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Reutte | Chronik | 10. Mai 2021 | Juliane Wimmer

In Ehrwald ist der Wolf zurück!

In Ehrwald ist der Wolf zurück!
Ehrwalder Bauern und der Verein „Alm ohne Wolf“ beziehen eindeutig Position: Zumindest die Entnahme von Problemwölfen sollte erlaubt sein! RS-Foto: Wimmer
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Losung (Kot) vom 19. April weist Raubtier aus Italien genetisch nach

Bereits im November 2020 wurde anhand eines Wildrisses im Ehrwalder Oberdorf in der Nähe des Altmühlensteigs (parallel zum Gaisbach) ein Wolf nachgewiesen. Nun ergab die DNA-Analyse einer Kotprobe (Fundort: Nähe Panoramaweg Ehrwald-Lermoos) erneut, dass hier ein Wolf aus der italienischen Population unterwegs war. Ob es sich in beiden Fällen um dasselbe Individuum handelt, wird erst das Ergebnis der Genotypisierung zeigen, informiert das Land Tirol.
Von Juliane Wimmer.
Während das Ergebnis der vertiefenden genetischen Untersuchung noch ein paar Wochen auf sich warten lässt, ist die Diskussion unter Einheimischen, ob ein Zusammenleben von Mensch und Wolf im Tourismusort mit (Schaf- und  Ziegen-)Bauern überhaupt funktionieren kann, bereits voll im Gange.

Fotofalle und Risse.
„Schon im Jänner ist ein Wolf am Plansee im Bereich Neuwied, also auf der Rückseite des Daniels, in eine Fotofalle getappt“, berichtet Jagdaufseher Stefan Papp im Gespräch mit der RUNDSCHAU. „Als ich dann Ende März zwei gerissene Rehe und am 10. April eine gerissene Gams in direkter Nähe zum viel begangenen Panoramaweg Ehrwald-Lermoos fand, wurde die Sorge vor einem möglichen Wolf größer und wir schalteten die Behörden ein.“ Papp ist zuständig für die Eigenjagd, die sich von der Spitze des Daniels bis zur Eisenbahnstrecke ins Tal zieht.

Gesicherte Nachweise.
Er war es auch, der den Kot eines Wildtieres am 19. April am Pano-rmaweg Ehrwald-Lermoos/Ecke Radweg Richtung Garmisch aufsammelte, der den Wolfsnachweis erbrachte. „Bei einem in örtlicher und zeitlicher Nähe tot aufgefundenen Reh hingegen ergaben die DNA-Analysen keine Hinweise auf die Beteiligung eines Wolfs“, betont Mag. Christa Entstrasser-Müller vom Land Tirol im Telefonat mit der RUNDSCHAU. „Keinerlei Hinweise gibt es auch auf die im Zusammenhang mit einer Sichtung geäußerten Vermutung, dass es sich um einen Hybriden, also um keinen reinrassigen Wolf handeln könnte“, fügt Entstrasser-Müller hinzu. Anlass der Spekulation – ob Wolf oder nicht menschenscheuer Hybridwolf – war der Bericht dreier einheimischer Frauen, die im April in der Nähe der Bahngleisarbeiter einen Wolf gesehen haben.

Sorgen und Ängste.
All diese Meldungen von Rissen und Sichtungen lassen die Ehrwalder nicht unberührt. Bergschafzucht-Obmann Alfred Wilhelm hofft, dass der Wolf weiterzieht und in Ehrwald und Umgebung nicht heimisch wird, denn „Wolf und Schaf – das geht nicht“, ist er überzeugt, „das ca. 35 ha große Gelände in Nähe der Wettersteinbahnen, auf dem unsere Tiere grasen, wäre nie einzuzäunen. Unmöglich! Bislang gab es bei uns Gott sei Dank noch keine Schafrisse. Dann hätten wir ein Riesenproblem!“ Helmut Pesendorfer, Hotelier und einer der drei Verantwortlichen der Ganghofer Jagd (vom Lähngraben bis zur Feldernalm bis Gebiet Seebensee unterhalb Sonnenspitze) war an der Auffindung der gerissenen Hirschkuh im November 2020 auf dem Gaisbach-Wanderweg zur Ehrwalder Alm, dem Altmühlensteig beteiligt. „Als Jagdleiter, Großvater und Touris-tiker machen ich mir Sorgen um die Sicherheit der Menschen. Normalerweise sind die Wölfe scheu, aber die Nähe der Funde und der Sichtung zu beliebten Wanderwegen geben mir zu denken. Wenn es irgendwann auch hier bei uns dauerhaft mehrere Wölfe gäbe und wir für Einheimische und Touristen Warntafeln aufstellen müssten, dann fände ich das äußerst bedenklich.“

Lernen und mit App informieren.
Trotz aller Bedenken glaubt Jagdaufseher Stefan Papp, dass „wir lernen müssen, mit dem Wolf zu leben. Er besitzt innerhalb der EU einen hohen Schutzstatus und darf nicht abgeschossen werden. Mir geht es vor allem darum, dass die Menschen über die Wolfssituation vor Ort aufgeklärt werden.“ Auch das Land Tirol setzt auf Aufklärung und das richtige Wolfsmanagement. In einer Aussendung vom 3. Mai heißt es: „Bereits seit vergangenem Jahr bietet eine spezielle Anwendung auf der APP des Landes Tirol aktuelle Nachrichten über Nachweise von Wolf, Bär oder Luchs sowie weiterführende Informationen. Mit Hilfe der App können gesicherte Informationen über die Anwesenheit von Wolf oder Bär sowie Risse von Nutztieren schnell an die Öffentlichkeit weitergeben werden. (...) Die Applikation soll vor allem für die Landwirtschaft ein Hilfsmittel sein, um noch besser informiert zu sein bzw. ggf. noch rascher reagieren zu können.“

Wolfshistorie & Fakten
(jw) Während der Wolf im Osten und Süden Europas überlebt hat, wurde er in Westeuropa Mitte des 19. Jahrhunderts ausgerottet. In Österreich galt die Art ab 1882 als „ausgestorben“. Auch wenn einzelne Wölfe immer wieder Österreich erreichten, so war dies dennoch ein äußerst seltenes Ereignis. Seit etwa 2009 kehren die wanderfreudigen Beutegreifer verstärkt zurück. 2016 hat es in Niederösterreich erstmals wieder Nachwuchs gegeben. 2020 wurden 40 Tiere (durchziehende Einzelwölfe) in ganz Österreich gezählt. In Deutschland oder der Schweiz gibt es bereits mehrere Wolfsrudel. Insgesamt leben derzeit mehr als 17.000 Wölfe in Europa (ohne Russland). Der Grund der Ausbreitung großer Beutejäger liegt im hohen Schutzstatus, z. B. durch die Flora-Fauna-Habitatrichtlinie der EU. Beim Bär und Luchs gab es zudem in den letzten Jahrzehnten europaweit Auswilderungsprojekte. Alle drei Arten sind grundsätzlich menschenscheu. (Quellen: WWF, Land Tirol)

Wie verhält man sich bei einer Wolfsbegegnung?
(jw) Wie verhalte ich mich bei einer Wolfsbegegnung? Beim unwahrscheinlichen Zusammentreffen von Wolf und Mensch rät der österreichische Naturschutzbund zu folgenden Verhaltensweisen: Stehen bleiben und ruhig verhalten: Im Normalfall zieht sich der Wolf von selbst zurück. Vor allem junge, unerfahrene Wölfe sind meist neugieriger und weniger scheu als ältere Wölfe. Läuft der Wolf nicht von selbst weg: Laut sprechen und kräftig in die Hände klatschen. Auf keinen Fall weglaufen, unter Blickkontakt langsam rückwärts weggehen.  Sollte der Wolf wider Erwarten sogar folgen, stehenbleiben und versuchen, ihn einzuschüchtern: Groß machen und lautstark anschreien. Das hält ihn auf Distanz. Generell gilt: Den Wolf auf keinen Fall mit Futter anlocken, streicheln oder dem Tier den Rücken zudrehen.
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