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Landeck | Chronik | 25. Feber 2020 | Bogdan Dujic

Denkmalschutzverfahren ist bereits am Laufen

Denkmalschutzverfahren ist bereits am Laufen
Das Zangerle-Haus, Riefengasse 10, ist laut Bundesdenkmalamt ein „baukulturell wertvolles Objekt“. RS-Foto: Tiefenbacher
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GR Landeck musste wegen Wohnanlage „nachsitzen“


 

Der Landecker Gemeinderat beschloss am Freitag die Auflage des geänderten Bebauungsplanentwurfs für die geplante Wohnanlage in der Perjener Riefengasse und wies die Stellungnahmen der Anwohner hierzu ab. Für das dafür zu schleifende Gebäude ist ein Unterschutzstellungsverfahren bereits am Laufen, informierte der Leiter des Bundesdenkmalamtes in Tirol Walter Hauser auf Nachfrage.

 

Von Herbert Tiefenbacher

 

Demokratie kann manchmal sehr zeitaufwändig sein. Das erfuhren in den vergangenen Tagen die Gemeinderäte von Landeck. Weil ihnen vor zwei Wochen die Abhandlung des Raumplaners über die fünf Stellungnahmen von Riefengasslern erst knapp vor Sitzungsbeginn übermittelt wurde, kam es zu einer kurzen Diskussion (es gab kritische Wortmeldungen der SPÖ), was zur Folge hatte, dass die Diskussion und Abstimmung über den Tagesordnungspunkt „Wohnanlage Riefengasse“ auf eine spätere außerordentliche Sitzung vertagt wurde. Diese fand vergangenen Freitag statt.

 

HAUPTARGUMENTE. Der Raumplaner der Stadt Landeck, Andreas Falch, brachte anfangs mit seiner Zusammenfassung der Hauptargumente seiner Abhandlung erneut ein „Ja zum Projekt“ zum Ausdruck. Wo sinnvolle Spielräume bestehen, so Falch, sei den vorgebrachten Einwendungen der Anwohner durch Projektänderungen Rechnung getragen worden. So habe man etwa durch die Reduzierung der Obergeschoße „eine städtebaulich saubere Situation erzeugen können“. Zudem sei das Bauvorhaben von der Straße abgerückt worden, wodurch sich die verkehrliche Situation verbessere.

 

KAUM NEUE ARGUMENTE. Auch die anderen Befürworter des Wohnprojektes brachten kaum neue Argumente vor. ÖVP-Bgm. Dr. Wolfgang Jörg bekräftigte abermals, dass die Bedenken der Anwohner ernst genommen worden seien und man das Wohnprojekt so weit wie möglich verbessert habe. Zu den anwesenden Anwohnern gewandt, meinte Jörg: „Beim Wohn- & Studentenhausprojekt von Rainalter habe ich anfänglich große Bedenken über die Kubatur gehabt und jetzt nachtäglich finde ich, dass es gut geworden ist.“

 

ABSTIMMUNG. Sowohl der Antrag, die Stellungnahmen der Anwohner abzuweisen, als auch der Antrag, den geänderten Bebauungsplanentwurf für die geplante Wohnanlage aufzulegen, wurde mit 15 (ÖVP, FPÖ und Grüne) von 19 Stimmen angenommen. Dagegen stimmte die SPÖ und begründete ihr Votum so: Man sei nicht gegen eine verdichtete Verbauung des Grundstückes, aber man spreche sich gegen die geplante Wohnanlage aus, insbesondere wegen der Höhenentwicklung der Gebäude. Die Anwohner würden sich dadurch „beeinträchtigt fühlen“, argumentierten die Sozialdemokraten. Raumplaner Falch wendete ein, dass mit der geplanten Höhe keine neue Dimension geschaffen werde.

 

WERTVOLLES HAUS. FPÖ-StR Roland König brachte seine Verwunderung darüber zum Ausdruck, dass das Bundesdenkmalamt (BDA) jetzt prüft, ob das Gebäude, das abgerissen werden soll, schützenswert ist. „Das Bundesdenkmalamt hat vor 12 Jahren alle Baudenkmäler erfasst. Aber das Zangerle-Haus ist im Katas-ter von Landeck nicht aufgeführt“, bemängelte König. Die RUNDSCHAU fragte beim obersten Denkmalschützer in Tirol Walter Hauser nach. Er sagte: Es habe zwei Begutachtungen durch das BDA gegeben. Man habe leider erst bei der zweiten Begutachtung erkannt, um welch baukulturell wertvolles Objekt es sich hier handele. „Unsere Aufgabe als Bundesdenkmalamt ist es, bedeutsames Kulturgut zu erhalten und das tun wir“, erklärte Hauser und teilte mit, dass das Unterschutzstellungsverfahren für das Zangerle-Haus bereits am Laufen ist.

 

RECHERCHE. Weitere Recherchen der RUNDSCHAU ergaben, dass das Zangerle-Haus, ein zweigeschoßiges gotisches Wohnhaus aus dem 15. Jahrhundert mit Gewölben, die besondere Elemente der Architektur dieser Epoche sind, ist. Es dürfte eines der ältesten Häuser von Landeck sein. Die baulichen Eingriffe sind marginal. Aber auch die Riefengasse wird von Fachexperten als wertvoll („eine bedeutende altertümliche Gasse“) eingeschätzt.

 

Weiter unzufrieden

Anwohner zeigen sich unzufrieden mit dem nun abgeänderten Wohnprojekt in der Riefengasse. Architekt DI Andreas Pfenniger drückt das deutlich in einer weiteren Stellungnahme aus. Seine Anmerkungsliste ist lang. Pfennigers Kernkritik ist: Eine bodensparende Bebauung wird von den Anwohnern begrüßt, aber auch das nun reduzierte Projekt sei noch zu überdimensioniert (Bauhöhe und Länge) und sei für die beengten Verhältnisse der hinteren Riefengasse „nicht verträglich“. Mit der nunmehrigen abschnittsweisen Erweiterung der Riefengasse im Bereich der geplanten Wohnanlage werde auch nicht „das Verkehrsproblem in seiner Gesamtheit gelöst“.
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