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Landeck | Politik | 13. September 2022 | von Attila Haidegger

Alles hat ein Ende

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Die Aufstauungen befinden sich noch in der Testphase, lieferten aber bereits jetzt positive Ergebnisse. Foto: GKI
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Länderübergreifendes Mega-Projekt GKI vor baldiger Inbetriebnahme

Die Arbeiten am Gemeinschaftskraftwerk Inn befinden sich im Endspurt. Das seit Sommer 2014 im Bau befindliche Kraftwerk feiert planmäßig am 4. November seine Inbetriebnahme, Ende November soll der kommerzielle Betrieb aufgenommen werden. Das ursprünglich 460 Millionen Euro teure Projekt schlägt sich schlussendlich mit 620 Millionen Euro zu Buche. Der Zeitpunkt für die Eröffnung könnte wohl nicht besser sein.
Von Attila Haidegger

„Am 22. August erfolgte der Erstaufstau und damit die Nassinbetriebsetzung der Anlage. Wir befinden uns in der Schlussphase, in der finale Arbeiten in verschiedenen Bereichen wie Hydraulik, Liftanlagen, Elektronikarbeiten, bis hin zu letzten Betonierarbeiten ausgeführt werden“, informierte GKI-Geschäftsführer Johann Herdina. „Das GKI geht damit planmäßig vor dem Winter in Betrieb und kann einen wesentlichen Beitrag für eine stabile Energieversorgung in Tirol leisten. Mit einer Jahreserzeugung von rund 440 Gigawattstunden Strom leistet das Kraftwerk einen wichtigen Beitrag für die Tiroler Grundversorgung.“ Ab Ende September wird in Form von Inbetriebnahmetests der erste Strom produziert und in das Netz der Tiwag eingespeist.

INNOVATIVES RESTWASSERMODELL. Der Aufstau und die darauffolgende Inbetriebsetzung der elektromaschinellen Anlagenteile erfolgen schrittweise in mehreren Etappen und dauern bis Ende November. Der künftige Stauraum erstreckt sich vom Wehr in Ovella über zweieinhalb Kilometer bis zur Grenzbrücke in Martina/Schweiz. Das Nutzvolumen im Staubereich mit der 15 Meter hohen Wehrmauer umfasst rund 500000 Kubikmeter. Hier wird bis zur Eröffnung mit Hochdruck an der Optimierung der Hebe- und Senkmechanismen der Wehrklappen gearbeitet. Weiters können über den Triebwasserstollen bis zu 75 Kubikmeter Wasser pro Sekunde ins Krafthaus nach Ried/Prutz abgeleitet werden. Laut Projektleiter Franz Gappmaier wird das Kraftwerk künftig sogar unbesetzt von der Tiwag-Zentrale in Silz aus steuerbar sein, im Notfall bis zu sechs Tage lang komplett autark mittels Dieselmotoren. „Der Wasserdruck funktioniert besser als gedacht, technisch sind wir dort, wo wir hinwollen. Auch die bisherigen Testbetriebe verliefen positiv“, zeigte sich Gappmaier zufrieden.
Projektverzögerung. Einige Umstände behinderten in der Vergangenheit das Vorankommen des Mega-Projekts. Das Kraftwerk Ovella befindet sich in einem äußerst beengten Streckenabschnitt des Inns. Die steil aufragenden Felswände über dem Kraftwerk mussten über Jahre hinweg aufwendig gesichert werden. Auch die Bohrungen des Triebwasserstollens verliefen nicht immer planmäßig. Laut Gappmaier blieb der Bohrkopf vereinzelt aufgrund des unglaublichen Druckes des Bergmassivs stecken und musste unter großem Aufwand befreit werden. „Der Berg macht was er will“, so Gappmaier. Anders als die Arbeiten am Kraftwerk sollen etwaige Katastrophenszenarios wie Hochwasser kein Problem darstellen: „Die Wehranlage ist für ein 1000-jähriges Hochwasser ausgelegt“, so Herdina. Ursprünglich war die Inbetriebnahme für 2018 angedacht, mit der Eröffnung im November wurden schlussendlich acht Jahre für den Bau des Kraftwerks benötigt.

FLIESSMENGE UND FISCHAUFSTIEGSHILFE. Als Referenz für die Abgabemenge dient der natürliche Zufluss des Inns bei St. Moritz: Je mehr Wasser die dortige Messstelle passiert, desto mehr Wasser wird am Wehr abgegeben. „Im Sommer wird dadurch eine durchschnittliche Fließmenge von 5,5 Kubikmeter Wasser in der Sekunde gegeben sein, im Winter wird die Fließmenge dynamisch sein“, so Herdina. Durch die Reduzierung des Schwalls und des Sunks könne die ökologische Situation im Inn wesentlich verbessert werden. Der von der Wehranlage des Engadiner Kraftwerks in Schuls erzeugte Schwall und Sunk werde fast zur Gänze abgemindert, was zu stabilen Fischbeständen führen sollte. Auch die Fischaufstiegshilfen sind beachtlich: Zwei Drittel der gesamten Baumasse der Wehranlage in Ovella bestehen aus 180 Becken, die einen Höhenunterschied von wenigen Zentimetern aufweisen, in denen unterschiedliche Fischarten ungehindert aufsteigen können. „Durch die Stauspiegelschwankung von vier Metern stellte dies eine besonders große Herausforderung dar, die angewendete Methode ist jedoch sehr gut erprobt“, so Projektleiter Gappmaier.

RENATURIERUNGSPROZESS. „Das Kraftwerk entspricht den europäischen Wasserrahmenrichtlinien und kann mit älteren Anlagen kaum verglichen werden. Durch den späten Bau des seit Jahrzenten in Planung befindlichen Projekts erhielten der ökologische Aspekt und die Umweltverträglichkeit viel mehr Beachtung“, so Herdina. Das Projekt beinhaltet auch ökologische Ausgleichsmaßnahmen und Rekultivierungen: Die beanspruchten Flächen werden nach Abschluss der Bauarbeiten begrünt, bepflanzt oder aufgeforstet. Weiters werde auf der ehemaligen Baustelleneinrichtungsfläche in Maria Stein in Pfunds ein weitläufiges Biotop mit neuen Lebensräumen für Fische und Kleintiere geschaffen. In der Niedrigwasserperiode 2022/2023 soll hier mit der Umsetzung begonnen werden.
Alles hat ein Ende
Mit einer durchschnittlichen Jahreserzeugung von 440 GW/h soll das GKI acht Prozent des Tiroler Stromverbrauchs abdecken. Die benachbarte Schweiz erhält laut DI Johann Herdina 14 Prozent des produzierten Stroms. RS-Foto: Haidegger
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Für die Fische: Zwei Drittel der Baumasse in Ovella bestehen aus den 180 Becken der Fischaufstiegshilfe. RS-Foto: Haidegger
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