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Landeck | Politik | 12. Juli 2022 | Von Herbert Tiefenbacher

Wird konsequent weiterverfolgt

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Für eine gut funktionierende kleinbäuerliche Landwirtschaft ist ein Schlachtbetrieb vor Ort ein Grundpfeiler. RS-Foto: Tiefenbacher
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Landeck  Von Herbert Tiefenbacher
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Schlachthof Fließ Alexander Jäger Elmar Monz
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Verbandsausschuss hält weiter an Schlachthof Fließ fest und beauftragte Obmann Bgm. Jäger Nachfolgepächter zu suchen

Das eingeleitete gemeindeübergreifende Schlachthofprojekt in Fließ wird trotz des geplanten Abspringens von Pächter Metzgermeister Bernd Jurschitsch konsequent weiterverfolgt. Dies entschied der Verbandsausschuss „Schlachthof Fließ“ laut Verbandsobmann Bgm. Alexander Jäger vergangenen Donnerstag einstimmig.
Von Herbert Tiefenbacher

Im April 2021 beschlossen 16 Gemeinden des Bezirkes Landeck die Bildung des Gemeindeverbandes „Schlachthof Fließ“. Beteiligte Gemeinden sind: Faggen, Fendels, Fiss, Fließ, Flirsch, Grins, Kaunertal, Ladis, Pians, Prutz, St. Anton, Serfaus, Strengen, Tobadill, Tösens und Zams. Die Vorarbeiten für die Gründung gestalteten sich recht langatmig. Diese erfolgte schließlich im Oktober 2021. Geeinigt hatte man sich darauf, dass der bestehende Betrieb in Fließ/Neuer Zoll in den kommenden zwei Jahren umgebaut, erweitert und auf den neuesten Stand gebracht wird. Die Kosten für dieses Vorhaben wurden mit rund 2,3 Mio. Euro angenommen. Zum Obmann des Gemeindeverbandes wurde der Fließer Bürgermeister Alexander Jäger gewählt.

WEITERES PROBLEM. Nun stellt sich ein weiteres Problem: Pächter Metzgermeister Bernd Jur-schitsch ist mit verschiedenen Inhalten des Pachtvertrages unzufrieden und plant deshalb, mit seinem Team nach Wenns zu wechseln. Dort wurde im Herbst vergangenen Jahres ein neuerrichteter Schlachthof seiner Bestimmung übergeben. Verbandsobmann Jäger bestätigte gegenüber der RUNDSCHAU, dass es inhaltliche Differenzen gibt und merkte an: Es habe einiges Hin und Her gegeben. Letztlich sei aber der Vertrag mit Jurschitsch nicht zustandegekommen. „Das ist schade, aber das muss man dann auch akzeptieren. Das heißt aber auch, dass wir uns nun nach einem geeigneten Nachpächter umschauen müssen“, erklärte Jäger. Und es scheint, dass man nicht länger suchen muss. Kurz nachdem die Medien über den geplanten Wechsel von Jurschitsch nach Wenns berichtet hatten, haben sich Interessenten gemeldet, berichtete Verbandsobmann Jäger.

GRUNDBEKENNTNIS ABGEGEBEN. Vergangenen Donnerstag trat der Verbandsausschuss zusammen, um über die aktuelle Situation zu beraten und das weitere Vorgehen zu besprechen. Laut Verbandsobmann Jäger gab es ein einstimmiges Grundbekenntnis zur Weiterverfolgung des eingeleiteten Schlachthofprojektes in Fließ. Begründet wird dies folgendermaßen: Der Bezirk Landeck braucht eine funktionierende kleinbäuerliche Landwirtschaft, weil diese wesentlich zum Erhalt der Kulturlandschaft beiträgt und davon profitiert vor allem die Region noch besser vom Tourismus. Außerdem bietet die Landwirtschaft im kleinbäuerlichen Stil die Möglichkeit zur Selbstversorgung und verbessert die Ernährungssituation. Und für eine gut funktionierende Landwirtschaft ist ein Schlachthof vor Ort ein Grundpfeiler. Für das Schlachthofprojekt in Fließ wurden bereits wichtige Pflöcke eingeschlagen, und deshalb sollte es auch weiterverfolgt werden, betonte Alexander Jäger.

BERATUNGSERGEBNISSE. Die Beratungen endeten mit zwei konkreten Ergebnissen: Verbands-obmann Jäger wurde beauftragt mit allen Interessenten Gespräche über eine Nachfolgepacht zu führen. Zudem soll Jäger auch mit dem Land Tirol Kontakt aufnehmen bezüglich der Möglichkeiten weiterer Förderungen, da beim Schlachthofprojekt die aktuelle Teuerungswelle und die damit einhergehende Inflation zu einer massiven Kostensteigerung führen wird. Verbandsobmann Jäger ging auf die Zahlen nicht näher ein, merkte aber an, dass die zuletzt kolportierte mögliche Kostensteigerung von über 60 Prozent zu hoch sei. „Sie ist niedriger. Hier wurden einfach Zahlen in den Raum geworfen“, betonte Jäger.



Bauernobmann Elmar Monz über mögliche Alternativen

Von Daniel Haueis

„Der Schlachthof ist von großer Bedeutung“, sagt Bezirksbauernobmann Elmar Monz über die Planungen in Fließ. Das Fleisch des heimischen Viehs ist aufzuarbeiten, muss vakuumiert und beschriftet werden, damit’s auch verkäuflich ist. Und es ist einiges – im Bezirk Landeck werden pro Jahr 1796 Rinder, 1270 Schafe, 1187 Stück Wild, 737 Schweine und 285 Ziegen geschlachtet (Zahlen aus dem Jahr 2018). Zur Fließer Schlachtbank gingen rund 30 Prozent der Rinder des Bezirkes, also 500 bis 600 Stück. Im Schlachthof in Pfunds z.B. werden rund 300 Rinder geschlachtet. Im Bezirk Landeck gibt’s mit Ischgl und dem EU-Schlachthof in Zams weitere größere Einrichtungen. Insgesamt sind es 24 gemeldete Schlachtstätten, wobei viele fast nur für sich selber schlachten, wie Peter Frank, Leiter der Bezirkslandwirtschaftskammer Landeck, weiß. Es scheint nun eine Neubewertung des Vorhabens in Fließ nötig, da die Kosten steigen – Elmar Monz rechnet damit, dass auch die Standortfrage wieder gestellt wird: Die Zufahrt zum Schlachthof in Fließ sei nämlich nicht ideal. Monz, der immer für das Projekt in Fließ war, glaubt nun, dass die Situation neu bewertet werden muss. Sein Vorschlag: Der Fließer Schlachthof könnte für Fließ hergerichtet werden. Jener in Pfunds (sechs Gemeinden bekennen sich zu ihm) hätte noch „etwas Luft“ – es könnten die Obergrichter Tiere von Prutz bis Nauders dort geschlachtet werden, wenn er etwas aufgebaut wird und Gespräche mit den Mitarbeitern fruchtbringend verlaufen. Für den Zentralraum sollten Gespräche mit Thomas Walser aufgenommen werden – der „Grissemann“-Chef betreibt in Zams einen EU-Schlachthof. Der Schlachthof im Paznaun funktioniere, sagt Monz, und er sei ausgelastet.
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Verbandsobmann Bgm. Alexander Jäger nimmt eine Schlüsselrolle ein. RS-Foto: Tiefenbacher
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Elmar Monz: Das Fleisch muss aufgearbeitet, vakuumiert und beschriftet werden. RS-Foto: Archiv
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