Jetzt erneut vertagt

In Sachen Skiverbindung „Langtaufers–Kaunertal“ hoffen sowohl die Projektinitiatoren als auch die Gegner auf eine schnelle Entscheidung. RS-Foto: Tiefenbacher

Entscheidung in Sachen Projekt „Langtaufers–Kaunertal“ lässt auf sich warten, Vertiefung zu Gutachten angeordnet

 

Die Südtiroler Landesregierung vertagte nun die Entscheidung in Sachen Skiverbindungsprojekt Langtaufers–Kaunertal erneut. Es wurde eine Vertiefung zum neuen sozioökonomischen Gutachten angeordnet.

 

Von Herbert Tiefenbacher

 

Die Diskussion, Langtaufers mit dem Kaunertal skitechnisch zu verbinden, begleitet die Menschen in den beiden Regionen seit Jahrzehnten. 2016 wurde die Oberländer Gletscherbahn AG zwecks Realisierung des Verbindungsprojektes aus der Taufe gehoben. Als Geldgeber mit ins Boot geholt wurde Investor Hans Rubatscher. Nach teils heftigen Debatten im Vorfeld segnete der Grauner Gemeinderat im Mai 2016 das Vorhaben ab. Der weitere Verfahrensverlauf stellt für die Südtiroler Landesregierung wahrlich kein Ruhmesblatt dar.

 

PANNEN. Man hatte bei der Auswahl von Mitgliedern sowohl für den Umweltbeirat als auch für die sozioökonomische Kommission nicht gerade ein glückliches Händchen. Es sind Pannen passiert. Das Genehmigungsverfahren scheint eine unendliche Geschichte zu werden. Der Beginn: Im Dezember 2017 lehnte die Südtiroler Landesregierung die von der Oberländer Gletscherbahn AG vorgelegte Machbarkeitsstudie aufgrund eines negativen Gutachtens des Umweltbeirates ab. Die Landesregierung machte allerdings im März 2018 wegen Georg Simeonis Doppelfunktion als AVS-Präsident und Umweltbeirat einen Rückzieher und nahm den Beschluss zurück. Die Doppelfunktion wird als Verletzung der Unparteilichkeit der Verwaltung angesehen. Der Umweltbeirat musste sich in geänderter Zusammensetzung mit dem vorgelegten Vorhaben nochmals auseinandersetzen.

 

ZWEITER BEFANGENHEITSVERDACHT. Die Fortsetzung: Ein Befangenheitsverdacht drängte sich dann auch bei Luca Filippi als Vizegeneralsekretär der Handelskammer Bozen und Mitglied der „sozioökonomischen Kommission“ auf. Die Kommission musste neu zusammengesetzt nochmals ein neues sozioökonomisches Gutachten erstellen. Dieses liegt nun vor. Aktueller Stand: Die Südtiroler Landesregierung beschäftigte sich mit dem neuen Gutachten in ihrer Sitzung am 15. Oktober 2019. Allerdings wurde die von den Gegnern und Befürwortern erwartete Entscheidung über die Skiverbindung Langtaufers–Kaunertal wieder vertagt.

 

VERTAGUNGSGRUND. Laut Pressemitteilung des Südtiroler Alpenvereins wurde die Entscheidung deshalb verschoben, „weil das neue sozioökonomische Gutachten für einige Landesregierungsmitglieder – im Gegensatz zu den Experten im zuständigen Amt – nicht eindeutig genug war“. Von der Südtiroler Landesregierung war bis Redaktionsschluss keine ausführliche Stellungnahme dazu zu erhalten. Die Antwort auf die Nachfrage der RUNDSCHAU ist kurz gehalten: „Das Gutachten muss noch vertieft werden.“ Mehr war von einem der Projektinitiatoren und Gemeindereferenten in Graun Sepp Thöni zu erfahren: Das Gutachten sei dahingehend zu vertiefen, dass in einer Analyse und Zusammenschau die wirtschaftlichen Auswirkungen der geplanten Verbindung Langtaufers–Kaunertal insbesondere auf die fünf Skigebiete, die den Kartenverbund „Zwei-Länder-Skiarena“ bilden, beurteilt werden. Zu diesem Kartenverbund gehören die Skigebiete Nauders, Schöneben-Haideralm, Watles, Sulden und Trafoi. Thöni ließ im Gespräch mit der RUNDSCHAU seine Ungeduld erkennen. Ihm dauert das Verfahren bereits zu lange. „Ich möchte gerne etwas Konkretes erzählen können. Schön langsam wird es eine unendliche Geschichte. Ich hoffe, dass dieses Gutachten möglichst bald abgeschlossen sein wird und die Landesregierung dann schnell eine Entscheidung trifft“, sagte Thöni.

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