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Reutte | Chronik | 5. September 2022 | Johannes Pirchner

Rom war eine Reise wert

Abschreiten der Front beim „Landesüblichen Empfang“ auf dem Kapitolsplatz in Rom (LH Günther Platter, Bischof Hermann Glettler, Pierluigi Sanna (Vizebürgermeister von Rom) und Jan Kickert (österreichischer Botschafter in Rom) (v.r.). Foto: Diözese Innsbruck/Sigl
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Große Diözesanwallfahrt mit „Landesüblichem Empfang“ und Papstaudienz

Vom 29. August bis 2. September besuchten knapp 500 Pilger aus Tirol die ewige Stadt. Neben Bischof Hermann Glettler und Landeshauptmann Günther Platter waren auch Landtagspräsidentin Sonja Ledl-Rossmann als höchste Vertreterin des Außerferns und Landesrat Johannes Tratter unter den Wallfahrern. Die Höhepunkte der Pilgerfahrt waren ein einzigartiger „Landesüblicher Empfang“ am Kapitolsplatz in Rom und eine Audienz bei Papst Franziskus im Vatikan. Daneben gab es viele weitere kleine und große Highlights bei der Pilgerfahrt.
Von Johannes Pirchner.
Am frühen Sonntagmorgen brachen von Tirol aus sieben vollgefüllte Busse mit insgesamt 350 Wallfahrern auf. Im Laufe der Pilgerreise nahm diese Zahl auf knapp 500 zu. Stationen auf der fünftägigen Wallfahrt führten durch die großartigen Kirchenbauten Roms. Unter diesen war der Petersdom, wo der Apostel Petrus unter dem größten Kuppelbau der Christenheit ruht. Weiter ging es zur offiziellen Bischofskirche Roms, San Giovanni in Laterano, in der sich Reliquien des hl. Apostels Paulus befinden, weiter zur Kirche Santa Maria Maggiore, wo die Pilger die Überreste der Krippe von Bethlehem bestaunen konnten. Neben dem päpstlichen Rom standen auch Stationen des alten Roms auf dem Programm. Vorbei am Kolosseum und am Konstantinsbogen, wo einst eindrucksvolle Gladiatorenspiele und Seeschlachten stattfanden, zu den Ruinen des alten Forum Romanum, das einst das Zentrum des römischen Weltreichs war. Weitere Höhepunkte waren der Trevi Brunnen und die Spanische Treppe. Ein besonderer Höhepunkt der Wallfahrt war eine hl. Messe unter Vorsitz von Bischof Hermann Glettler vor dem Grab des hl. Petrus im Petersdom, einem der heiligsten Orte des Christentums. In seinen Predigten vor den Wallfahrern sprach Tirols Bischof von einer weltkirchlichen Verbundenheit mit allen Menschen, mit dem Wissen um viele Herausforderungen unserer Zeit: Teuerung, Krieg, Spaltung usw. Aber pilgern heißt erneuern – sowohl persönlich, als auch gesellschaftlich. Verzagen und Resignation sind keine christliche Option!

Landesüblicher Empfang.
Für die Beziehungen zwischen Italien und Tirol war der 30. September ein ganz besonderer Tag. In der Stadt Rom wurde von Tirol ein „Landesüblicher Empfang“ ausgerichtet. Beim „Landesüblichem Empfang“ handelt es sich um eine besondere Geste der Freundschaft und Anerkennung – dieser Empfang sollte die Verbundenheit des Landes Tirol zur ewigen Stadt ausdrücken. Er fand erstmals in Rom auf dem Kapitolsplatz statt, wo der Bürgermeister von Rom seinen Sitz hat. Vor der weltberühmten Statue des römischen Kaisers Marc Aurel, der seinerzeit sein Feldlager in Vindobona (heutiges Wien) hatte, nahmen die erste Schwazer Schützenkompanie, die Musikkapelle Matrei und zahlreiche weitere Traditionsverbände Aufstellung, darunter auch eine Abordnung der Kaiserjäger. Landeshauptmann Platter dankte der Stadt Rom für die gute Zusammenarbeit, die diesen Empfang möglich gemacht hatte. Bei einem Netzwerktreffen am gleichen Abend sprach der Landeshauptmann mit Stolz von der besonders freundlichen Beziehung zu Italien und dem Zustandekommen dieses Empfangs: „Unsere Freunde in Südtirol und aus dem Trentino meinten, dass wir so etwas nie zustande brächten, jetzt hoffe Tirol – in Zukunft beim nächsten Empfang – auf eine gemeinsame Tiroler Abordnung, aus Nord und Süd“, so der Landeshauptmann. Ebenso sprach sich der Landeshauptmann für mehr Menschlichkeit und Zusammenhalt in der Bevölkerung aus, gerade in Zeiten von Wahlkampf, Pandemie und Teuerung. Landtagspräsidentin Sonja Ledl-Rossmann betonte ebenfalls die Verbundenheit Tirols mit Rom und dass es essenziell sei, sich gegenseitig in Tradition und Geschichte besser kennenzulernen. Dies wurde durch den Empfang sichergestellt. Man hofft nun auch in Zukunft auf weitere „Landesübliche Empfänge“ in Rom, von Seiten der derzeitigen Stadtregierung gäbe es hier großes Interesse. Zunächst war die Stadtregierung etwas skeptisch. So musste etwa im Vorfeld den Römern erklärt werden, dass es sich beim „Schnapserl“ nicht um einen allgemeinen Ausschank handle. Auch scheiterte der Empfang fast an der Haltung Italiens wegen der scharfen Schusswaffen der Tiroler. Deshalb mussten sie Südtiroler Waffen verwenden, die nur noch mit Platzpatronen versehen sind. Auf die Frage eines hochrangigen Vertreters Österreichs bei einem Schützen, ob nicht auch die Waffen der Nordtiroler entschärft werden könnten, gab dieser sinngemäß wieder: „I loss ma mei Gwehr nit kastrieren.“ Aber auch mit Platzpatronen war der Empfang würdig gestaltet. Ein weiterer Aspekt dieses Empfangs war auch der historische. Vor mehr als 100 Jahren endete der Erste Weltkrieg und Tirol wurde aufgeteilt in Nord und Süd. Italiener und Tiroler waren Todfeinde. Nun standen der Landeshauptmann und der Tiroler Bischof freundschaftlich mit dem Vizebürgermeister von Rom gemeinsam mit den Schützen und Kaiserjägern beim Kapitol. Ein voller Erfolg für die „Tiroler Außenpolitik“. Auch die Zeit kann Wunden der Geschichte heilen.

Tiroler beim Papst.
Ein weiterer Höhepunkt war die Generalaudienz der Pilgernden bei Papst Franziskus. Über 6500 Menschen waren im Saal der Audienz im Vatikan. Als der hl. Vater den Saal betrat, brach immenser Jubel aus. So muss es sich einst angefühlt haben, als der Kaiser kam, so ein Pilger. Der Papst begrüßte alle Anwesenden feierlich und sprach diesen einen besonderen päpstlichen Segen aus. Die Kernbotschaften von Papst Franziskus waren das Gebet für ein Kriegsende und mehr Mitmenschlichkeit in der Gesellschaft. Später wurden Tirols Bischof, die Abgesandten der Landesregierung und weitere Pilger vom Papst empfangen. Landeshauptmann Platter übergab einem sichtlich gut gelaunten hl. Vater einen Schnaps aus Tirol. Es war deutlich zu beobachten, dass die Beziehungen zwischen Tirol und der Diözese Innsbruck zum hl. Stuhl herzlich sind. Während der ganzen Audienz war die Tiroler Abordnung in der Lautstärke durch die Südländer und Südamerikaner aber eher in der Defensive. Nach der Audienz packte die Musik ihre Instrumente aus und spielte im Saal auf. Alle Augen waren auf die Tiroler gerichtet und sie wurden schließlich zum Papst vorgelassen, der die Musikeinlage genoss.

Anekdoten.
Ebenso wurde ein Paar zum hl. Vater vorgelassen und gesegnet, das sich vor 33 Jahren bei einer Innsbrucker Diöze-sanwallfahrt nach Rom kennengelernt hatte. Für die Jugendgruppe der Wallfahrer war der Besuch bei der Schweizergarde ein besonderer Höhepunkt. Es war eine gelungene Wallfahrt, nur etwas Teuflisches hatte die Wallfahrt. Auf der Pilgerfahrt stellte sich heraus, dass die Lieblingspizza von Bischof Hermann Glettler die „Diavolo“ ist. Auf Nachfrage merkte der Bischof humorvoll an, dass durch diesen Verzehr der Teufel auf die beste Art und Weise verschlungen wird.
Rom war eine Reise wert
Wenn Tiroler Pilger vom Papst empfangen werden, darf ein Begrüßungsschnapserl nicht fehlen.
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