Rundschau - Oberländer Wochenzeitung
Landeck | Chronik | 14. April 2020 | Daniel Haueis

Ostern im kleinen Kreis

Ostern im kleinen Kreis
Günter Weiss, Landesrat Bernhard Tilg, Landeshauptmann Günther Platter und Cornelia Lass-Flörl (v.l.) informierten über die Verlängerung der Quarantäne im Paznaun und in St. Anton. Foto: Land Tirol
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Quarantäne in St. Anton und im Paznaun verlängert

„Heuer wird Ostern im kleinen Kreis gefeiert“, kündigte Bürgermeistter Anton Mattle aus Galtür vergangene Woche an. Und die Quarantäne dauert für das Paznaun und St. Anton noch länger – bis 26. April.
Von Daniel Haueis

Bislang waren die Oster-Feiertage stets Anlass für ein familiäres Zusammenkommen im Hause Mattle, heuer ging‘s aufgrund der Quarantäne des Paznauns aber nicht. Mit der Abschottung, so der Dorfchef, komme die Bevölkerung aber zu Rande, die Galtürer seien unheimlich diszipliniert. In St. Anton passt die Stimmung auch, weiß Bgm. Helmut Mall. Dort sind übrigens noch rund 200 der ehemals 1500 Saisonmitarbeiter – manche unfreiwllig, weil der Rückkehr in die Heimat auch vom Heimatland zugestimmt werden muss. Die Versorgung in beiden Gemeinden ist „tip-topp“ (Mall), auch die medizinische, was in dieser Zeit „super beruhigend“ war (Mattle über alle vier Paznauner Gemeinden). Mattle ist zweifellos ein sehr krisenerprobter Bürgermeister, ihm sind Unterschiede zu Naturkatastrophen u. ä. aufgefallen: „Bei anderen Krisen hat man sehr viel Arbeit gehabt – jetzt ist die Situation anders, oft sehr wenig Arbeit.“ „Corona“ sei auch deshalb eine spezielle Krise, da keine Schäden an der Natur oder auch Infrastruktur sichtbar sind. Gut sichtbar sind dagegen die Screening-Teams, die in St. Anton und im Paznaun im Einsatz sind: „Testungen sind am Weg, über 900 haben sich gemeldet“, sagt Helmut Mall. Auch in Galtür haben sich „viele gemeldet“, sagt Mattle über die Schwerpunkttestungen, die in allen Tiroler Quarantänegebieten (Paznaun, St. Anton und Sölden) durchgeführt wurden.
 
QUARANTÄNE BIS 26. APRIL. Natürlich hoffte auch Toni Mattle auf ein Quarantäne-Ende am Osterdienstag. Es gebe beispielsweise Unternehmer, die investieren wollen. Ähnlich sah‘s Helmut Mall in St. Anton: „Betriebe warten“ – etwa auf Personal, um die abrupt beendete Saison wirklich abschließen zu können, Aufräumarbeiten vornehmen zu können etc. Es kam anders: „Aufgrund der nach wie vor vorhandenen Infektionsketten haben wir auf Empfehlung der medizinischen Expertinnen und Experten keine andere Möglichkeit, als die Quarantäne für das Paznauntal und St. Anton für weitere zwei Wochen bis zum 26. April zu verlängern“, verkündete LH Günther Platter am Freitagnachmittag. In den Quarantänegebieten (Paznaun, St. Anton und Sölden) wurden in den Tagen zuvor 2854 Abstrichproben genommen, nach Auswertung von zwei Drittel nkonnten bei ca. 19 Prozent in Ischgl bzw. 13 Prozent in St. Anton Bestandteile des Coronavirus nachgewiesen werden. In St. Anton waren es schlussendlich134 positive Tests, in Ischgl 84, in Galtür 32, in Kappl 35. Das Ergebnis ließ dem Landeshauptmann also keine Wahl: „… wir wissen auch, dass dies für die Menschen eine große Belastung ist. Wir fühlen mit euch und danken euch, dass ihr bereit wart, bei den Schwerpunkttestungen mitzumachen. Damit habt ihr wesentlich dazu beigetragen, die weitere Verbreitung des Coronavirus zu stoppen“, dankte Platter der Bevölkerung in den betroffenen Regionen. In See war die Anzahl der positiven Testungen (8) und damit auch der Prozentsatz an Infizierten zwar relativ gering, aber die medizinischen Experten waren aber auch hier für die Beibehaltung der Maßnahmen: „Aufgrund der speziellen geografischen Situation der Gemeinde See und der engen Verflechtungen mit der Gemeinde Kappl und des restlichen Paznauntals haben wir von einer Aufhebung der Quarantäne abgeraten“, erklärt Cornelia Lass-Flörl, Direktorin der Sektion für Hygiene und Medizinische Mikrobiologie der Medizinischen Universität Innsbruck.
 
SCHUTZMASKEN FÜR BEVÖLKERUNG. Die gesamte Bevölkerung in den betroffenen Quarantänegebieten wurde bzw. wird vom Land mit ausreichend Mund-Nasen-Schutzmasken ausgestattet. „Wichtig ist, dass die Menschen im Paznauntal und in St. Anton diese Masken tragen, wenn sie das Haus verlassen. Und auch das Abstandhalten zum Gegenüber ist entscheidend. Damit können erkrankte Menschen dazu beitragen, dass die Weiterverbreitung des Virus durch Niesen oder Husten verringert wird und andere Personen dadurch schützen. So können wir die Infektionsketten des Coronavirus am effektivsten unterbrechen“, weiß Cornelia Lass-Flörl Am Freitag wurde auch die weitere Vorgehensweise für die Quarantänegebiete festgelegt: „In etwa zehn Tagen starten wir in den Quarantänegebieten eine zweite, umfassende Testreihe, wo wiederum möglichst viele Personen auf eine Corona-Erkrankung untersucht werden. Auf Basis dieser Untersuchung werden wir dann eine neuerliche medizinische Bewertung vornehmen“, informiert Günter Weiss. Alle weiteren Schritte finden wie immer in engster Abstimmung mit den medizinischen Experten statt, sagte Landeshauptmann Platter abschließend.
Ostern im kleinen Kreis
Bürgermeister Helmut Mall: „900 St. Antoner haben sich für Tests gemeldet.“ RS-Foto: Archiv
Ostern im kleinen Kreis
Bürgermeister Anton Mattle: „In jeder Gemeinde eine Ordination – wir sind sehr gut versorgt, das ist super beruhigend.“ RS-Foto: Archiv
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