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Imst | Politik | 20. Oktober 2020 | Manuel Matt

Bekenntnis zur Bergbahn

Bekenntnis zur Bergbahn
Neubau zweier Sektionen in Hoch-Imst: Ein Unterfangen, das nun auch der Imster Gemeinderat mit einem einstimmigen Beschluss mitträgt. RS-Foto: Matt
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Gemeinderat budgetiert 6,35 Mio. Euro für Hoch-Imst

Nur die allerwenigsten Dinge im Leben tragen kein Preismascherl – und Seilbahnen gehören definitiv nicht dazu. Hoch-Imst ist aber vielen Stadtbewohnern seit jeher ein Herzensanliegen, das auch der Gemeinderat mitträgt: Im konkreten Fall mit der einstimmig beschlossenen Bereitschaft, über sechs Millionen Euro für den Neubau beider bestehenden Sektionen beisteuern zu wollen. Vorausgesetzt, es ändert sich nichts an den Beträgen.
Von Manuel Matt

Noch vor Diskussion und anschließender Abstimmung nutzte Bürgermeister Stefan Weirather die den Gemeindeoberhäuptern zustehende Begrüßung unter anderem dafür, um auf den Beitrag „Ist die Chance auf den ,City-Coaster‘ verspielt“ in der Imster RUNDSCHAU-Ausgabe vom 26./27. August zu verweisen. Besagter Beitrag beginnt mit dem Hinweis, dass sich die Stadtgemeinde, Imst Tourismus und die Bergbahnen Hoch-Imst „dahingehend entschieden“ hätten, „ab Herbst 2021 neue Liftanlagen zu errichten“. Das stimme so nicht, korrigiert Weirather – zumindest in der Hinsicht, dass es lediglich einen Beschluss im Aufsichtsrat der Bergbahnen, nicht aber im Gemeinderat oder beim Tourismusverband gegeben habe. Beschäftigt habe man sich in der Vorprüfung zudem nicht nur mit dem Abschnitt zwischen Stadt und Hoch-Imst, sondern auch mit den bestehenden Sektionen, erklärt Weirather. Eine der RUNDSCHAU zugespielten und im Beitrag erwähnten Kostenberechnung samt geschätzten „City-Coaster“-Gewinn tritt der Bürgermeister ebenso entgegen: „Ich weiß nicht, woher die Rechnung stammt. Jedenfalls stammt sie weder von der Stadtgemeinde noch vom Tourismusverband – und ist dementsprechend falsch.“ Seine Ausführungen schließt Weirather mit einer Bemerkung über die Machbarkeitsstudie, auf die sich die Befürworter der direkten Verbindung zwischen Hoch-Imst und Stadtkern im RS-Beitrag berufen: Deren Autor Robert Horntrich, „ein profunder Kenner dieser Branche“, habe den „gestellten Auftrag mit Bravour erfüllt“, jener sei aber nun abgeschlossen – und was konkret wann und wie verwirklicht werde, liege in der Hand der entsprechenden Entscheidungsträger.

VORGEZOGEN. Neu gebaut – und zwar als Kabinen-Sesselbahn – sollen nun vorerst die beiden bereits bestehenden Sektionen werden. „Wegen dem Ergebnis der Vorprüfung“, erklärt Vizebürgermeister, Finanzreferent und Bergbahnen-Aufsichtsratvorsitzender Gebhard Mantl, „und vorgezogen auf Wunsch der Bergbahnen.“ Immerhin könnte der oberen Sektion hinauf zum Alpjoch bereits nächstes Jahr der wartungsbedingte Stillstand drohen. Auch bestehe ein knappes Zeitfenster, wollen Unterlagen doch bis zum 21. Februar im zuständigen Ministerium einlangen. Dann nämlich lockt eine Investitionszuwachsprämie des Bundes in Höhe von sieben Prozent, was bei einer Gesamtsumme von 21 Millionen Euro rund 1,5 Millionen Euro ausmacht. Die Stadtgemeinde soll dem Unterfangen bei Zustimmung durch den Gemeinderat 6,35 Millionen Euro zuschießen. „Ein Grundsatzbeschluss“, erklärt Mantl: Ändere sich etwas an den Beträgen, brauche es einen neuen Beschluss. Etwa dann, wenn ein Finanzierungspartner ausfallen würde. „Etwas zu schnell“ geht das Ganze Gemeinderat Helmuth Gstrein: Wenn auch Seilbahnen durch ausbleibende Nachfrage momentan ziemlich günstig seien, würden die finanzielle Ungewissheit durch die Corona-Krise und beträchtliche Brocken wie Schulsanierungen bleiben. Gemeinsam mit Listenkollegin Andrea Jäger, Stadtrat Friedrich Fillafer und Gemeinderat Helmut Knabl reicht Gstrein einen Zusatzantrag ein, der die von der Stadtgemeinde entsandten Aufsichtsräte verpflichten soll, „dafür zu sorgen“, dass Aufträge – abgesehen von Planungsarbeiten – erst vergeben werden dürfen, wenn alle Bewilligungen, Darlehens- und Förderzusagen vorliegen. Er könne die Angst vor einer Kostenexplosion nehmen, verspricht der Bürgermeister mit Verweis darauf, dass steigende Kosten einen erneuten Beschluss verlangen würden. Vorliegende Formulierung sei aber ein enges Korsett für die Aufsichtsräte. Er könne dafür stimmen, wenn „dafür zu sorgen“ zugunsten „sich dafür einzusetzen“ geändert wird, schlägt Vizebürgermeister Stefan Krismer vor. Die Urheber des Zusatzantrags zeigen sich einverstanden und ihr Anliegen wird einstimmig angenommen. Ebenso wie der über sechs Millionen Euro schwere Grundsatzbeschluss. Nicht zwangsläufig gestorben, wenn auch hinsichtlich einer Realisierung innerhalb der nächsten fünf Jahre durchaus unrealistisch, sieht Gemeinderat Johannes Gstrein übrigens die Sektion I, der seilbahnerische Brückenschlag zwischen Hoch-Imst und Innenstadt. „Finanziell werden wir den Gürtel in den nächsten Monaten und Jahren enger schnallen müssen“, meint Gstrein mit Blick auf die Einbußen bei den kommunalen Einnahmen. Zugleich würde der Stadtanbindung mit ziemlicher Gewissheit ein langjähriger Genehmigungsprozess vorausgehen, ergänzt Mantl.

BLICK AUF 2021. Nun liegt der Ball in Sachen Neubau-Finanzierung noch beim Imst Tourismus, wo entsprechende Beschlüsse, wie eingangs erwähnt, noch gefasst werden müssen. Geht alles glatt, soll die Gesamtanlage in neuem Kleid am 17. Dezember 2021 wieder in Betrieb gehen. Dafür muss die kommende Wintersaison am 21. März enden, während bis Ende April die Vorarbeiten für die Demontage der Alp-jochbahn vorgenommen werden und die aktuelle Bestandsanlage schließlich mit Ende Mai gänzlich Geschichte sein wird. Die Sektion von Hoch-Imst zur Untermarkter Alm schließt dann nach der Hauptreisezeit am 13. September. Anschließend erfolgt die Neuerrichtung. „Wir haben unsere Partner auf den Hütten bereits informiert, dass es die kommende Sommersaison frühzeitig endet und während des Sommers kein Lift ins Alpjoch zur Verfügung steht. Das Verständnis seitens der Hüttenwirte ist vollends vorhanden. Wir verfolgen alle gemeinsam das Ziel einer neuen, zukunftsfähigen Seilbahn-Infrastruktur am Berg“, betont vergangenen Freitag in einer Aussendung der Geschäftsführer der Imster Bergbahnen, Bernhard Schöpf, der auch der Aussicht auf eine 10er-Einseilumlaufbahn mit Gondeln bis zur Untermarkter Alm einiges abgewinnen kann. Wie etwa Barrierefreiheit: „Wir haben viele ältere Gäste, Familien mit Kinderwägen, aber auch immer wieder Menschen im Rollstuhl. Nicht zuletzt ist die Wettersicherheit auch für viele internationalen Kunden, die den Alpine Coaster nutzen, ein Pluspunkt.“ Neben den Genehmigungsverfahren durch die Behörden stehen übrigens nun auch die Auswahl- und Vergabeentscheidungen hinsichtlich der ausführenden Firmen an. „Uns ist es wichtig, dass mit dieser Investition auch ein starker regionalwirtschaftlicher Impuls verbunden ist“, unterstreicht Aufsichtsratsvorsitzender Gebhard Mantl.
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