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„Das Gebot der Stunde: Sparen!“

Auch die EWR müssen im nächsten Jahr die Strom- und Gaspreise kräftig erhöhen

Alles andere als Jubelstürme rufen im Moment allerorten die Energiekostenabrechnungen hervor. Strom- und Gaspreise erreichen Höhen, wie man sie sich wohl bisher in den kühnsten Fantasien nicht hätte vorstellen können. Auch die Kunden der EWR bleiben von einem saftigen Anstieg nicht verschont. Dass der vermutlich weniger stark ausfällt, als bei den anderen Tiroler Versorgern, dürfte da nur ein kleiner Trost sein.
31. Oktober 2022 | von Von Jürgen Gerrmann
„Das Gebot der Stunde: Sparen!“
Keine leichte Aufgabe hatte EWR-Vorstand Dr. Christoph Hilz am vergangenen Freitag: Er musste kräftige Preiserhöhungen bei Strom und Gas verkünden und begründen.  RS-Foto: Gerrmann
Von Jürgen Gerrmann

Gründe und Ausmaß für die Preissprünge erklärte EWR-Vorstand Dr. Christoph Hilz mit Unterstützung des Leiters der Kundencenter Füssen und Reutte, Christian Poppler, bei einem Pressegespräch am Freitagvormittag. Er wies dabei auf zwei ganz wesentliche Faktoren hin: Erstens sei die Nachfrage nach Energie nach Ende der diversen Lockdowns in der Corona-Krise vor allem bei Gewerbe und Industrie wieder stark angestiegen, was schon für sich allein  ein Grund für höhere Preise sei. Und zweitens habe der Ukraine-Krieg auch zu einem Mangel im Angebot geführt.

GEWALTIGER PREISSPRUNG. Während die Preise seit 2019 zunächst eine „Seitwärtsbewegung“ gemacht hätten, sehe man sich heuer mit einer wahren Explosion konfrontiert, „wie wir sie noch nie gehabt haben“. Trotz des gewaltigen Anstiegs der Einkaufspreise an der Börse habe man bei der EWR, anders als viele andere Versorger, den Privatkundentarif nicht erhöht. Zum 1. Juni sei man indes auch nicht mehr darum herumgekommen. Doch das Ende der Einkaufspreis-Fahnenstange sei auch da noch nicht erreicht gewesen: Nach den Explosionen der Ostsee-Pipelines seien im August 1.000 Euro pro Megawattstunde an der Börse verlangt worden: „Das bedeutet, 1 Euro pro Kilowattstunde. Unser Preis liegt im Moment bei 10,85 Cent.“ Doch der lasse sich auch nicht mehr halten. Bei der Neufestsetzung müsse man sich dabei an die Grenzen halten, die der österreichische Strom- bzw. Gaspreisindex ziehe. Beim Strom müsse man die erlaubten 98 Prozent voll ausreizen, was eine Erhöhung des Brutto-Arbeitspreises auf 21,50 Cent pro Kilowattstunde nach sich ziehe. Beim Gas sei zwar theoretisch eine Erhöhung um 560 Prozent im Rahmen des Erlaubten, aber man beschränke sich hier auf „nur“ 240 Prozent, was eine Steigerung von 4,36 auf 14,81 Cent pro Kilowattstunde bedeute. Dass die EWR beim Strom dennoch weit günstiger liegen, als die Wettbewerber, machte Dr. Hilz mit Hilfe des Modellrechners der Energie-Control Austria deutlich, der bei der Konkurrenz zum Teil sogar doppelt so hohe Kosten für den Verbraucher auswies. Warum ist das eigentlich so? „Das hängt zum einen mit unserer Einkaufsstrategie zusammen. Wir kaufen rechtzeitig und regelmäßig ein. Und wir haben zweitens einen großen Anteil an Eigenerzeugung beim Strom“, lautet die Erklärung des EWR-Chefs. 154,2 der 494,3 im vergangenen Jahr abgesetzten Kilowattstunden stammten aus den 14 eigenen Wasserkraftanlagen zwischen Holzgau und Füssen. Die Konsequenz aus beidem: „Unsere Preise werden nie so stark steigen, aber bei einer gegenteiligen Entwicklung auch nicht so stark fallen.“

WIE WIRKT DIE STROMPREISBREMSE? Angesichts der von Dr. Hilz angekündigten neuen Tarife dürfte es so manchem schwummrig vor Augen werden, wenn er an die Stromrechnungen der nächsten Zeit denkt. Die zum 1. Dezember in Kraft tretende Strompreisbremse federt dies freilich ein wenig ab: Bis zu einem Verbrauch von 2.900 Euro übernimmt der Staat die Kosten, die über 10 Cent pro Kilowattstunde liegen (nach dem Höchstpreis von 40 Cent ist dann allerdings Schluss mit dem Zuschuss). Die EWR haben dies mal für einen Haushalt mit einem jährlichen Verbrauch von 3.500 Kilowattstunden durchgerechnet, der unter den Statistikern als „durchschnittlich“ gilt. Der Unsicherheitsfaktor sind die Netzentgelte, Steuern und Abgaben, die im Moment noch nicht komplett feststehen. Alles sehr kompliziert also, aber das Ergebnis lautet so: Dieser Modell-Haushalt müsste pro Jahr 976,70 statt 704,69 Euro brutto ausgeben, was einer Steigerung um knapp  40 Prozent entspräche. Was kann denn der Kunde selbst tun, um diesen Sprung nach oben in Grenzen (und möglichst unter dem Limit von 2.900 Kilowattstunden jährlich) zu halten? Christoph Hilz' Antwort ist eindeutig und umfasst nur ein Wort: „Sparen!“ Das sei das Gebot der Stunde. Und daher haben die EWR auch einen Prospekt mit vielen Tipps erstellt, der auch deswegen sehr lesenswert ist, weil man dabei auf viele „Stromfresser“ stößt, die einem vielleicht gar nicht so bewusst sind – aber gerade deswegen auch viel Energiesparpotential besitzen.
Erklärtes Ziel der EWR: den neuen Tarif das ganze Jahr 2023 über halten zu können. Ist der Vorstand doch überzeugt, „eine Balance gefunden zu haben, die noch erträglich ist, aber beileibe nicht wünschenswert“. Freilich: „Garantieren können wir im Moment nichts.“ Zu schauen, wie man den eigenen Energieverbrauch zu reduzieren vermag, ist übrigens nicht nur mit Blick auf den persönlichen Geldbeutel ratsam, sondern auch als Beitrag dagegen, möglicherweise selbst teilweise im Dunkeln sitzen zu müssen. Eine EU-Verordnung zum Strom sieht nämlich zunächst eine freiwillige Verringerung des Stromverbrauchs um 10 Prozent vor. Gelingt dies nicht, müssen einige Großkunden gezielt ihren Verbrauch einschränken. Reicht auch das nicht aus, sind die Privathaushalte dran. Um nicht unvorbereitet zu sein, wurden bereits vier EWR-Versorgungsbereiche definiert, die dann hintereinander für jeweils vier Stunden vom Netz genommen werden (der Gerechtigkeit halber aber in stets wechselnder Reihenfolge): Lechtal, Zwischentoren, Reutte und Vils. Dr. Christoph Hilz beruhigt indes: „Ich gehe davon aus, dass das nicht passiert. Wir wollen den Blackout unter allen Umständen verhindern.“ Und er sieht auch keinen Anlass zum Kauf eines der im Moment so sehr begehrten Generatoren, die ohnehin überteuert seien: „Wenn alle sparen, kommen wir da durch, ohne dass wir wirklich auf Komfort verzichten müssen.“
„Das Gebot der Stunde: Sparen!“
Auch die Elektrizitätswerke Reutte werden die Strom- und Gaspreise erhöhen müssen. Symbolfoto: AdobeStock

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