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Landeck | Sport | 27. April 2020 | 11:25 | Von Albert Unterpirker

„Utopisch“, „Wahnsinn“

„Utopisch“, „Wahnsinn“
„Gebrannte Kinder“: Emanuel Ehart, Trainer des FC Paznaun. RS-Foto: Unterpirker
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Landeck  Von Albert Unterpirker
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Fußballclubs im Bezirk sehen manche Möglichkeiten als nicht sinnvoll an

Nachdem der Meisterschaftsbetrieb in der österreichischen Bundesliga und in der 2. Liga bereits im März unterbrochen wurde, aber wohl zumindest die Bundesliga zu Ende gespielt wird, steht das Werkl im Tiroler Unterhaus immer noch komplett. Hier gibt es noch keine Lockerungen und auch keine Aussicht, wie es weitergeht. Die RUNDSCHAU sprach mit einigen Verantwortlichen im Bezirk Landeck über den Status quo.
Von Albert Unterpirker

„Ich bin Optimist, dass die Meisterschaft im Herbst startet“, sagt Walter Haid, sportlicher Leiter des SV Zams. Haid weiß aber auch, dass das schlimmste Szenario sein kann, dass im Herbst gar nicht gespielt wird. Die Corona-Maßnahmen hätten natürlich Auswirkungen „in allen Bereichen“, und dass der SV Zams einen finanziellen Schaden erleiden würde – müßig zu betonen. Einen großen Stellenwert nehmen bei einem Fußballverein die Besuchereintritts- und Kantineneinnahmen ein, so auch beim SV Zams. Dementsprechend wenig bis gar keinen Sinn machen würden auf dieser Amateurebene sogenannte Geisterspiele. Allerdings meint Haid auch: „Ich kann mir vorstellen, dass der positive Trend (bezüglich Lockerung der Maßnahmen, Anm.) weitergeht“ – und es damit überhaupt nicht zur Frage kommt, ob Zuschauer bei den Spielen ausgeschlossen werden. Sollte man nur wenige Zuschauer einlassen dürfen, „kann ich mir das vorstellen“. In der Bundesliga müssen alle Beteiligten auf Corona-Infektionen getestet werden, das kann sich Haid im Amateurbereich nicht vorstellen. Schwierig ist es für den Verein derzeit auch, dass Gruppentrainings noch nicht zugelassen sind und sich die Spieler momentan nur individuell fit halten. Sollte die Meisterschaft im Herbst starten, „würden englische Wochen über die komplette Herbstmeisterschaft keinen Sinn machen“, so Haid. Und die Meisterschaft erst nächstes Jahr als Ganzjahresmeisterschaft starten? „Von dieser Idee bin ich kein Freund.“ Was dem sportlichen Leiter allerdings sehr am Herzen liegt, ist der Nachwuchs. „Wenn jetzt dann Schulstart ist, sollte Anfang/Mitte Juni auch der Freiluftsport möglich sein!“ Übrigens: Noch nicht abgesagt ist das alljährliche Sportferiencamp. „Wenn der Trend positiv bleibt und die Leute nicht in Urlaub fahren können, ist das sicher eine wichtige Geschichte!“

SV LANDECK. „Es wäre wünschenswert, dass man etwas erfährt – man weiß nichts“, klagt indessen Luis Beer, sportlicher Leiter beim SV Landeck, über das Fehlen von Informationen quasi auf allen Ebenen. Dass die Liga heuer plangemäß im August startet, „das wird ziemlich sicher nicht der Fall sein“, so Beer. Sicher sei auch nicht, dass es im September oder überhaupt im Herbst sein wird. „Gut wäre, wenn man wissen würde, wann wir wieder mit den Gruppentrainings anfangen können – wenn man das wochen- oder monatelang überhaupt nicht hat, kann es sein, dass manche Spieler die Lust verlieren. Wenn manche Spieler nicht spielen wollen, wäre das meisterschaftsverzerrend. Und wenn du von null auf 100 startest, ist die Verletzungsgefahr groß – du brauchst ein bisschen Vorlaufzeit, drei, vier Wochen zum Beispiel.“ Die Vorgaben vom Verband fehlen momentan allerdings, auch aufgrund der fehlenden Vorgaben der Bundesregierung. „Es ist derzeit nicht dran zu denken, dass heuer überhaupt noch was passiert“, sagt Beer. Nachsatz: „Wenn man Perspektiven hätte, kann man Szenarien aufstellen!“ Stichwort Geisterspiele? „Wenn der Verband das vorgibt, musst du das fast machen – wünschenswert wäre das natürlich nicht. Man weiß dann auch nicht, wie die Sponsoren darauf reagieren würden.“ Englische Wochen? „Wie soll das alles gehen? Unter der Woche hast du oft auch die Spieler nicht zur Verfügung.“

SV PRUTZ/SERFAUS. „Wir hängen ziemlich in der Luft“, nickt Alex Jäger, „nicht nur, was das Training anbelangt. Und ich bin mir jetzt nicht mehr sicher, ob die Meisterschaft überhaupt im September anfangen kann – keiner weiß was. Es ist alles ein Wahnsinn.“ Geisterspiele? „Das ist nicht der Sinn! Wir leben von den Zuschauereinnahmen, von der Kantine, von der Stimmung – das hätte mit Fußball nichts zu tun“, erklärt der Obmann und fügt an: „Entweder ganz oder gar nicht!“ Eine 20-Quadratmeter-Regelung bei den Zuschauern? „Wie soll das eingehalten werden? Das hängt auch von den jeweiligen Anlagen ab.“ Jäger würde sich auch wünschen, „dass das Training in absehbarer Zeit wieder startet – auch im Nachwuchs“. Testungen im Amateurbereich? „Das kann ich mir nicht vorstellen!“ Schwierig sieht der Obmann auch etwaige englische Spielwochen. „Die Leute sind dann in der Arbeit, das wird schwierig.“ Wie trainiert man derzeit neben Individualtraining überhaupt? „Wir haben ein Online-Training mit einem Fitness-Trainer eingerichtet“, so der Obmann abschließend.

FC PAZNAUN. „Über ungelegte Eier kann ich nicht reden“, so Josef Wechner vom FC Paznaun. „Mutmaßungen bringen nichts!“ Was ist, wenn die Meisterschaft erst im September startet? „Schwierig. Im September kann es bei uns schon schneien, wir haben ja u. a. einen Spielort auch in Galtür (1600 Meter). Natürlich wäre uns aber grundsätzlich recht, wenn wir spielen könnten. Aber wir im Paznaun sind gebrannte Kinder. Die Gesundheit geht vor – dem ist alles unterzuordnen.“ Nachsatz: „Richtlinien wären natürlich angenehm.“ Geisterspiele? „Der Fußball lebt von den Zuschauern, da geht es nicht nur um das Geld, es geht auch um die Freude. Wenn es keine Zuschauer gibt, ist es nur eine Bewegungstherapie – keine Meisterschaft. Und Geisterspiele wären mit einem Haufen Kosten verbunden!“ Wie sieht der sportliche Leiter die theoretische Möglichkeit etwaiger Testungen? „Im Amateurbereich wäre das ein Wahnsinn, das kann ich mir überhaupt nicht vorstellen, alles utopisch!“
 
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