„Schleicherlaufen“, wie aus dem Bilderbuch

Die „Schleicher“ im Kroas. Für die Besucher gab es Brezen. Foto: zeitungsfoto.at

15.000 Besucher waren trotz Schmuddelwetter von der farbenprächtigen Telfer Fåsnåcht begeistert 

Mehr als 500 Aktive, verteilt auf 14 Gruppen, die an sechs Spielplätzen aufgetreten sind, setzten am Sonntag dem „Schleicherlaufen 2020“ eine Krone auf. 15.000 Besucher ließen sich vom nassfeuchten Wetter nicht davon abhalten, das Fåsnåchtsspektakel mitzuerleben. Fåsnåchtsobmann Bgm. Christian Härting konnte unter einer Vielzahl von Ehrengästen auch Landeshauptmann Günther Platter und Wirtschaftsministerin Margarete Schramböck willkommen heißen, die gleich wie alle anderen Persönlichkeiten aus Politik, Wirtschaft und Gesellschaft von den Masken und Einlagen begeistert waren. 

Seit 1890 findet das Schleicherlaufen im Fünf-Jahres-Rhythmus statt — am Sonntag gingen die Telfer wieder in die Fåsnåcht. Wie gewichtig das „Schleicherlaufen“ für die Telfer ist, zeigte sich schon am Vormittag beim Einfangen der Bären im „Meaderloch“ und beim „Sonneanbeten“. Um elf Uhr vormittags hatte das lange Warten für die mehr als 500 Akteure endlich das ersehnte Ende gefunden: Die Herolde gaben hoch zu Ross das „Schleicherlaufen 2020“ frei. Der Zug setzte sich in Bewegung, hinter den Herolden marschierte die Musibanda, als nächste Gruppe folgten die anmutig geschminkten Vertreter der Vier-Jahreszeiten hoch zu Ross. Danach traten die Wilden in Erscheinung, eingehüllt in ihr Gewand aus Baumbart, und der Panzenaff begrüßte das Publikum mit seiner blutroten, langen  Zunge. Die zentralen Figuren der Telfer Fasnacht sind die Schleicher, die zum Klang schwerer Schellen einen mystisch anmutenden Kreistanz vorführten. Der Vorhupfer gab den Schleichern den Takt vor, Brezen flogen ins Publikum. Mit den Laningern begannen die sprechenden Gruppen mit ihren Aufführungen. Es folgten die Vogler, das Galtmahd, die Beas’n Buam, der Backoufn, die Kurpfuscher und die Soafnsieder usw. In ihren Sprüchen wurde die Bundes-, Landes- und Lokalpolitik aufs Korn genommen. Unter anderem bekamen auch H.C. Strache (Ibiza), Ex-Innenminister Herbert Kickl (berittene Polizei), Georg Dornauer (Gewehraffäre) und die Telfer Gemeindeführung ordentlich Fett ab. Wegen der laufenden Millionenprojekte wurde sogar gemutmaßt, die Telfer Ortspolitik habe im FPÖ-Stil „Goldbarren auf die Seite geschafft“.  

„NAZ“ MUSS BALD ABSCHIED NEHMEN. Einer freut sich mit Sicherheit  ganz besonders über das gelungene „Schleicherlaufen 2020“: Der saufende, rauchende und speibende „Naz“, der die Marktgemeinde Telfs leider schon bald wieder für fünf Jahre verlassen muss. Das Liebkind der Telfer Fåsnåcht wird am Dienstag, dem 25. Feber, wieder zu Grabe getragen und erst am 6. Jänner 2025 zu den Telfer Fåsnåchtern zurückkehren. Die Trauer wird groß sein, wenn der „Naz“ Abschied nimmt. 

Vormittags wurden im „Meaderloch“ die Bären eingefangen. Das Spektakel wurde von vielen Telfern verfolgt.
Lautstark und teilweise zahnlos: Der „Panznaff“. Foto: zeitungsfoto.at
Beeindruckend: Die „Schildkröte“ der „Bären und Exoten“. Foto: zeitungsfoto.at
Die Uhr tickt, der „Naz“ wird Telfs schon bald wieder verlassen. Foto: Martina Mader