Rundschau - Oberländer Wochenzeitung
Imst | Kultur | 5. März 2019 | Bogdan Dujic

Fotografie im Wandel der Zeit

Edith Hessenberger zeigt einen Bildband über Norwegen von Ewald Schmid, Willi Pechtl und Lukas Morscher (v.l.) schauen anerkennend. RS-Foto: Dorn
Ob immer schon ein Trend zur Ästhetisierung der Motive vorhanden war, diskutierten Museumsleiterin Edith Hessenberger und Stadtarchivleiter Lukas Morscher. RS-Foto: Dorn
Besonders die Anfänge der Fotografie faszinieren den Buchautor und Künstler Willi Pechtl. RS-Foto: Dorn
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Diskussion im Turmmuseum zur Geschichte der Fotografie


Derzeit widmet sich das Turmmuseum Oetz ganz der Fotografie. Zur aktuellen Ausstellung mit Bildern Josef Öfners über das Leben und Arbeiten der Ötztaler, lud das Museum kürzlich zu einer Diskussion über Fotografie einst und heute. Dabei diskutierten der Leiter des Innsbrucker Stadtarchivs Lukas Morscher, der Künstler und Buchautor Willi Pechtl sowie der Obmann des Fotoclubs „Heligon“ Ewald Schmid gemeinsam mit Museumsleiterin Edith Hessenberger, die den Abend auch moderierte, über unterschiedliche Aspekte wie Technik, Motiv oder Fotografie als Propagandamittel.

Von Agnes Dorn

Ob immer schon ein Trend zur Ästhetisierung der Motive vorhanden war, diskutierten Museumsleiterin Edith Hessenberger und Stadtarchivleiter Lukas Morscher. RS-Foto: Dorn


Fotografie hat wohl immer schon den Zweck der Dokumentation miterfüllt. Schon ganz zu Beginn wurden so Lebensweisen, Landschaften, Bauwerke und Menschen abgelichtet, die ansonsten für immer in Vergessenheit geraten wären. Doch auch heute dient die Fotografie der Erinnerungskultur, die die Umgebung im Bild konserviert. „Das kollektive Gedächtnis ist ein sehr kurzes. Nach zehn bis 20 Jahren haben die Menschen zum Beispiel vergessen, welche baulichen Veränderungen es gegeben hat“, erklärt Stadtarchivleiter Lukas Morscher die Notwendigkeit einer Dokumentation. Doch mit der Objektivität ist das immer so eine Sache und so wie sich auch die Technik im Laufe der Zeit immer mehr verändert, so bleiben auch Bedeutung und Darstellung des Motivs nicht lange gleich: „Das Lachen auf den Fotografien ist zum Beispiel eine Erfindung der 60er Jahre. Die Fotografien wurden damals allgemein legerer und dynamischer“, nennt Morscher ein Beispiel und Buchautor Willi Pechtl ergänzt: „In der Geschichte waren Verfälschungen immer ein Thema.“ So wurde zum Beispiel schon früh in Aufnahmen von Familien der verstorbene Großvater im Nachhinein hineingeschnitten oder ein störendes Detail entfernt.

 
Was bleibt von uns?

Einen Trend zur „ultimativen Ästhetik“ verortet die Leiterin der Ötztaler Museen, Edith Hessenberger. „So wie ich es mit dem Auge sehe, so soll es herauskommen“, zeigt sich dagegen der Hobby-Fotograf Ewald Schmid überzeugt von der Authentizität seiner Bilder.  Allein 5000 Fotografien des Piburger Sees sind ihm inzwischen gelungen, was auch die Frage nach der Archivierung der durch die digitale Fotografie oft enormen Bildermengen aufwirft. „Was bleibt von uns und was soll überhaupt bleiben“, stellt Hessenberger in den Raum und bekommt gleich recht düstere Zukunftsprognosen präsentiert. So gebe es Spekulationen, dass vom 21. Jahrhundert nicht mehr als vom 12. Jahrhundert übrig bliebe, so Morscher, denn schon allein der Kunststoff in den Festplatten sei nicht besonders überlebensfähig. Ein Papyrus würde 5000 Jahre, eine CD-ROM 20 bis 50 Jahre halten und viele Daten von vor 15 Jahren seien heute schon nicht mehr lesbar. „Am längsten hält vermutlich das auf Papier gebrachte Foto“, resümiert Schmid, wobei Morscher sofort relativiert: „Ein Tintenstrahldruck eher nicht.“ Am ehesten dazu geeignet, Bildwerke für die Nachkommen zu archivieren, seien wohl Fotobücher, so Pechtl, der gerade selbst an seinem neuesten Werk über die Anfänge der Fotografie arbeitet. Denn dort seien einerseits die Drucke in guter Qualität, andererseits die notwendigen Hintergrundinformationen zu den Bildern erhalten. Am 21. März wird übrigens ein Erzählabend zum Thema „Bergbauernleben“ mit Norbert Riml und Ewald Schöpf als weiterer Rahmenprogrammpunkt ins Turmmuseum locken. Die Finissage der Ausstellung von Josef Öfners Bildern am 11. April wird mit Schülern der PTS Ötztal gestaltet.

Besonders die Anfänge der Fotografie faszinieren den Buchautor und Künstler Willi Pechtl. RS-Foto: Dorn


 

 
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