Rundschau - Oberländer Wochenzeitung
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„Die Leute haben sich die Lohnerhöhung verdient“

Drittes Betriebsrätetreffen der Österreichischen Zementindustrie bei Schretter & Cie in Vils

Vils, Standort des mittelständischen Traditionsunternehmens der Mineralstoffindustrie, Schretter & Cie., war vom 20. bis 21. April Gastgeber des dritten Betriebsrätetreffens der Österreichischen Zementindustrie.
24. April 2023 | von Von Sabine Schretter
„Die Leute haben sich die Lohnerhöhung verdient“
Mario Strigl (Betriebsratsvorsitzender der Arbeiter, r.) hatte zum Betriebsrätetreffen der Österreichischen Zementindustrie eingeladen. Der Bundesvorsitzende der Gewerkschaft Bau-Holz, NR Josef Muchitsch (2.v.r.) und GBH-Landesgeschäftsführer Christian Hauser (2.v.l.) – hier im Bild mit GF Tobias Konzmann (Mitte) und Claudia Kärle (Assistenz der Geschäftsführung – waren der Einladung gefolgt. RS-Foto: Schretter
Von Sabine Schretter

Zum Treffen hatte der Betriebsratsvorsitzende der Arbeiter, Mario Strigl, geladen, dem sowohl drei produzierende Zementunternehmen – mit insgesamt 17 Teilnehmern – als auch zahlreiche Gewerkschaftsvertreter und der Bundesvorsitzende der Gewerkschaft Bau-Holz, Josef „Beppo“ Muchitsch/Abgeordneter des österreichischen Nationalrats, folgten. Der Fokus der Veranstaltung lag auf den aktuellen Themen von Fachkräftemangel und Industriepolitik in Österreich und Europa.

FACHKRÄFTEMANGEL UND INDUSTRIEPOLITIK. Geschäftsführer Tobias Konzmann (Schretter & Cie) stellte in einem Impulsvortrag das Unternehmen Schretter & Cie vor, dessen Grundstein Georg Schretter 1899 gelegt hatte. Bis heute agiert das Unternehmen privat und unabhängig. Die Produktionsstätten liegen ausschließlich in der Region. 2017 stieg das deutsche Familienunternehmen Schwenk (Haupstitz in Ulm) als Beteiligungspartner mit ein und ermöglichte damit wichtige Investitionen sowie einen Modernisierungsprozess und sicherte Arbeitsplätze. Aktuell beschäftigt Schretter & Cie. 145 Mitarbeiter und bildet jährlich Lehrlinge – vor allem in den Bereichen Metall- und Elektrotechnik – aus. „Der Fachkräftemangel ist besonders im Produktions- und Schichtbetrieb eine große Herausforderung“, erklärte GF Konzmann. Unternehmensführung und Betriebsrat bemühen sich, mit  flexibleren Arbeitszeitmodellen und dem kontinuierlichem Verbessern der Arbeitsplätze Initiativen zu setzen. Weitere zentrale Aufgaben sind im Bereich Umwelt-/Klimaschutz zu bewältigen. „Pro Tonne Zementklinker werden 560 Kilogramm CO2 rohstoffbedingt emittiert, hinzu kommen noch die brennstoffbedingten CO2 Emissionen. Daher entwickelt auch unser Beteiligungspartner Schwenk Technologien, die dazu beitragen, dass wir hier auf die Null kommen“, führt Konzmann dazu aus. Für eine erfolgreiche Umsetzung fehlt es allerdings insbesondere in Österreich noch an entsprechender Gesetzgebung, notwendigen Infrastrukturmaßnahmen und zielgerichteten Förderprogrammen. Tobias Konzmann blickt dennoch optimistisch in die Zukunft: „Große Bauprojekte, für die man Zement braucht, stehen an. Außerdem wurde für Vils ein Großprojekt im Bereich der Labor- und Lagerungstechnik im zweistelligen Millionenbereich bewilligt. Damit sind der Standort und die Arbeitsplätze langfristig gesichert.“

UNTER BESONDEREN BEDINGUNGEN. Noch nie zuvor hat man Lohnverhandlungen bei einer so hohen Inflationsrate geführt, eröffnete Josef Muchitsch seinen Vortrag. „Dazu kommen der Ukrainekrieg und die Teuerung“, führt er weiter aus. Erfolgreich abgeschlossene Lohnverhandlungen sichern für mehr als 9.000 Arbeiter der Branche deutliche Lohnerhöhungen. Bei der Herbstlohnrunde gelang es, Einmalzahlungen bei den Lohnerhöhungen abzuwenden. Die Verhandlungen seien konstruktiv und auf Augenhöhe geführt worden. Ein fairer Abschluss mit einem Plus von 9,8 Prozent auf die KV-Löhne und 9,7 Prozent auf Ist-Löhne konnte als gemeinsam erklärtes Ziel erreicht werden.  Abgeschlossen wurde beides per 1. Mai 2023 für eine Laufzeit von 12 Monaten. Die Ist-Löhne sowie die kollektivvertraglichen Zuwendungen werden per 1. Mai 2024 für eine Laufzeit von 12 Monaten um 0,4 Prozent erhöht (zuzüglich des durchschnittlichen VPI 2020). Noch deutlicher fiel die Erhöhung der Mindestlöhne aus.  Gerade für die Bezieher niedrigerer Einkommen wird die enorme Teuerungswelle immer mehr zum Problem. Bei den Verhandlungen setzte man sich daher mit großem Nachdruck dafür ein, gerade für diese Gruppe eine deutliche Lohnerhöhung zu erwirken. Ein Mindesteinstiegslohn von 2.300 Euro konnte für 90 Prozent aller Beschäftigten ab 1. Mai 2023 erreicht werden. Das bedeutet bis zu 26 Prozent mehr für die niedrigste Lohngruppe. Ab 1. Mai werden zudem alle Arbeiter, die bis 30. April in Lohngruppe 5 eingestuft waren, in die jeweilige Lohngruppe 4 eingestuft. Auch die Lehrlingseinkommen wurden mit 9,8 Prozent deutlich erhöht. KV-Zulagen und Aufwandsentschädigungen steigen um plus 9,7 Prozent. Neu im Kollektivvertrag ist ein Fixbetrag von drei Euro pro angebrochener Stunde für die Rufbereitschaft. Die Bauwirtschaft erwartet eine Konjunkturdelle. Breitbandmodelle – negativer Stundensaldo wird mit geleisteten Überstunden bzw. Zeitausgleichsstunden gegengerechnet – sollen verhindern, dass Mitarbeiter zum AMS gehen müssen.
Beppo Muchitsch betonte abschließend, dass das soziale Miteinander gerade im Westen stark verankert sei.

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