Rechtsempfindungen

Liebe Freunde scharfer Gesetze!
Killer-Kühe, Blutbeutel-Sportler und Politiker rechts des Rechtes!

Selten zuvor waren unsere Emotionen beim Konsum täglicher Nachrichten ärger strapaziert, als in den vergangenen Wochen und Monaten. Zwischen sensationsheischender Berichterstattung und populistischer Forderung nach anlassbezogener Gesetzesänderungen klaren Kopf zu bewahren, ist da nicht immer leicht. Emotional hochgeschaukelt durch sportlichen Dopingbetrug und einem Strafausmaß von knapp 500.000 Euro für einen Bauern, dessen Kuh eine Frau zu Tode getrampelt hat, nur weil deren Hund an der Leine war. Da laufen die Meinungen heiß. Einer meiner Kollegen, den ich bis dato als durchaus vernunftbegabt eingeschätzt habe, meinte zum umstrittenen Kuh-Urteil, dass alle Köter erschossen gehören. Vor dieser schrecklichen Selbstjustiz verschont blieben beim Kaffee-Kränzchen die Dopingsünder. Sie lösten eher Sprachlosigkeit aus. Denn schließlich sind es ja wir selbst, die es beim Wettbewerb der Körper immer höher, schneller und weiter wollen. Da meinten manche sogar, es wäre ehrlicher, man ließe die Athleten ganz offiziell in ihre Venen spritzen, was sie wollen. Was bei der Entwicklung von Medikamenten den einen oder anderen Tierversuch ersparen würde. Grundsätzlich einig sind sich die Selbstgerechten, dass Menschen wie Tiere schon vor Begehen einer Tat aus dem Verkehr gezogen gehören. Sicherheitsverwahrung hieße hier das Zauberwort. Oder wie es Otto Grünmandl, der leider schon verstorbene Tiroler Kabarettist, in weiser Vorahnung formuliert hat: Alle Verdächtigen gehören eingesperrt! Um das zu realisieren, brauchen wir mehr Gefängnisse, Käfige und Spürnasen, die Täter schon im Vorhinein erkennen. Natürlich auch Richter für zielgerechte Vorverurteilungen. Oder Versicherungen, die alle schadlos halten. Außer jene Ausländer, die an allem Schuld sind. Ich fordere mehr Bier für die Stammtische. Um Köpfe abzukühlen!

Meinhard Eiter