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Reutte | Chronik | 11. Jänner 2021 | Sabine Schretter

Tirols Wirtschaft und der Arbeitsmarkt leiden

Tirols Wirtschaft und der Arbeitsmarkt leiden
Mario Strigl (stv. ÖGB Regionalvorsitzender Oberland und Außerfern) und Philip Wohlgemuth (ÖGB Tirol Vorsitzender) (v.l.) fordern ein drittes Konjunkturpaket. Foto: ÖGB Tirol
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Sozialkrise als Folgeerscheinung der Wirtschafts- und Arbeitsmarktkrise muss verhindert werden

2020 wird als herausforderndes Jahr in die Chroniken eingehen. Die Corona-Pandemie mit all ihren Begleiterscheinungen setzt der heimischen Wirtschaft stark zu und macht auch vor den Außerferner Bezirksgrenzen nicht halt.
Von Sabine Schretter.
Beim ÖGB Reutte schrillen aufgrund explodierender Arbeitslosenzahlen die Alarmglocken. Ein Plus von 500 Prozent lässt den Ruf nach einem dritten Konjunkturpaket mit Schwerpunkt Regionalität immer lauter und fordernder werden. „1.830 Menschen sind derzeit im Bezirk Reutte auf Arbeitssuche. Hoffnung, bald einen neuen Job zu finden, haben sie derzeit kaum“, beschreibt Mario Strigl, stv. ÖGB-Regionalvorsitzender, die schwierige Situation. Er verweist auf die aktuellen Arbeitslosenzahlen des AMS, diese sind im Vergleich zum Vorjahr um satte 500 Prozent gestiegen. „Bei lediglich 60 offenen, sofort verfügbaren Stellen ist mir wirklich schleierhaft, wie man da eine neue Arbeit finden soll“, so Strigl. Tirols ÖGB-Vorsitzender Philip Wohlgemuth fordert daher ein drittes Konjunkturpaket sowie klare Impulse zur Ankurbelung der regionalen Marktwirtschaft und für den Erhalt von Arbeitsplätzen: „Wir dürfen nach der Gesundheits-, Wirtschafts-, und Arbeitsmarkt-Krise nicht in eine Sozialkrise kommen. Dieses Szenario müssen wir mit vereinten Kräften verhindern!“

Mehr Arbeitslosengeld, Corona-Altersteilzeit.
Als „rasch umsetzbar und sozial treffsicher“ bezeichnet er die ÖGB-Forderung nach einer Erhöhung des Arbeitslosengeldes auf 70 Prozent Nettoersatzrate sowie einem erleichterten Zugang zu Sozialleistungen. Zur Finanzierung will er Österreichs Reiche sowie internationale Online-Konzerne zur Kassa bitten. Für ältere Arbeitslose fordert Wohlgemuth eine spezielle „Corona-Altersteilzeit“ sowie ein Überbrückungsgeld: „Wir wollen ein Überbrückungsgeld in Höhe von 70 Prozent Nettoersatzrate für alle Langzeitarbeitslosen, die fünf oder weniger Jahre vor dem frühestmöglichen Pensionsantritt stehen. Es geht dabei um die finanzielle Absicherung jener, die kaum Beschäftigungsperspektiven haben.“ Der Gewerkschafter befürwortet zudem die frühere Möglichkeit einer Altersteilzeit: „Statt fünf Jahre vor Pensionsantritt sollte die ‚Corona-Altersteilzeit‘ die Inanspruchnahme schon zehn Jahre vorher ermöglichen.“ Auch für Strigl hat die Absicherung der Betroffenen Vorrang: „Wer seinen Job verliert, muss plötzlich mit rund der Hälfte des zuletzt bezogenen Nettoeinkommens auskommen. Das geht sich in Tirol mit den überdurchschnittlich hohen Lebenserhaltungskosten oft schlichtweg nicht aus. Es geht darum, Menschen vor dem finanziellen und sozialem Totalabsturz zu bewahren.“

Rückgang der Wirtschaftsleistung. 
Mit Sorge berichtet die Wirtschaftskammer von einem Rückgang der Wirtschaftsleistung in Tirol um zehn Prozent 2020. Damit liegt man um 7,5 Prozent über dem Österreichschnitt. Besser sieht es bei den Tiroler Exporten aus, die sich dank des starken Pharma-Sektors 2020 um rund fünf Prozent auf 11 Milliarden Euro verringerten (vgl. Österreich-Durchschnitt 11 Prozent). 31 Milliarden Euro beträgt die Tiroler Wertschöpfung, 40 Prozent davon werden von wirtschaftsbezogenen Dienstleistungen erzielt. Stark ausgeprägt sind Beherbergung, Gastronomie, Seilbahnwirtschaft und Handel – eine Struktur, die sich oft als Vorteil erweist, nicht aber in Zeiten der Pandemie, die ein mehrmaliges Schließen gerade dieser Bereiche erforderlich machte und eine nachhaltige Schädigung bewirkt. Unterstützungen für Betriebe helfen, jetzt soll damit auch für die Zulieferbetriebe nachgebessert werden, fordert Tirols WK-Präsident Christoph Walser. Besonders stark ist der Tiroler Tourismus von den schädigenden Corona-Effekten betroffen. Kritisch sind auch die rückläufigen Lehrlingszahlen, vor allem im ersten Lehrjahr, zu betrachten. Betrieben wird ans Herz gelegt, auch in der Krise Lehrlinge aufzunehmen und auszubilden. Sie werden, wenn die Wirtschaft nach überwunderner Krise wieder anzieht, weniger von einem drohenden Fachkräftemangel betroffen sein.



 
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