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Reutte | Chronik | 8. Oktober 2019 | Bogdan Dujic

„Mögliche Bahntrasse wäre Todesstoß für den Talkessel!“

„Mögliche Bahntrasse wäre Todesstoß für den Talkessel!“
Stegers grobe Rekonstruktion aus den vorliegenden Dokumenten der geplanten Bahnstrecke im Abschnitt Ehrwald zeigt, dass die Trasse vom jetzigen Bahnhof mit einer Schleife hinunter ins Moos zu einem neu geplanten Bahnhof, durchs Unterdorf hindurch über die Felder bis hin zur Höhe des Wettersteinbahnen-Parkplatzes in den Tunnel verlaufen würde. Skizze: SPT Tech
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Dipl.Ing. Peter Steger warnt vor den verheerenden Folgen einer Riesenbaustelle vor Ehrwalds Haustür


Verkehrsentlastung und eine schnelle Verbindung nach Innsbruck – davon träumen die staugeplanten Außerferner schon lange. Die Euphorie v. a. bei Grünen und SPÖ war groß, als im März 2019 die Ergebnisse von der im Tiroler Landtag 2017 in Auftrag gegebenen Machbarkeitsstudie vorlagen. Von sieben geprüften Varianten bekam die Option „Ehrwald – Silz“ die besten Kosten-Nutzen-Noten. Der Ehrwalder Diplom-Ingenieur Peter Steger hat sich die Pläne genauer angeschaut und schlägt Alarm!

Von Juliane Wimmer

Nach intensivem E-Mail-Kontakt mit der zuständigen Behörde im Land und gründlicher Durchsicht aller relevanten Unterlagen (wie der „Eisenbahnentwicklung im erweiterten Rätischen Dreieck“, dem „Fernpass-Strategie-Schlussbericht“ und der „Machbarkeitsstudie zur Bahntrassierung zwischen dem Ehrwalder Becken und Ötztal-Bahnhof“) kommt der selbstständige Betreiber eines Ingenieurbüros zu alarmierenden Schlussfolgerungen, die v. a. die Einwohner des Talkessels Ehrwald, Biberwier und Lermoos treffen würden.
TRASSE IST KEIN FANTASIEGEBILDE.

Steger möchte all diejenigen aufrütteln, die sich zurücklehnen und denken: „Die Bahnverbindung kommt eh nicht, weil sie mit 1,5 Milliarden Euro viel zu teuer ist und die Planung noch Jahrzehnte dauern könnte.“ Der 55-Jährige erklärt: „Bei der angedachten Bahntrasse handelt es sich um kein Fantasiegebilde! Es wurde bereits viel Geld und Gehirnschmalz in die Pläne investiert. Sie sind äußerst detailliert und ausgereift.“ Steger kritisiert nicht nur den „unsinnigen“ Bauaufwand (drei Brücken, Tunnel in der Schleife zwecks Höhenüberwindung, Betonwanne im nassen Moos) und die Trassenführung mitten durchs Siedlungsgebiet bis zum Wetterstein (siehe Skizze STP Tech), sondern warnt auch vor den fatalen Folgen, die so eine „riesige Baustelle im Brennerbasistunnel-Format vor unserer Haustür“ mit sich bringen würde.
NACHHALTIGE ZERSTÖRUNG.

„Wenn wir so eine gigantische Baustelle im Dorf hätten und das über mehr als zehn Jahre lang, dann kommt kein Tourist mehr! Der Ausblick von Lermoos und von allen anderen Seiten des Talkessels auf den Wetterstein wäre ruiniert. Die Zerstörung von Ehrwald wäre nachhaltig. Denn, das, was du in zehn Jahren in Ehrwald an Tourismus zerstörst, das holst du nicht mehr auf. Die Folge: Betriebe gehen pleite. Davon erholen wir uns nicht mehr. Kurzum: Infrastrukturell wäre dies das absolute Chaos und touristisch ein Kopfschuss. Auch nach Beendigung der Bauphase!! Nämlich, mit einem Güterbahnhof vor der Tür, wo die Züge womöglich im Stundentakt fahren.“
GÜTERSTRECKE ZUM GELDVERDIENEN.

Denn, auch wenn Politiker wie die Verkehrslandesrätin Ingrid Felipe (Grüne) versprechen, dass „die Verlagerung von der Straße auf die Schiene nicht nur die Güter, sondern auch Personen betreffen“ soll, so glaubt Steger, dass dies nicht der Fall sein wird. „Bei einer Länge von knapp 20 km sollen auf 17,5 km Tunnel kommen. Das ist doch keine Personenstrecke.“ Gerade die hohen Kosten von 1,5 Mrd. Euro sieht der 55-jährige Diplom-Ingenieur als Argumentation FÜR den „Wahnsinnsbau“: „Bei so einer Summe will jeder mitverdienen. Da fallen viele Aufträge ab. 1,5 Mrd. Euro mögen für Tirol unbezahlbar, für Österreich schwierig, aber für Europa sicher doch möglich sein. Und wenn das Projekt dort mal als neue Nord-Süd-Lückenschluss-Variante beschlossene Sache sein sollte, dann kräht kein Hahn danach, was mit unserem Dorf passiert. Auch wenn man ein paar Häuser dafür platt machen und einen neuen Bahnhof im Moos bauen muss.“
ALTERNATIVE & EINLADUNG.

Falls dieses Mammutprojekt tatsächlich kommen sollte, sieht der Bauingenieur nur einen Ausweg: „Ein Tunnelportal im Gewerbegebiet Schanz würde die Strecke nur unwesentlich verlängern und Ehrwald und der Talkessel wären entlastet. Das Geld, das man für Betonwanne, Brücken und Tunnelschleife sparen würde, könnte sinnvoller angelegt werden. Vielleicht sogar für eine zusätzliche U-Bahn, welche die Gäste von einem großen Parkplatz bei der Schanz zu den Skigebieten Wetterstein und Ehrwalder Alm bringen könnte.“ Steger forderte die zuständige Landesbehörde bereits per E-Mail auf, sich bitte vor Ort ein Bild zu machen, als nur vom „grünen Schreibtisch“ aus zu regieren. „Leider wurde die Einladung bislang nicht ernst genommen, da man sich derzeit lieber auf eigene Experten als die Menschen vor Ort verlässt. Hoffentlich wird sich das rechtzeitig ändern“, so Steger.
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