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Reutte | Chronik | 7. Juni 2022 | Von Sabine Schretter

Zum Ersten, zum Zweiten, zum Dritten...

3.400 Euro war das Höchstgebot für das Stecher-Original „Die Geislergruppe“. „Auktionator“ Markus Illmer (rechts) freute sich mit dem Höchstbietenden, Robert Pleifer.
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Reutte  Von Sabine Schretter
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Versteigerung zweier Stecher-Originale und musikalische Lesung in der Zeiller Galerie

Von 7. Mai bis 4. Juni war in der Zeiller Galerie im Reuttener Untermarkt die Bischof-Reinhold-Stecher-Ausstellung zu sehen. Gezeigt wurden Aquarelle, Zeichnungen und Karrikaturen des beliebten, kunstfertigen und -sinnigen Bischofs. Besonderes Highlight während der Ausstellung war die Versteigerung zweier Stecher-Originale, die Neu-Auktionator und 1. Bürgermeister-Stellvertreter, Markus Illmer, schwung- und humorvoll moderierte.
Von Sabine Schretter

Eine erlesene Gruppe von Besuchern hatte sich in der Zeiller Galerie eingefunden – darunter auch die beiden Leihgeber Reinhard Eberle und Lois Kolp. Robert Pacher vom Kulturforum Breitenwang eröffnete den Abend, bedankte sich beim Galerieverein Reutte und erklärte, wie die Versteigerung nun vonstatten gehen werde. „Zwei Bilder mit dem Ausrufungspreis von jeweils 800 Euro können für einen guten Zweck ersteigert werden. Alle Gebote erhöhen den Erlös um jeweils 100 Euro. Auktionator Markus Illmer erteilt dem Höchstgebot den Zuschlag.“ Zu ersteigern waren das Aquarell „Geislergruppe“ (vom Villnösstal aus gesehen) und die Karrikatur „Kirchenchor Nr. 2“, beide aus der Hand Bischof Reinhold Stechers.

ZUM ERSTEN, ZUM ZWEITEN UND ZUM... Sichtlich wohl fühlte sich Reuttes 1. Bürgermeister-Stellvertreter Markus Illmer. Mit Witz und dem gewissen Augenzwinkern lockte er die – anfänglich zaghaft angezeigten – Gebote hervor und ließ schließlich bei den Höchstgeboten  von 3.400 Euro für die „Geislergruppe“ und 1.200 Euro für den „Kirchenchor Nr. 2“ den Hammer „zum Dritten“ sausen. Der Erlös der Versteigerung kommt der „Bischof-Stecher-Talentförderung“ zugute, die benachteiligte Kinder und Jugendliche unterstützt.
Darüber zeigte sich auch Reuttes Bürgermeister Günter Salchner erfreut: „Ich bin heute sehr dankbar für eine Begegnung mit Galerist Franz Geiger. Wir hatten uns über die Ausstellung, die in der Turm-Galerie auf Schloss Landeck gezeigt wurde, unterhalten und mir kam der Gedanke, dass das doch auch etwas für Reutte und unsere Galerie wäre. Die Ausstellung war ja kuratiert, Bischof Stecher schätzen auch die Außerferner und Kunstfreunde gibt es hier auch genug.“

 
Zum Ersten, zum Zweiten, zum Dritten...
Für die Karrikatur „Kirchenchor Nr. 2“ ließ Markus Illmer den Hammer bei 1.200 Euro aufschlagen. Reinhard Eberle (links) erhielt den Zuschlag.
WORTE UND KLÄNGE. Elmar Fuchs und Bernhard Rainer waren die Hauptakteure im Anschluss an die Auktion. Mit einer musikalischen Lesung unterhielten die beiden das Publikum. Drei Anläufe habe es gebraucht, erzählte Elmar Fuchs. „Der erste Termin war vor Weihnachten angesetzt. Da hätte ich Adventtexte gelesen. Dann versuchten wir es im Februar, ich hätte mir Faschingstexte ausgsucht. Jetzt sind wir im Mai und endlich klappt es. Als ehemaliger Lehrer landete ich schließlich beim Thema Schule.“ Kurzweilig, akzentuiert und stets um die pointierte Betonung bedacht las Elmar Fuchs Heiteres, Derbes und Feinsinniges aus der Feder Bischof Stechers.  Der hatte als Lehrer an der Lehrerbildungsanstalt in Innsbruck einiges zu tun, um „Rohdiamanten  – wie er seine Schüler gern nannte – den nötigen Schliff zu verleihen“.  So war es durchaus herausfordernd, während der Wienwoche „die Söhne der Berge an die Wiener Hochkultur heranzuführen“. Tönte doch ins dramatische Pianissimo, das Siegfrieds Ableben in Wagners „Götterdämmerung“ ankündigte, ein wenig sanftes „G’spannt bin i, wenn der g’wamperte Hund endlich hin isch!“ Aus dem Kommentator wurde dank Stechers pädagogischem Geschick und menschlichem Zugang später ein umsichtiger Schulleiter.
„Das Lateinbuch“ erzählte eine Begebenheit und Begegnung aus dem Leben Reinhold Stechers kurz nach Ende des Zweiten Weltkriegs. Mit seinen Lateinkenntnissen und dem wundersamen Fund eines verstaubten Lateinbuchs begleitete er zwei Priesteranwärter ein Stück ihres Weges.
Den deftigen Bischof Stecher stellte Elmar Fuchs mit der Beschreibung einer Begegnung durch einen Weggefährten Stechers vor. Stecher, der als Rom-Kritiker bekannt war, äußerte sich mit deutlichen Worten zum Thema Zölibat: „So lang Mand’ln darüber entscheiden, die schon lang kuan anständigen Bogen brunzen können, werd sich in der Frag nix ändern.“ Bernhard Rainer kommentierte mit einem „knackigen“ Stück auf der Steirischen. Er wählte seine Stücke, die er zwischen den Lesungen auf der steirischen Harmonika darbot, mit viel Bedacht aus. Abgestimmt auf das Gelesene setzte er stimmige Kontrapunkte. Ein Genuss für die Ohren. Und mit einem besinnlichen, feinsinnig humorvollen Text beschloss Elmar Fuchs seine Lesung.
Die Besucher der Zeiller Galerie erlebten einen wunderbaren Abend, der so bestimmt auch Reinhold Stecher gefallen hätte.
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Elmar Fuchs und Bernhard Rainer (v.l.) führten Worte und Töne gekonnt und in Wohlklang zusammen. RS-Fotos: Schretter
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