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Reutte | Kultur | 2. Mai 2022 | Uwe Claus

Preisgekrönter Erinnerungsort

Dr. Melanie Wiener von der Kulturabteilung der Tiroler Landesregierung überreichte den Tiroler Museumspreis 2021 an Obmann Ernst Hornstein, der sich sichtlich über diese Tatsache freute. RS-Fotos: Claus
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Museumsverein erhält Tiroler Museumspreis für „Erinnerungsort Südtiroler Siedlung – Eine geplante Heimat?

Große Freude beim Museumsverein des Bezirks Reutte: Zum vierten Mal geht der begehrte Tiroler Museumspreis 2021 ins Außerfern. Ihn bekam der Museumsverein für das Projekt „Erinnerungsort Südtiroler Siedlung – Eine geplante Heimat?“. Nach langer Vorbereitungszeit wurde in der Siedlung eine Schau-Wohnung als Erinnerungsort und neuer Ausstellungsort eingerichtet.
Von Uwe Claus.
Damit wurde der Verein für seine professionelle Museums- und Kulturarbeit ein weiteres Mal belohnt. Dr. Melanie Wiener von der Kulturabteilung der Tiroler Landesregierung überreichte den begehrten Preis, der mit 6.000 Euro dotiert ist, an Obmann Ernst Hornstein. Die Laudatio zu diesem Anlass hielt Dr. Karl C. Berger vom Volkskunstmuseum Innsbruck. Die musikalische Umrahmung übernahm die „Museumsmusik“, unter Leitung von Klaus Wankmiller.

Spiegel der Vielfalt.
„Die Museen sind Spiegel der Vielfalt und Besonderheiten unserer Kultur im Gedächtnis Tirols und die mit ihren Sammlungen die Geschichte und Gegenwart unseres Landes dokumentieren und mit ihrer regen Ausstellungstätigkeit das kulturelle Leben unseres Landes bereichern“, so Dr. Wiener. Seit dem Jahr 2008  wird der Museumspreis des Landes als Projektpreis vergeben. Eingereicht werden können gemäß Statut Projekte, die thematisch den Kernaufgaben eines Museums – also dem Sammeln, Bewahren, Erforschen, Ausstellen und Vermitteln – zuzuordnen und exemplarisch sowie nachhaltig sind. Wert werde nicht auf  den Umfang und die Größe des Vorhabens gelegt, sondern auf dessen Originalität und Qualität. „Auf das vom Museum im ,Grünen Haus‘  eingereichte Projekt mit dem Titel ,Erinnerungsort Südtiroler Siedlung – Eine geplante Heimat?‘ trifft dies nach fachlicher Beurteilung durch den Kulturbeirat für Denkmalpflege und Museumswesen in hohem Maße zu“, so Dr. Wiener weiter. Die museale Einrichtung einer Wohnung im Zustand der Erbauungszeit in der Südtirolersiedlung sei ein besonderes Dokument und habe einen großen Zeugniswert.

Innovativ.
Mit der Verleihung des Tiroler Museumspreises 2021 werde  besonders die innovative Museumsarbeit und das Engagement in der Erinnerungskultur des Museums im Grünen Haus hervorgehoben. Ihr Dank gelte dem Team um den Obmann des Museumsvereins des Bezirkes Reutte, Ernst Hornstein, dem wissenschaftlichen Leiter des Museums im Grünen Haus, Ulrich Kössler sowie Birgit Maier-Ihrenberger für die Konzepterstellung. In seiner Laudatio erinnerte Dr. Berger an die Probleme bei der Eingliederung der Südtiroler, die selbst im nördlichen Tirol als „Walschen“ und „Polentafresser“ nicht immer willkommen waren. „Die Siedlung“ sei auch in Reutte eine soziale Randzone gewesen und dies für Jahrzehnte geblieben. „Die Bauten verfügten über einen bemerkenswerten Wohnkomfort und es verwunderte nicht, dass durch fließendes Wasser, Bad und WC sowie einen integrierten Kühlbereich Neid und Missgunst gegenüber den Neuankömmlingen entstanden“, erklärte Dr. Berger. Da solche Einrichtungen, die auch in anderen Regionen existierten, im Laufe der Jahre verdichteten Neubauten weichen mussten, wurden Geschichte und Identitäten ausgelöscht. Dies habe sich zwar auch in Reutte gezeigt, jedoch sei man mit der teilweisen Denkmalschutz-Entscheidung einen anderen Weg gegangen. „Mit der Erstellung eines Erinnerungsortes haben die Projektverantwortlichen, Ernst Hornstein, Brigitte Maier-Ihrenberger und Ulrich Kößler gezeigt, dass sie ihr Geschäft verstehen“, fuhr Dr. Berger weiter. Es gebe keine Spuren von der „guten alten Zeit“ und das im Vorfeld befürchtete Gefühl, eine „NS- Zeitzeugenschau-Pilgerstätte“ zu schaffen, wurden von Beginn an vermieden. Die reduzierte Möblierung, die für die Präsentation ausgewählten Teilaspekte sowie die klugen Textformulierungen ließen unweigerlich Parallelen zur Gegenwart entstehen. In den Augen der Verantwortlichen zeige sich eine weitere Fähigkeit des Reuttener Museumsteams: Geschichte wird nicht als etwas Abgeschlossenes oder Weitzurückliegendes verstanden, die Historie macht die Gegenwart begreifbar – erklärt, warum etwas so ist, wie es ist. „Der Verleihung des ,Museumsoscars‘, der nun bereits zum vierten Mal ins Außerfern geht, sei eine weitere Anerkennung eurer Projekte. Damit würdigte das Land Tirol  euer Zusammenwirken, das gegenseitige Unterstützen, Helfen und Nutzung der bestehenden Ressourcen. Mit dem ,Erinnerungsort Südtiroler Siedlung‘ habt ihr keinen touristischen Hotspot geschaffen, sondern mit eurem Projekt eindrucksvoll gezeigt, dass man Heimat nicht planen kann. Aber man könne Heimat als das verstehen, was sie eigentlich ist: als etwas Verbindendes, das mit allen geteilt werden soll und muss – vor allem mit jenen Menschen, die ihre Heimat verloren haben“, betonte der Laudator. Obmann Ernst Hornstein wertete den Tiroler Museumspreis 2021 als besondere Wertschätzung der Arbeit des Vereins. „Es war eine Inves-tition, die sich gelohnt hat“, stellte er fest und bedankte sich bei allen, besonders bei der Marktgemeinde, für die finanzielle Unterstützung, die das Projekt begleitet und umgesetzt habe. Reuttes Vizebürgermeister Klaus Schimana sprach den Initiatoren des Projekts den Dank der Marktgemeinde aus. Er erinnerte in kurzen Worten an die damaligen Probleme, als sich Hass und Eitelkeiten ausbreiteten, stellte jedoch zugleich fest, dass die Siedlung eine Bereicherung der Gemeinde war.
Preisgekrönter Erinnerungsort
Klaus Wankmiller (links) umrahmte das Ereignis „stil- und musikgerecht“ mit der „Museumsmusig“.
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