Steinschlaggefahr ist zu bannen

Die Bauarbeiten beim Dotierkraftwerk in Ovella können frühestens im Spätherbst fortgesetzt werden. Derzeit finden umfangreiche Sicherungsmaßnahmen statt. Foto: GKI/Vandory

GKI kann aufgrund nötiger Sicherungsarbeiten in Ovella erst 2023 in Betrieb gehen – Kosten sollen halten

 

Die Inbetriebnahme des GKI verzögert sich um ein weiteres Jahr – dafür verantwortlich ist die Wehrbaustelle in Ovella, wo Hangsicherungsmaßnahmen getroffen werden müssen.

 

Von Daniel Haueis

 

Die Folgen der Witterung im Frühjahr – Schneemassen mit drohender Lawinengefahr, Steinschläge und Hochwasser – lassen die Fertigstellung des Gemeinschaftskraftwerks Inn erneut nach hinten rücken: „Wir müssen mittlerweile davon ausgehen, erst 2023 das erste Vollbetriebsjahr zu fahren. Damit verschiebt sich die Fertigstellung um ein weiteres Jahr. Der Kostenrahmen von 604,9 Mio. Euro bleibt, bei der letzten Kostenanpassung wurde bereits eine entsprechende Risikoreserve eingeplant“, erklärt dazu GKI-Geschäftsführer Johann Herdina. 300 Kubikmeter Gestein sind bei der Wehrbaustelle in Ovella abgegangen – nun hat die Steinschlagsicherung (etwa eine zusätzliche Netzreihe) Vorrang: „Arbeitssicherheit ist ein sehr, sehr wichtiges Gut“, sagt Herdina. Dabei hatte die GKI GmbH teilweise noch Glück: Beim Hochwasser fehlten nur Zentimeter, und die Baustelle in Ovella wäre unter Wasser gestanden.

 

VORTRIEB BALD ABGESCHLOSSEN. Gut gelaufen ist’s hingegen beim Vortrieb: Nach dem Durchstich auf der Nordseite steht die Südmaschine „Magliadrun“ derzeit bei ca. 338 Metern der insgesamt zwölf Kilometer langen Südröhre – vor Ende Juli sollten die Vortriebsarbeiten also abgeschlossen sein. Nach anfänglich rund fünf Metern waren es (nach Wechsel der ausführenden Firma) ca. 20 Meter Vortrieb pro Tag. Die Maschinen wurden vom Hersteller zurückgekauft (um gut 10 Prozent des Neupreises). Auch das Krafthaus in Prutz ist seit Kurzem betriebsbereit. Auf Schweizer Seite wurde der Hochwasserschutzdamm fertiggestellt und hat seine Bewährungsprobe beim Hochwasser bestanden. Die Arbeiten beim Dotierkraftwerk in Ovella können unterdessen frühestens im Spätherbst fortgesetzt werden.

Mit dem Gemeinschaftskraftwerk Inn entsteht das derzeit größte Laufwasserkraftwerk des Alpenraums. Mit einer installierten Leistung von 89 Megawatt werden rund 440 Gigawattstunden Strom erzeugt (86% gehören der Tiwag, 14% den Engadiner Kraftwerken). Die Amortisationszeit liegt bei 35 bis 40 Jahren.

 

GKI-GF Johann Herdina: „Arbeitssicherheit ist ein sehr, sehr wichtiges Gut.“ RS-Foto: Haueis

 

 

Hang beim Gepatschstausee in Bewegung

Am Hang (rechts im Bild) wurden Bewegungen gemessen. RS-Foto: Archiv

„Wir haben Bewegungen festgestellt, die Kontrollintervalle wurden verkürzt“, berichtet Tiwag-Vorstand DI Johann Herdina über den Hang am orographisch linken Ufer des Gepatschstausees, allerdings auf der Luftseite des Damms, also nördlich davon. Die Verschiebung betrage 6 Millimeter, nun werde alle zwei Stunden anstelle von einmal täglich gemessen. Die östliche Uferstraße habe man sicherheitshalber sperren lassen (es gibt auch westlich vom Stausee eine). Herdina rechnet damit, dass sich die Situation mit Ende der Schneeschmelze bessert. Auswirkungen auf das Erweiterungsprojekt „Kaunertal II“ soll es keine geben. Bei diesem Vorhaben geht aufgrund eines Widerstreitverfahrens (mit Sölden) u.ä. nicht wirklich viel weiter: „Vor meiner Pension passiert nichts“, prophezeit Johann Herdina, der sich Ende 2022 in den Ruhestand begeben will.