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Imst | Kultur | 7. April 2020 | Klara Fritz

Fasten in der Krise

Fasten in der Krise
Im RS-Fastengespräch: Jugenddiakon Andreas Sturm RS-Foto: Bundschuh
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Jugenddiakon Andreas Sturm über die vorösterliche Tradition


Fasten trotz Einschränkungen und der Fastengedanke bei Jugendlichen. Darüber sprach die RUNDSCHAU mit dem Imster Jugenddiakon Andreas Sturm.


Von Peter Bundschuh

„Als Diakon bin ich in Imst für die kirchliche Kinder- und Jugendarbeit zuständig und natürlich ist dabei Fasten auch in meinem Bereich Thema. Fasten muss nicht unbedingt Verzicht auf bestimmte Esswaren bedeuten, auch wenn ein solcher Verzicht im christlichen Glauben am Aschermittwoch und Karfreitag vorgesehen ist. Auch der fleischlose Freitag während des Jahres hat Tradition, ersetzt man das Schnitzel aber durch ein Meeresdinner der Luxusklasse, wird das Fasten zum Scheinverzicht. Almosengeben, Fasten und Beten sollen ,ohne ein langes Gesicht zu ziehen‘ im Leben ihren Platz finden und dem Prinzip der Stille folgen. Verzicht auf spiritueller Basis verlangt nach keiner Bühne und soll nicht den Anschein eines Show-Programms erwecken.“



Persönlich

„Der Sinn des Fastens liegt für mich auch darin, Gewohnheiten zu ändern und eine Zeit lang Unterschiede zum Normalalltag zu leben. Die Madonna von Medjugorje empfiehlt, an den Mittwochen und Freitagen nur Wasser und Brot zu sich zu nehmen. Ich selbst faste auch bei Wasser und Brot, allerdings mit einer Brotsorte, die mir schmeckt. Nach dem dritten Tag fällt der Verzicht leichter, wann die Zeit für das Fastenbrechen gekommen ist, meldet mein Körper von sich aus. Gesundheitsschädliches Hungern kann jedenfalls nicht dem Inhalt eines Fastenopfers gerecht werden.“



In oder out?

Andreas Sturm weiter: „Mein Engagement als Diakon bringt es auch mit sich, dass ich den Lebensstil junger Menschen recht gut kenne. Fasten muss nicht ausschließlich ,Hände weg von Schokolade‘ bedeuten. Verzicht als ein Beweis der Stärke mir selbst gegenüber kann beispielsweise auch heißen, das Handy für einen bestimmten Zeitraum – und sei es auch nur ein halber Tag – wegzulegen. Sich zu beschränken kann in solchen ,Fasten–Experimenten‘ durchaus Auskunft über die eigene Persönlichkeit geben, so in dem Sinne: ,Wer ist letztlich der Chef?‘ Das Mobiltelefon, die sozialen Medien oder doch ich selbst? Persönlich äußere ich mich in meiner Jugendarbeit nicht übermäßig zum Fastengebot, es berührt nach meiner Erfahrung die Jugendlichen eher wenig, allerdings gibt es Fasten-Aktionen des Katholischen Familienverbands, die Anklang finden. Am wichtigsten bei Jugendlichen ist, dass Fasten keinesfalls zu einer Form der Selbstbestrafung in Richtung Magersucht führen darf. Verzicht soll stärken und auf gar keinen Fall ein Gefühl der Wertlosigkeit auslösen.“



Verzicht als Bedürfnis

„Fasten sehe ich auch als Bedürfnis, ganz profan auch gegen Übergewicht. Erhaltung der Gesundheit ist ebenso ein Anreiz wie der religiöse Zugang. Bereicherung durch eingeschränkte ,Verdauungsarbeit‘ heißt aber auch, sich nicht zu viel vorzunehmen, das dann aber konsequent zu Ende zu führen. Fasten soll nicht gesellschaftlicher Zwang sein, der kirchliche Aufruf zum Fasten wurde aber auch zur gesellschaftlichen Strömung in den Familien. Geschadet hat mir der Verzicht auf Süßigkeiten zur Fastenzeit schon als Kind sicher nicht. Verzicht steht auch als eine Säule des christlichen Lebens allerdings mit Maß und in einer Form, dass Einschränken, Verzicht und Opfer dem Befinden letztlich zur Stärkung dienen. Die Corona-Pandemie zwingt uns, auf vieles, was uns Freude bereitet, zu verzichten. Dieser Verzicht ist sicher für uns alle ein Opfer. Einen positiven Wert bekommt dieses Opfer dann, wenn es ohne Widerwillen hingenommen wird und wir diese Einschränkungen zum eigenen und Allgemeinwohl annehmen und mittragen. Ich wünsche uns eine gesegnete Osterzeit und ein baldiges Ende dieser Corona-Krise und Gesundheit und Zufriedenheit in der Zukunft.“

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