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Nur ein hauchdünnes Ja

GR Landeck: 10:9 Stimmen für Winterbetrieb am Venet

Die Entscheidung war hauchdünn. Zehn ÖVP-Mandatare stimmten für einen reduzierten Winterbetrieb 2023/24 am Venet. Neun Mandatare der Liste „Zukunft Landeck stimmten dagegen.
7. November 2023 | von Von Herbert Tiefenbacher
Nur ein hauchdünnes Ja<br />
Finanzstadtrat Jakob Egg: „Der Beschluss ist an die Einhaltung von Auflagen geknüpft.“ RS-Foto: Tiefenbacher
Von Herbert Tiefenbacher

Am 23. Oktober gab der Zammer Gemeinderat für den von Zams zu leistenden Anteil (627.300 Euro) an der neuerlichen Finanzspritze für die Venet Bergbahnen AG grünes Licht. Diese hat ein Volumen von etwas über 1,5 Mio. Euro. 660.000 Euro davon sind zur Sicherstellung der Liquidität der Bahn für den vergangenen Sommerbetrieb sowie für die Abdeckung der offenen Personalkosten und von Verbindlichkeiten. Mit den weiteren 900.000 Euro soll der kommende Winterbetrieb in abgespeckter Form (ohne Pendelbahn, Südlift und Gastronomie am Gipfel) ermög­licht werden. Der Anteil der zweiten Haupteigentümerin, die Stadt Land­eck, liegt bei 776.700 Euro. Der TVB TirolWest hat den Restbetrag zu zahlen, nämlich 156.000 Euro.

ABSTIMMUNG IN LANDECK. Der Gemeinderat Landeck entschied darüber vergangenen Dienstag. Im Gegensatz zum Gemeinderat in Zams gab es im Gemeinderat in Land­eck nicht bei beiden Abstimmungspunkten Einstimmigkeit. Einstimmig beschlossen wurde auch von den 19 Landecker Volksvertretern der Zuschuss für die Abdeckung der vorher angeführten Altlasten (Sommerbetrieb etc.). Auf die Stadt Land­eck fallen 326.700 Euro. Beim zweiten Abstimmungspunkt „Gewährung eines Zuschusses für den reduzierten Winterbetrieb 2023/24“ war es mit der Einstimmigkeit vorbei. Eine hauchdünne Mehrheit (10:9) entschied sich, den Anteil der Gemeinde Landeck in Höhe von 450.000 Euro bereitzustellen. Geschlossen stimmte die Fraktion „Zukunft Landeck“ dagegen.

ABLEHNUNGSGRÜNDE. Die Fraktion „Zukunft Landeck“ begründete ihre Nichtzustimmung damit, dass man noch viele offene Fragen sehe und die Informationen zu spärlich gewesen und teilweise zu spät gekommen seien. Fraktionsobmann Mathias Niederbacher argumentierte damit, dass angesichts des derzeitigen Wissensstandes über die Verhandlungen mit einem neuen Betreiber eine verbindliche Zusage solcher Summen gegenüber der Bevölkerung nicht zu rechtfertigen sei.

FINANZSTADTRAT EGG. Ausführlicher ging Niederbachers Fraktionskollege und Finanzstadtrat Jakob Egg im Gespräch mit der RUNDSCHAU auf die Sache ein. Er sagte, dass der Beschluss an die Einhaltung von Auflagen geknüpft sei. Geplant ist den Zuschussanteil von 326.700 Euro für die Altlasten aus dem laufenden Budget zu bestreiten. Die Auszahlung des zweiten Zuschussanteils von 450.000 Euro für den Winterbetrieb soll zu zwei Tranchen erfolgen. Die Auszahlung der ersten Tranche (bis zu 250.000 Euro) erfolgt aus dem Budget 2024. Sollten aber die Verhandlungen mit einem neuen Betreiber scheitern und eine künftige Neuinvestition am Venet nicht zustande kommen, behält sich die Stadt Landeck vor, Zahlungen sofort einzustellen. „Wird keine Regelung gefunden, dann steigt man aus dem Winterbetrieb aus und das Szenario für den Rückbau wird umgesetzt“, so Egg.

LAUFENDES CONTROLLING. Des Weiteren ist die Venet Bergbahnen AG angehalten, angesichts der explodierenden Strompreise den Bahnbetrieb möglichst sparsam zu führen. Erheblich ins Gewicht fallen die Kosten für die Beschneiung. „Es wird ein laufendes Controlling geben, das dazu dient, das wirtschaftliche Ergebnis durch gezielte Steuerung und Kontrolle zu verbessern“, erklärte Finanzstadtrat Egg. Apropos neuer Betreiber: Bei den laufenden Gesprächen ist das neue Konzept ein wichtiger Verhandlungspunkt. Klar ist, dass die drei aktuellen Eigentümer die Investition – geschätzt auf etwa 15 Mio. Euro – zu stemmen haben. Einiges ist aber noch unklar, so etwa die Finanzierung des Überbrückungsbetriebes.

THOMAS HITTLER. Aufsichtsratsvorsitzender VBgm. Thomas Hittler ist sehr optimistisch, und zwar in zweierlei Hinsicht: nämlich zum einen in Sachen neues Konzept. „Ich bin sehr zuversichtlich, dass es aufgeht.“ Die Geldmittel für den Winterbetrieb bereitzustellen, so Hittler weiter, sei der gescheitere Weg, als diesen Winter nicht mehr aufzusperren. Ein Stillstand wäre mit erheblichen Kosten verbunden und man würde auch die Mitarbeiter verlieren, die man künftig brauchen würde, weil sie sich anderweitig um eine Arbeit umschauen würden. Und zum anderen ist Hittler guter Dinge hinsichtlich des neuen Betreibers: Denn er sieht durchaus Chancen, die laufenden Verhandlungen – diese Woche ist eine weitere Verhandlungsrunde – bald zum Abschluss bringen zu können. „Wir sind schon sehr weit, aber es steht noch einiges an Arbeit an“, erklärte Hittler. 

KRITIK NICHT GANZ FAIR. In Richtung der Fraktion „Zukunft Landeck“ sagte er, dass ihre Kritik, zu wenig Informationen erhalten zu haben, nicht ganz fair sei. Der Fraktion würden Stadträte und ein Aufsichtsrat angehören, die weitergehend informiert sind, und diese sollten diese Informationen an die Fraktionsmitglieder weitergeben. Zudem habe es einige Informationsveranstaltungen für Gemeinderäte gegeben. „Aber bei diesen waren Gemeinderäte, die nun Kritik erheben, nicht anwesend“, so Hittler. Er hätte gerne gesehen, wenn der Beschluss zum Winterbetrieb einstimmig gefasst worden wäre. „Das wäre ein gutes Zeichen gewesen, aber es ist so“, meinte Thomas Hittler. Bgm. Herbert Mayer war diesbezüglich für die RUNDSCHAU nicht erreichbar.
Nur ein hauchdünnes Ja<br />
AR-Vorsitzender VBgm. Thomas Hittler: „Die Geldmittel für den Winterbetrieb bereitzustellen ist der gescheitere Weg, als nicht mehr aufzusperren.“ RS-Foto: Tiefenbacher

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