Rundschau - Oberländer Wochenzeitung
Imst | Kultur | 17. August 2020 | Peter Bundschuh

Aus für Imster Jakob-Kopp-Straße?

Aus für Imster Jakob-Kopp-Straße?
Sabine Schuchter und Rainer Hofmann sind sich in der Sache selbst einig. Aber Umbenennung oder aufklärende Tafel, das ist hier die Frage. RS-Foto: Bundschuh
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Mundartdichter Jakob Kopp, Verseschmied, Judenhasser und Kriegstreiber bis zum Zusammenbruch 1945

Der hohe Stellenwert zeitgemäßer Dialektdichtung wird gerade in Imst durch den Lyrikerinnenkreis „Wortraum“ deutlich gemacht. Und wer es hingegen „lederhosig“ mag, dem steht auch ein reichhaltiger „Gedichtelefundus“ zu Verfügung. Grenzen sind aber zu ziehen und der durchaus bekannte, aus Imst stammende Verseschmied Jakob Kopp hat diese in unakzeptabler Weise überschritten. Mit der Adresse Jakob-Kopp-Straße in einem relativ jungen Siedlungsgebiet der Stadt Imst werden möglicherweise nicht alle Anrainer ihre Freude haben.
Von Peter Bundschuh

Jakob Kopp als „Nazi-Schreiberling“ abzutun, würde zu kurz greifen und dem Gesamtwerk des „Aushängeschilds“ der Imster Mundartdichtung womöglich nicht gerecht werden, auch (wenn es sein muss) völkisch ausgerichtetes Denken im literarischen Bereich zuzulassen, gebietet ohnehin das Prinzip der Meinungsfreiheit. Mit Kriegshetze, wie im „Tiroler Standschützenlied 1944“ getextet und vertont – bereits im aussichtslosen Kampf des „Volkssturms“ – sind hingegen Grenzen klar überschritten. Im Rahmen der höchst sehenswerten Ausstellung „Zeit der Befreiung“ im Imster Museum im Ballhaus, welche die Handschrift von Museumsleiterin Sabine Schuchter, Stadtchronisten Franz Treffner und Historiker Rainer Hofmann trägt, kam die Jakob- Kopp-Straße neuerlich zur Sprache. Bürgermeister Stefan Weirather zeigte sich um die Aufarbeitung des Themas bemüht, er sagte die Befassung des Gemeinderats und konkrete Schritte zu, so Historiker Rainer Hofmann gegenüber der RUNDSCHAU. An dieser Stelle sei festgehalten, dass Jakob Kopp nicht Mitglied der NSDAP war, die ideologische Ausrichtung der Nationalsozialisten aber in seinen oft pathetisch anmutenden und holprigen Versen vehement vertrat. Dies wird in seinem Judenhass und dem Aufruf zum längst aussichtslos und somit sinnlos gewordenen Kampf des „Volkssturms“ deutlich.

AUCH NACHLASSVERWALTER NORBERT MANTL KRITISCH. Wenngleich Kopp-Freund und Nachlassverwalter Norbert Mantl an einer „Löschung“ des eher peinlichen NS-Propagandagewerkles Kopps interessiert war, kann ihm Transparenz nicht kategorisch abgestritten werden. So bezeichnet er 1962 gegenüber der Gemeinde Imst Kopps NS-Gedichte als dürftig und literarisch nicht viel wert. Und weiter: „Ich empfehle daher die Vernichtung, da sie auch lokalgeschichtlich ohne jede Bedeutung sind.“ Des Weiteren: „Ich fand selbst zwei oder drei Gedichte, die ich ohne Gewissensbisse vernichtete. Ich denke nicht daran, auch die Spreu in Kopps Gedichten der Nachwelt zu überliefern.“ „Lady Ballhaus“, Sabine Schuchter, schließt in Zusammenfassung: „Einige zeitgenössische Künstler haben sich in ihrer Beschäftigung mit Kopp-Arbeiten klar von seinem nationalsozialistischen und antisemitischen Gedankengut distanziert. Andernorts ist dieser Schritt noch immer ausständig.“ (Stadtzeitung Imst, Ausgabe Nr. 1/2018, verfasst von Museumsleiterin Sabine Schuchter).

AUFKLÄREN ODER UMBENENNEN? Nein, es ist nicht „g’hupft wie g’sprungen“ oder der sprichwörtliche Kampf um des Kaisers Bart, denn es geht letztlich ja auch um die Menschen, die in der Straße mit der „Problemadresse“ Jakob Kopp leben und deren Interessen im Zentrum der RUNDSCHAU-Berichterstattung stehen. Darüber, dass eine Lösung bezüglich des Straßennamens gefunden werden muss, sind sich Museumschefin Schuchter und der profunde Historiker Hofmann einig. Ob nun eine Umbenennung oder das Anbringen einer Zusatztafel, die den Straßennamen kritisch beleuchtet, die passende Maßnahme ist, steht noch im Raum. Beide Varianten sind durchaus argumentierbar.

SABINE SCHUCHTER MEINT. Schuchter im RUNDSCHAU-Gespräch: „Den Straßennamen Jakob Kopp gibt es erst seit 1976 am Sonnberg und die Auswahl hat mit der nationalsozialistischen Vergangenheit Jakob Kopps nichts zu tun. Eher wurde einfach eine bekannte Person mit Imst-Bezug gewählt. Kopp war ja auch gebürtiger Imster, ging aber schon in jungen Jahren nach Innsbruck und arbeitete als Zeichner in der Glasmalerei. Seine Gedichte verfasste er erst im Pensionistenalter. Seine Arbeiten wie beispielsweise das ,Labaraliead‘ gehören zweifelsohne zum Imster Kulturgut, andererseits wurden Kopp-Gedichte von Ploner, dem ,Hofkomponisten‘ des Gauleiters Hofer, vertont. Mantl aus Nassereith verwaltete Kopps Nachlass und ,bereinigte‘ diesen auch im Sinne einer Reinwaschung. Die Benennung einer Straße entspricht einer besonderen Ehrung, die in diesem Falle höchst fragwürdig erscheint, eine Umbenennung wäre angebracht, es gab ja auch Opfer des NS-Regimes in Imst, so viel als Anregung.“

DAZU RAINER HOFMANN. „Wir sind uns darüber einig, dass die Angelegenheit der Jakob-Kopp-Straße einer Klärung bedarf. Meine Idee wäre, den Straßennamen zu belassen, aber durch Anbringung einer Zusatztafel auf die nationalsozialistische Ausrichtung des Heimatdichters hinzuweisen. Geschichte eben nicht ,wegwischen‘, sondern erklären.“ So weit also die Vorschläge aus fachlicher Seite. Was sagen aber die Bewohner der Jakob-Kopp-Straße? Die RUNDSCHAU bleibt am Ball.
Aus für Imster Jakob-Kopp-Straße?
Aus Tiroler Volkssturm 1944: Hellau! Iatz ruckt der Volkssturm an! Iatz, alle Mander drauf und dran, seid’s föscht und hart wie Eisen… Ältere Männer und Jugendliche als sinnloses „Kanonenfutter“ in einem verlorenen Krieg quasi-lyrisch zur Selbstaufgabe anzuspornen, kann auch nicht zur Geisteshaltung sehr heimatverbundener Tiroler gehören. RS-Foto: Bundschuh
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