Rundschau - Oberländer Wochenzeitung
Reutte | Chronik | 21. Jänner 2020 | Sabine Schretter

Alle Räder standen still! Reuttener Seilbahn wieder in Betrieb

Alle Räder standen still! Reuttener Seilbahn wieder in Betrieb
Ein Aufatmen ging durch die Region! Der Blick auf den Hahnenkamm verheißt wieder Skivergnügen pur! Die Bahn ist in Betrieb. RS-Foto: Schretter
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Nach zähen Verhandlungen doch Einigung erzielt. Reuttener Seilbahnen nahmen am Sonntag Winterbetrieb wieder auf


Es ist erst ein paar Wochen her, als alles schon einmal auf Spitz und Knopf stand. Beinahe wäre schon damals die Anlage nicht mehr in Betrieb gegangen. Erst Aufatmen, dann Ernüchterung, jetzt erneutes Aufatmen.

Von Sabine Schretter

Anfang Dezember 2020 berichtete die RUNDSCHAU über ein zielorientiertes Gespräch zwischen Seilbahnbetreibern und Gemeindevertretern. Höfens Bgm.-Stv. Rüdiger Reyman und GV Erich Fellner sowie Substanzverwalter-Stv. Andreas Gundolf von der Gemeindegutsagrargemeinschaft Höfen unterzeichneten den Antrag auf wasserrechtliche Wiederverleihung der Beschneiungsanlage, dem per Bescheid des Landeshauptmannes bzw. der Tiroler Landesregierung am 5. Dezember 2019 stattgegeben worden war. Da ein Stillstand der Bahn – auch eines der vier Bs, mit denen die Naturparkregion Reutte wirbt – einen immensen materiellen und ideellen Schaden bedeutet hätte, war das Aufatmen groß.
Stillstand.

Verhandelt worden war Anfang Dezember über eine Zustimmung mit zeitlichem Limit. Davon ist im Genehmigungsbescheid allerdings nichts zu lesen. 

Plötzlich standen die Zeichen dann völlig anders, denn am 7. Jänner reichte Rechtanwalt Dr. Christian Pichler, als Vertreter des Höfener Gemeinderates, Beschwerde gegen oben genannten stattgegebenen Antrag ein. Dieser Beschwerde wurde ebenfalls stattgegeben. 

Vom Land Tirol ging die Aufforderung zur umgehenden Betriebseinstellung der Beschneiungsanlage an die Reuttener Seilbahnen GmbH&Co KG. Bei Zuwiderhandeln darf die Bezirkshauptmannschaft verwaltungsrechtliche Schritte einleiten.

Laut Liftbetreiber machte im zu dieser Zeit schneearmen Winter ein Skibetrieb ohne Beschneiung wenig Sinn. Daher beschlossen die Reuttener Seilbahnen bei einer Gesellschafterversammlung am Dienstagabend die Einstellung des Winterbetriebes. Schilder an den Fenstern ders Liftgebäudes und an Absperrgittern zeugen vom vielzitierten „worst case“ für die Region. Auch 30 Mitarbeiter waren betroffen, die plötzlich vom Dienst freigestellt waren und nicht wussten, wie es weitergeht.

Höfens Bürgermeister Vinzenz Knapp erklärte in einem kurzen Gespräch gegenüber der RUNDSCHAU, dass am Mittwoch (15. Jänner) bis 22 Uhr verhandelt worden wäre, am Donnerstag wurden die Verhandlungen weitergeführt. „Wir sind auf einem guten Weg. Heute Abend soll es ein Ergebnis geben“, so Vinzenz Knapp damals. 

Der Verhandlungsmarathon zog sich bis Freitagabend. Dann konnte eine Einigung der Vertragsparteien Gemeinde Höfen/Gemeindegutsagrargemeinschaft Höfen gefunden werden. Der Dienstbarkeitsvertrag  wurde von beiden Parteien unterschrieben und zeitgleich die Beschwerde gegen den Wasserrechtsbescheid zurückgezogen. Somit ist dieser rechtskräftig und – im Skigebiet am Hahnenkamm kann wieder beschneit werden – so die Mitteilung von LTP Sonja Ledl-Rossmann und BH Katharina Rumpf. 

Am Sonntag war es so weit, die Gondeln fuhren wieder. Mit dem punktgenau gefallenen Neuschnee stand dem Skivergügen nichts mehr im Wege. 
Politik bezog Stellung.

Bereits vor positivem Abschluss der Verhandlungen bezogen die FPÖ und die NEOS Stellung: „Eine besondere Verantwortung besteht gegenüber den 30 Mitarbeitern, die jetzt völlig unerwartet ohne Arbeit dastehen. Aber auch die Einheimischen, die das Gebiet nutzen und eventuell eine Saisonkarte besitzen. Besonders bedauerlich finde ich es auch für die Schulen und Kindergärten, die das Skigebiet nutzen. Auf dem Rücken all derer wird diese Auseinandersetzung ausgetragen“, bedauert FPÖ-Bezirkssprecher Fabian Walch, äußert aber auch Verständnis für die Gemeinde, die auf Rechtssicherheit pocht. FPÖ-Tourismussprecher Alexander Gamper ortet touristischen Wahnsinn, enormen wirschaftlichen und ideellen Schaden. Beide FPÖ-Politiker plädierten auf eine Übergangslösung, um den Schaden zu begrenzen und dann schnellstmöglich eine Lösung in der Zwischensaison zu finden. 

Die NEOS sahen das Unternehmen Reuttener Seilbahnen in der Pflicht und forderten die Rückzahlung der erstatteten Förderungen an das Land. Ein für Montag, den 20. Jänner, anberaumter Pressetermin bezüglich neuer Details zu den Förderungen für die Reuttener Seilbahnen wurde abgesagt.

Wirtschaftsbund-Landesobmann und Österreichs oberster Seilbahnvertreter Franz Hörl warnte davor, „einen wichtigen lokalen Arbeitgeber und Tourismusfaktor, der gewillt ist, viel privates Geld in den Ausbau der touristischen Infrastruktur zu stecken, leichtfertig aufs Spiel zu setzen.“ 
Pistenvergnügen.

Unbegrenztes Pistenvergnügen war ab Sonntag, 19. Jänner, am Hahnenkamm wieder möglich. So ganz haben sich die Gemüter noch nicht beruhigt, aber die Freude über den frischen Neuschnee und die erzeilte Einigung überwiegen.

Generationen von Außerfernern haben am Hahnenkamm Skifahren gelernt, dort einen Skikurs besucht und sind „ihrem“ Skigebiet stets treu geblieben. Viele Wintervormittage sind schon lang die „Zeit der Pensionisten“, die eine bestens präparierte Pist und die Ruhe genießen. Sie besitzen oft Saisonkarten. Skischulen halten ihre Skikurse am Hahnenkamm ab. Zudem sind die Reuttener Seilbahnen Teil der Tirol Regio Card und der Ski- und Wanderpässe Allgäu / Tirol – Vitales Land. Vermieter im Umland profitieren von den Reuttener Seilbahnen.

Alles Faktoren, die unterstreichen, wie wichtig der erfolgreiche Abschluss der Verahndlungen rund um die Reuttener Seilbahnen ist. 
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