCHAU.

AUF FREIEM FUSS ANGEZEIGT.Letzten Donnerstag gegen 9 Uhr schlug ein Aufgebot an Finanz- und Bundespolizeibeamten zu. Drei Örtlichkeiten standen im Visier der Fahnder. Vier Langwaffen sowie zwei Faustfeuerwaffen samt Munition wurden sichergestellt. Die Behörde hat gegen den Unternehmer noch am selben Tag ein vorläufiges Waffenverbot ausgesprochen. Bei den Hausdurchsuchungen wurde auch ein sechsstelliger Bargeldbetrag sichergestellt. Es soll sich um weit mehr als 100.000 Euro handeln. Laut Staatsanwalt Mayr besteht der dringende Verdacht, dass der Unternehmer Abgaben hinterzogen hat. Der Verdächtige wurde auf freiem Fuß angezeigt und muss im Falle einer Verurteilung mit einer saftigen Strafe rechnen. Es gilt die Unschuldsvermutung. 

LIEBER ANGRIFF ALS NUR VERTEIDIGUNG. Der Schluss liegt angesichts der Aussagen der Staatsanwaltschaft nicht fern: Dass es sich beim Beschuldigten aber auch tatsächlich um den von Arzl im Pitztal aus operierenden Busunternehmer Andreas Thurner handelt, bestätigt am Montag eine Aussendung seines Thurner-Instituts, dem er auch als Vereinspräsident vorsteht. Allerlei Gründe werden darin für die „groß angelegte Polizeiaktion“ angeführt: Wie etwa „die Angst in den politisch besetzten Ämtern vor der Mündigkeit des ,kleinen Mannes aus dem Volk‘“. Die Vorwürfe der Strafbehörden sieht der 44-Jährige als Unterstellung – und bei der Durchsuchung der „Geschäfts- und Privaträume“ sowie des Elternhauses sei „alles“ mitgenommen worden, „was ins mögliche Schema einer kreativen Schuldzuweisung passen könnte“, so Thurner: „Alles ersparte Bargeld, die legale Jagdausrüstung, Firmentelefone und unter Gewaltandrohung sogar Vereinsunterlagen mehrerer Vereine aus dem per Immunität rechtlich geschützten Presseraum unter Missachtung aller gesetzlichen Vorschriften.“ Hinter „der fragwürdigen Aktion und Anklage“ stehe derweil nur ein „einziger Zweck“, sagt der Busunternehmer: „Einschüchterung und Verleumdung. Denn ansonsten wäre mein zuvor mehrfach angefragter Dialog an die zuständigen Behörden ja angenommen worden.“ In mehreren „Proklamationen“ sowie „unter Fristangabe zu verschiedenen Themen“ habe er nämlich der Bezirkshauptmannschaft Imst zuvor einen solchen „Dialog mit den verantwortlichen Stellen“ angeboten „und unter anderem um einen Vorschlag zum jeweiligen Thema ersucht“, heißt es in der Aussendung. „Eine Antwort oder Rückmeldung der Verantwortlichen“ habe er nie erhalten, „stattdessen eine solche, weit überzogene Aktion“, gibt Thurner zu Protokoll. Sich selbst sieht der 44-Jährige als „aufrechten Tiroler“, wobei es „ja den Anschein machen“ könnte, dass er „in seinem Engagement für Menschen, Menschlichkeit und Eigenverantwortung klein und gefügig gemacht werden“ soll, „mit wilden Phantasieszenarieren von einigen Bürokraten“. Um eine „echte, bodenständige Alternative“ zu „einer arroganten Selbstbedienungsbürokratie“ zu schaffen, habe er „einen rechtskonformen Schachzug gewählt, der in den eingeweihten politischen Kreisen schon immer genutzt wird: Der legal gestaltungsfreie Rechtsraum des Vereinswesens“, so Thurner – „und warum wohl gibt es bei den engagierten Politikern von Rang so auffällig viele Vereine? Vielleicht wegen eines Rechtsraums, der so vielschichtige Gestaltungsmöglichkeiten wie kein anderer bietet? Ein Schelm, der Böses dabei denkt…!“ Seine „ins Leben gerufenen, gemeinnützigen Vereine“ würden jedenfalls „für die Rückkehr zum Hausverstand, zu Eigenverantwortlichkeit in Ethik, Menschlichkeit und Freiheit in den verschiedenen Lebensbereichen“ stehen, schließt Thurner: „Dies ist unser Ideal, das wir gemeinsam praktisch leben möchten und zu dem wir von ganzem Herzen einladen!“
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