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Reutte | Chronik | 22. August 2022 | Marlen Perl

Erneute Verpachtung der Saxeralm im Madautal

Die Eigentümer und Eigentümerinnen der Saxeralm beim Almpflegetag, der jährlich stattfinden soll.
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Die RUNDSCHAU im Gespräch mit Almmeister Franz Kappeller

Die inmitten der Lechtaler Alpen oberhalb des Bergdorfes Madau gelegene Saxeralm besticht durch ihre idyllische Lage. Außerdem steigert der im Sommer 2015 erbaute Anna Stainer-Knittel Gedenkweg den Wert dieser Gegend. Im Gespräch mit der RUNDSCHAU berichtete Almmeister Franz Kappeller, der selbst einige Jahre als Hirt auf der Saxeralm beschäftigt war, von den Besonderheiten des unterhalb der imposanten Saxerspitze gelegenen Gebietes und der immer größer werdenden Notwendigkeit der Weideerhaltung.
Von Marlen Perl.
RUNDSCHAU: Die Saxeralm liegt auf dem Gemeindegebiet Zams, ist aber im Besitz von Lechtalern. Wie kam es dazu, dass die Eigentümeranteile im Lechtal sind?
Franz Kappeller: Die Saxeralm ist eine Gemeinschaftsalm und hat historisch einen interessanten Hintergrund. Das Gebiet um die Saxeralm war früher Alm- und Weidegebiet der Gemeinde Zams. Nachdem sich im späten Mittelalter weichende Familien in Madau dauerhaft niederließen, hat das Kloster St. Vinzenz und die damalige Nachbargemeinde Zams den Aussiedlern die Saxeralm und die spätere Agrargemeinschaft Reteck ins Eigentum übertragen, um das wirtschaftliche Fortkommen dieser zu sichern. Nachdem die Siedlung in Madau nach etwa 200 Jahren wieder aufgelassen wurde, kam der Besitz durch die Übersiedelung der Eigentümer ins Lechtal zu uns ins Außerfern. Nun sind die Besitzer der acht Stammsitzliegenschaften auf Zammer Gebiet von Häselgehr bis Stockach verteilt.

RS: Ist das Gebiet der Saxeralm nur für Galtvieh vorgesehen oder auch für Milchkühe geeignet?
Franz Kappeller: Ursprünglich war die Saxeralm eine Melkalm, seit 1962 ist es eine Jungviehalm, was vor allem dem Personalmangel geschuldet war. In einer toll aufgearbeiteten Chronik habe ich gelesen, dass es damals keinen Senner mehr gab, weshalb eine Umstellung auf Jungvieh erfolgte. Die Bestoßung mit Jungvieh mussten wir aber leider 2017, aufgrund eines Schlagwetterereignisses mit Jahrhundertcharakter, durch das ein Teil des Fußweges weggerissen wurde, einstellen. In Absprache und in Zusammenarbeit mit der Wildbach- und Lawinenverbauung wurde dieser wieder saniert. Mittlerweile hat sich die Situation auch wettertechnisch stabilisiert, obwohl es in den Bergen eigentlich nie eine Garantie gibt. Ein Viehauftrieb ist aber ab nächstem Jahr wieder möglich und das werden wir nutzen.

RS: Wie viel Stück Vieh verbrachten vor 2017 die Sommermonate auf der Saxeralm?
Franz Kappeller: In den Jahren zuvor waren immer etwa um die 60 Stück Jungvieh auf der Alm. Wir achten aber darauf, dass die Alm nicht überbestoßen wird. Das Vieh ist bislang immer in einem hervorragenden Zustand ins Tal zurückgekommen, was für den Wert der Alm spricht. Die Futterqualität ist einzigartig, das haben auch die Bauern im Inntal bereits erkannt.

RS: Warum ist ein solcher Almpflegetag, wie er Anfang August stattfand, notwendig? Wird dieses Projekt jährlich durchgeführt?
Franz Kappeller: Die Almhütte liegt auf 1.864 m und speziell im Bereich rund um 2.000 m Seehöhe sind der Klimawandel sowie dessen Auswirkungen deutlich spürbar. Einerseits verschiebt sich die Baumgrenze nach oben, sodass jetzt beispielsweise Lärchen dort wachsen, wo sie früher – vor 20 bis 30 Jahren – noch undenkbar waren. Andererseits findet mittlerweile die größte Pionierpflanze auf den Almen, die Grünerle, auf dieser Höhe ideale Lebensbedingungen. Dies macht gezielte Rodungsaktionen zur Freihaltung der Almflächen notwendig. In den letzten Jahren hatten wir bereits drei Projekte mit dem Alpenverein, die sogenannten „Bergwaldprojekte“. Heuer fand ein „Aktionstag“ der Eigentümer statt und wir sind fest entschlossen, dies nun jedes Jahr zu machen.

RS: Wie wurde der Almpflegetag von den Besitzern angenommen?
Franz Kappeller: Für mich als Almmeister im 25. Dienstjahr war das ein sehr schönes Erlebnis. Insbesondere hat es mich gefreut zu sehen, wie die nachrückende Generation eine Beziehung zur Alm aufbaut und ihre Erhaltungswürdigkeit bzw. den Wert erkennt. Wir setzen damit ein Zeichen, dass wir unser Eigentum gemeinsam erhalten wollen, abgesehen davon, ob der bzw. die Einzelne einen großen Nutzen davon hat. Aber es gibt einen ideellen Nutzen, es geht nicht immer nur um Geld. Der Tag war für alle 15 Helferinnen und Helfer zwar sehr arbeitsintensiv, dennoch konnten durch das gemeinsame Essen bzw. Beisammensein auch der innere Zusammenhalt und die Gemeinschaft gestärkt werden.

RS: Ist die Alm für das nächste Jahr bereits verpachtet?
Franz Kappeller: Nein, es finden zwar bereits erste Gespräche statt, aber bislang wurde noch nichts fixiert. Das Gebiet der Saxeralm bietet zwei komfortable Almhütten. Eine Seilbahn wurde in den 1950er Jahren erbaut, ist inzwischen mehrere Male modernisiert worden und dadurch technisch in einem hervorragenden Zustand. Etwa einhundert Meter oberhalb der Hütte gibt es eine verlässliche Wasserquelle und ein Dieselaggregat versorgt die Hütte mit Strom. Nachdem es sich um eine bewirtschaftete Alm handelt wäre auch ein Ausschank möglich, der durch den neuen Anna Stainer-Knittel Gedenkweg sicherlich guten Anklang bei Wanderern finden würde. Pachtinteressenten können sich gerne bei mir melden unter 0676/95 78 713.

RS: Vielen Dank für das Gespräch.
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