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Reutte | Chronik | 5. Juli 2021 | Jenni Zeller

Direktvermarktung und Wissensvermittlung als Chance für die Landwirtschaft

Im Zuge der 15. Bezirksrunde ging es für die Landwirtschaftskammerspitze nach Zöblen: Josef Hechenberger (LK-Präsident), Helga Brunschmid (Vizepräsidentin), Elke Klages (Bezirksbäuerin), Georg und Stefanie Radolf (Käthrerhof) und Chris-tian Angerer (Bezirksobmann (v.r.). RS-Foto: Zeller
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LK Tirol widmet 2021 zukunftsweisenden Wegen

Direktvermarktung in der Landwirtschaft ist stark im Kommen. Daher hat die Landwirtschaftskammer Tirol genau das zu ihrem Jahresschwerpunkt 2021 gemacht. Ziel der Schwerpunktsetzung: Bewusstseinsförderung, Wissenstransfer, Unterstützung und die Hervorhebung von Best Practice-Beispielen. Vergangene Woche begab sich die Kammerspitze daher nach Zöblen zum Käthrerhof, der seit Jahren auf ein gelungenes Konzept der Direktvermarktung und Wissensvermittlung baut.
Von Jenni Zeller.
Warum Direktvermarktung, also der direkte Verkauf an den Endverbraucher? Wie LK-Präsident Josef Hechenberger weiß: Bewusstes Einkaufen, Lebensmittelqualität sowie -transparenz und Regionalität werden für Konsumenten zunehmend wichtiger. Zugleich nehmen gerade junge Landwirte das Direktvermarktungsmodell als Chance zu einem zweiten Standbein und wirtschaftlicher Unabhängigkeit wahr. Dieser bereits bestehende Trend wurde durch die Coronakrise, die den Tourismus und Lieferketten stark beeinflusste, noch weiter angekurbelt. Laut Bezirksobmann Christian Angerer interessieren sich allein im Bezirk Reutte 18 Betriebe dafür, den neuen Weg der Direktvermarktung zu beschreiten.

Direktvermarktung will gelernt sein.
Doch dieser mag gut vorbereitet sein, wie LK-Vizepräsidentin Helga Brun-schmid klar macht. Kein Betrieb soll gezwungen werden; es wird auf Unterstützung und Qualität gesetzt. Gleich zu Beginn besteht nämlich Aufklärungsbedarf in puncto Bürokratie und Gesetzeslage, wie etwa der Lebensmittelkennzeichnung. Ein Verständnis der Zusammenhänge zwischen Landwirtschaft, Tourismus, Bildung und Konsumverhalten ist ebenso wichtig. Gerade Landwirte mit ihrem vielfältigen Wissen können wertvolle Aufklärungsarbeit in Sachen Lebensmittelproduktion und Nachhaltigkeit leisten. Deshalb ist das Ziel des heurigen Jahresschwerpunkts der LK Tirol mannigfaltig: Bei Konsumenten sollen Wissenslücken geschlossen und das Bewusstsein für die Bedeutung der Landwirtschaft gestärkt werden. Das gilt übrigens auch für die Thematik Wolf, die für viele betriebsgefährdend ist und laut Bezirksbäuerin Elke Klages offen diskutiert werden muss. Allgemein sollen Landwirte durch mehr Know-how und ein breiteres Beratungsangebot in Sachen Direktvermarktung unterstützt werden. Im Rahmen der 15. Bezirksrunde reist die Kammerspitze daher durch das Land, um regionale Betriebe zu besuchen und Sichtbarkeit sowie Wissensvermittlung zu fördern.

Der Käthrerhof in Zöblen als Best Practice-Modell.
Der Käthrerhof in Zöblen ist ein Urgestein der Direktvermarktung. Im Tannheimer Tal ist er bekannt für seinen seit gut 30 Jahren bestehenden Hofladen, der ursprünglich eine umgebaute Garage war und sich nun in den letzten Zügen eines großzügigen Umbaus befindet. 2013 übernahmen Stefanie und Georg Radolf den Hof, dessen Fokus auf der Schweine- und Legehennenhaltung liegt. Es tummeln sich beim Käthrer rund 180 Schweine, 200 Legehennen, 35 Schafe, zwei Esel und mehr. Die Grünfläche des Hofs beträgt in etwa 16 Hektar. Jährlich werden im Schnitt 250 Schweine geschlachtet und verkauft; 200 davon über Direktvermarktung. Neben dem Hofladen setzt der Käthrerhof auf Zusammenarbeit mit den Bauernläden in Reutte und Tannheim. Seit 2015 steht außerdem ein Kühlschrank bereit, an dem rund um die Uhr frische Eier gekauft werden können. Wegen der Coronakrise stockten die Radolfs auf einen Verkaufsautomaten mit breiterem Sortiment auf, der großen Anklang fand. Stefanie Radolf erzählt: „Gerade der erste Lockdown war schon gruselig: Für uns ging es direkt von einem Produktionshoch in diesen Stillstand. Die Einheimischen haben uns da wirklich durch die Krise getragen; wir hätten nicht gedacht, ohne die Einnahmen durch den Tourismus über die Runden zu kommen.“

Landwirtschaft verstehen und erleben.
Der Käthrer öffnet zudem regelmäßig Stall- und Hoftüren für Exkursionen und Schulklassen, um Groß wie Klein authentische Einblicke in nachhaltige Landwirtschaft zu geben. Durch die Lebensmittelindustrie besteht bei vielen kein echter Bezug mehr zu Nahrungsmitteln, es fehlt an Wissen. Häufig werden Landwirte geringgeschätzt; dabei ist für sie Wissen notwendig, das von Pflanzenschutz über Veterinärmedizin bis zum Steuerwesen reicht. Direktvermarktung ist dabei ein weiteres breites Wissensgebiet. Familie Radolf weiß: „Es geht uns darum, unsere Arbeit erlebbar zu machen. Dazu gehört auch, dem klassischen Supermarktkäufer zu vermitteln, dass Ressourcen und Produkte normalerweise endlich sind. Wenn bei uns etwas ausverkauft ist, dann ist es vorerst fertig. Wir überproduzieren und verschwenden nicht.“ Aufgabe der Landwirtschaft der Zukunft ist also, Brücken zu bauen: zwischen Verbrauchern und Produzenten sowie Menschen und Lebensmitteln.
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