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Reutte | Chronik | 1. März 2021 | Sabine Schretter

Gemeinsam etwas anbauen

Gemeinsam etwas anbauen
Regina Karlen, Bezirkssprecherin Grüne, Georg Kaltschmid, LA Grüne, Listenerste Brigitte Amort und Christian Ortner, Listenzweiter Grüne Bäuerinnen und Bauern (v.l.) auf dem Grundstück in den Reuttener Gätteräckern, die bald schon als Gemeinschaftsgarten bewirtschaftet werden. RS-Foto: Schretter
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Auf einem Grundstück in Reutte wird schon bald ein Gemeinschaftsgarten bewirtschaftet

Am 23. März finden in Tirol die Landwirtschaftskammerwahlen statt. Die Spitzenkandidaten der Grünen Bäuerinnen und Bauern, Brigitte Amort und Christian Ortner, besuchten das Außerfern. Beeindruckt zeigten sie sich von einem Projekt, für das mitten in der Marktgemeinde Reutte schon bald der Startschuss fallen wird.
Von Sabine Schretter.
Regina Karlen, Bezirkssprecherin der Grünen im Außerfern, erklärte, wie wichtig es sei, die Themen der Grünen Bäuerinnen und Bauern in die Bezirke zu tragen. LA Georg Kaltschmid, der auch Landwirtschaftssprecher der Grünen ist, zeigt die Motivation der Grünen Bäuerinnen und Bauern deutlich auf: „Bei der letzten Landwirtschaftskammerwahl sind wir ja ganz kurzfristig angetreten und haben auf Anhieb ein Mandat geschafft. Das gilt es jetzt natürlich zu verteidigen und im besten Fall sogar zu steigern.“ Immer mehr Bauern in Tirol würden erkennen, dass Monokultur nicht gut für die Landwirtschaft ist. Es müsse wieder viel mehr auf Alternativen geachtet und diese auch entsprechend unterstützt werden. „Die Landwirtschaftskammer ist nicht gleich der Bauernbund. Die Landwirtschaftskammer steht allen zu, Förderungen werden auch nicht nach Parteizugehörigkeit, sondern nach Richtlinien verteilt. Dass wir Grüne hier auf dem richtigen Weg sind, zeigte sich bei der Einholung der Unterstützungsunterschriften für die Wahl. Daher traut eich grün zu wählen!“, blickt Kaltschmid der Landwirtschaftskammerwahl opti-mistisch entgegen. Es waren die Grünen, die in Tirol die Kälbermastförderung, die den Bauern direkt, dem Tierwohl und den Konsumenten dient, durchgesetzt haben. Auch würde sich zeigen, dass der Bauernbund immer mehr grüne Forderungen aufnimmt, etwa die Herkunftskennzeichnung oder die Stärkung der Frau in der Landwirtschaft. 

Listenerste.
Dass bei den Grünen Bäuerinnen und Bauern die Stärkung der Frauen sehr ernst genommen wird, zeigt schon die Reihung auf deren Liste: Auf Platz eins steht Brigitte Amort aus Tristach in Osttirol. Der weibliche Anteil auf der Liste macht im Gesamten 50 Prozent aus. „Dass ich hier auf einem Grundstück stehe, dass das Gemeinsame und den Zusammenhalt ins Zentrum stellt, rührt mich beinah zu Tränen“, so Brigitte Amort beim Lokalaugenschein auf dem Gemeinschaftsgarten in den „Gätteräckern“. Sie selbst betreibt gemeinsam mit ihrer Familie eine 35 ha große Biolandwirtschaft in Osttirol. „Wir halten 15 bis 20 Juraschafe und zwei Haflinger. Die Tiere sind der Aufgabenbereich unserer Kinder, mein Mann kümmert sich um den Wald und ich bin für unseren zwei Hektar großen Acker zuständig“, erzählt Brigitte Amort. Angebaut werden Kartoffeln und Speisegetreide. Der Fokus liegt auf alten Sorten, vermarktet wird direkt. Brigitte Amort setzt sich für eine gerechte Verteilung der Fördergelder ein: „Hier braucht es eine Umverteilung von Groß auf Klein. Die ersten 20 Hektar sollen doppelt gefördert werden, ebenso die Umstellung auf Biolandwirtschaft. Mir ist wichtig, dass Investitionsgelder neu ausgerichtet werden und die Ausgleichszulage für Berglandwirte erhöht wird.“ Die Listenerste wünscht sich außerdem Regionalquoten von 80 Prozent. „Perfekt wäre, wenn 50 Prozent davon auch bio wären“, ergänzt sie. Brigitte Amort ist überzeugt, dass mehr Frauen in den Gremien vertreten sein müssen und sich bereit erklären, auch in Spitzenpositionen zu gehen. „Nur so erreichen wir eine Gleichberechtigung auf der Liste“, schließt sie ab. 
Christian Ortner, ebenfalls Landwirt aus Osttirol, besetzt Platz zwei auf der Liste der Grünen Bäuerinnen und Bauern. „Ich bewirtschafte einen kleinen Betrieb von acht Hektar, beschäftigte mich bis 2016 mit dem Beerenanbau. Das musste ich aus Schadensgründen aufgeben und wurde mehr oder weniger zur Rinderhaltung gezwungen“, erklärt er. Seine Motivation, bei der Wahl anzutreten, sei, sich für eine neutrale Landwirtschaftskammer starkzumachen. Es müsse viel mehr unterstützt werden, auf Flächen anzubauen, was gebraucht und gegessen wird. Es soll zudem wieder möglich werden, auch eine kleine Landwirtschaft im Vollerwerb zu betreiben. 

Gemeinsam in den Gätteräckern. 
Die Fläche, die bald schon von sechs Familien in Eigenregie gemeinschaftlich genutzt wird, war verpachtet und wurde gemäht. Der Ertrag ging als Futter in die Fleischproduktion. „Das soll sich jetzt ändern“, erklärt Regina Karlen, die das Projekt forciert hat. „Wir probieren es einfach aus, wollen mit den Familien auch die Kinder an das gemeinsame Anbauen und Arbeiten heranführen. Kartoffeln und Gemüse sollen wieder den Stellenwert erhalten, der ihnen als wertvolle und gesunde Lebensmittel zusteht“, führt sie weiter aus. Die Familien bewirtschaften die Flächen individuell und ganz nach ihren Bedürfnissen. „Ich wünsche mir sehr, dass auch andere Gmeinden auf diesen Zug aufspringen. Dass so etwas sehr gut funktioniert, zeigen Städte wie Wien oder Innsbruck, wo solche Initiativen schon länger mit großem Erfolg und Zuspruch umgesetzt werden.“ Einzige Voraussetzung für die Bewirtschaftung der Fläche ist, komplett biologisch, ohne Einsatz von Spritzmitteln oder Schneckenkorn zu arbeiten. Schon bald soll mit den ersten Gartenarbeiten begonnen werden. Dazu hatte Brigitte Amort als Expertin abschließend noch Tipps auf Lager: „Da geht schon sehr bald etwas. Radieschen und Rettich etwa. Denen macht auch ein Frost nichts aus. Und wer sich Sorgen wegen der Schnecken macht, soll es einmal mit zerbröselten Eierschalen versuchen. Die halten nicht nur die Schnecken ab, die sind auch noch ein hervorragender Kalkdünger!“ Ganz nebenbei: Kupferplatten, auf der Anbaufläche oder um ein Beet ausgelegt, tun hier auch gute Dienste. Das bestätigt Christian Ortner: „Wenn die Kupferplatten warm werden, gehen die Schnecken nicht mehr drüber.“
Bei ihrer Bzirkstour besuchten Brigitte Amort, Christian Ortner und Georg Kaltschmied, gemeinsam mit Regina Karlen, abschließend das „Lädele“ in Vils, ein Vorzeigeprojekt in Sachen gemeinschaftlichem Wirtschaften, Verwerten und verpackungsfreiem Verkaufen. Bevor es zurück nach Osttirol bzw. ins Unterinntal ging, wurde noch kurz in Haiming haltgemacht.
 
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