Rundschau - Oberländer Wochenzeitung
Imst | Kultur | 25. Feber 2020 | Friederike Bundschuh

Die in eine Frage mündende, offene Form

Der Fokus der Retrospektive von Gerhard Tiefenbrunn in der Hörmann-Galerie liegt auf Arbeiten, die zwischen 2014 und 2020 entstanden sind. Im Bild: „Ohne Titel“, Acryl auf Leinwand (2019). Foto: Tiefenbrunn
Bald zu Gast in der Imster Hörmann-Galerie: Der Landecker Grafiker und Maler Gerhard Tiefenbrunn RS-Foto: Bundschuh
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Der Landecker Künstler Gerhard Tiefenbrunn im Portrait



Mit einer Werkschau des Oberländer Grafikers und Malers startet die Städtische Galerie Theodor von Hörmann in ihr neues Ausstellungsjahr. Im Zentrum der gezeigten Bilder steht die Schaffensperiode zwischen 2014 und 2020. Die RUNDSCHAU traf Gerhard Tiefenbrunn zum Gespräch.



Von Friederike Bundschuh



Der Landecker Künstler Tiefenbrunn studierte von 1984 bis 1990 in Wien an der Hochschule für angewandte Kunst Grafik, Malerei und Fotografie und absolvierte die Meisterklasse von Oswald Oberhuber. Das Kunstverständnis Oberhubers wird fortan Tiefenbrunns künstlerische Laufbahn beeinflussen. „Bei Oberhuber haben wir das Wissen um die Kunst gelernt, nicht einzelne Techniken. Er hat uns Bilder erklärt und uns gezeigt, wie man an Grenzen geht oder was möglich ist“, so Tiefenbrunn. Gibt es etwas, das in der Kunst unmöglich ist? „Nein, im Grunde nicht – vielleicht, wenn man zu bieder ist“, schmunzelt der Landecker.


Bald zu Gast in der Imster Hörmann-Galerie: Der Landecker Grafiker und Maler Gerhard Tiefenbrunn RS-Foto: Bundschuh


Arbeiten auf Plexiglas, Leinwand, Schaumstoff, Alu


Tiefenbrunn arbeitet mit verschiedensten Techniken und Materialien: Zum einen herkömmlich mit Acryl oder Öl auf Leinwand. Zum anderen bearbeitet er eigene Fotos und Skizzen am Laptop, der ihn auf Reisen immer begleitet, und lässt sie auf unterschiedliche Materialien drucken wie Plexiglas, Alu oder Schaumstoff. Gedruckt werden maximal bis zu drei Stück, ausgenommen bei Unikaten oder Portraits, da gibt es jeweils nur ein Exemplar. Der Kunstschaffende überschreitet in seinen Arbeiten Formen, Genres und Medien, er analysiert, interpretiert und reduziert. Im Zentrum steht die Vereinfachung, die Unschärfe. Der Fokus liegt auf der Sichtbarmachung des Nicht-Darstellbaren hin zu einer zeitlosen, allgemein gütigen, zutiefst menschlichen Substanz von Kunst. Dabei werden Grenzen überschritten oder bestehende Strukturen aufgebrochen wie zum Beispiel Bekleidungstraditionen, „aber nichts Unanständiges“, meint Tiefenbrunn, und weiter: „Es obliegt der Kunst auch, unanständig zu sein, allerdings immer in einem vertretbaren Rahmen.“ Dabei bezieht er sich auf die Werke der Ausstellung von „Deepwell Summer Fashion“ (2020) Abu Dhabi – Paris.



Alte Bilder, neu überarbeitet


Der Fokus der Retrospektive in der Hörmann-Galerie liegt auf Arbeiten, die zwischen 2014 und 2020 entstanden sind. Gerhard Tiefenbrunn hat sich erneut mit seinen Werken befasst und begonnen, seine Kunst unter neuen, gegenwärtigen Aspekten zu überdenken und zu überarbeiten. Dabei werden seine Arbeiten aus ihrem historischen Korsett gelöst, dekonstruiert, zerlegt. „Ich reduziere, reduziere, reduziere“, allerdings ist er weit davon entfernt, Kunstwerke zu zerstören oder zu verwerfen. Tiefenbrunn arbeitet mit dem Resultat dieses erneuten Schaffensprozesses, mit dem Fragment. Dieses Fragment, die offene, unvollendete Form wird so als eigenständiges Motiv anerkannt und als Ausgangspunkt für immer wieder neue künstlerische Interpretationen genützt. Gezeigt werden Werke aus den Zyklen „Portraits“, „Reisebilder“, „Formenkanon1 und 2“, „inflationäre Kunst“, „In Auflösung“, „Vorschau Summer Fashion 2020“ und „Das Helle im Dunkel“.


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