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Telfs | Chronik | 23. November 2020 | Beatrice Hackl

Auf den Spuren eines alten Handwerks

Auf den Spuren eines alten Handwerks<br />
Johann Glatzl staunte nicht schlecht, als er die „Mair-Mühle“ in Flaurling mit Besitzerin Maria Mair erkundete. Die Mühle wurde im 16. Jahrhundert errichtet, stand rund 40 Jahre still und seit 2004 ist dieses besondere Kulturgut wieder in Betrieb.
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Mühlenpionier Johann Glatzl fand im Haus von Maria Mair in Flaurling eine Getreidemühle, die noch immer urig klappert

Einst klapperten an vielen rauschenden Bächen in Tirol zahlreiche Mühlen. Heute sind sie weitestgehend von der Bildfläche verschwunden. Johann Glatzl, ein Mühlenpionier und aktiver Müller aus dem Oberland, hat es sich zur Aufgabe gemacht, Getreidemühlen aufzuspüren, zu dokumentieren und in der Mühlendatenbank der „Österreichischen Mühlengesellschaft“ zu erfassen. Momentan ist er dabei, die Gegend rund um Telfs nach Objekten abzusuchen. Durch einen Hinweis wurde er auf die „Mair-Mühle“ in Flaurling aufmerksam und entdeckte am Flaurlinger Bach noch sechs weitere ehemalige Handwerksbetriebe.
Von Beatrice Hackl

Mühlen, Sägen und Schmieden waren einst jene Handwerksmaschinen, die für das tägliche Leben am öftesten benutzt wurden. Mit der fortschreitenden Industrialisierung begann das Mühlensterben. In Tirol gab es an die 2.500 Objekte, österreichweit über 15.000. Viele sind verschwunden und nur mehr Namen wie Mühlweg, Mühlberg, Mühlgasse, Mühlwiese usw. erinnern an sie – in Tirol gibt es noch an die 100 Mühlen, Sägen und Schmieden. 

Die lebendige „Mair-Mühle“ in Flaurling. Kürzlich besuchte Glatzl die „Mair-Mühle“ in Flaurling. Eine Mühle, die im 16. Jahrhundert errichtet wurde und die hiesigen Bauern und jene aus der Nachbargemeinde Oberhofen über Jahrhunderte mit dem Mehl für das tägliche Brot versorgte. Angetrieben wurde die Mühle im Zentrum des Dorfes – gegenüber der Kirche – vom Mühlbach, der damals mitten durchs Dorf floss. Etwas oberhalb der Mühle befand sich ein Auffangbecken, ein sogenanntes Bassin, von dort wurde das Wasser mittels einer Rinne bzw. einem Holzrohr auf das Wasserrad und später auf die Turbine geleitet. 

Umbau und Wiederbelebung. Im Rahmen eines Umbaus in den 20er Jahren des vorigen Jahrhunderts wurde die Mühle um zwei Stockwerke erhöht und das einstige Wasserrad durch eine Turbine ersetzt. Dadurch konnten drei Getreidesorten – Roggen, Weizen und Mais – gleichzeitig gemahlen werden. Anfang der 60er Jahre wurde das Unterwerk zum E-Werk umgebaut und infolge dessen wurde der Mühlbach zur Energiegewinnung abgeleitet, wodurch das Klappern der Mühle vorerst für längere Zeit verstummte. Rund 40 Jahre später wurde die „Mair-Mühle“ dank umfassender Renovierungsarbeiten und dem damit einhergehenden Einbau eines Elektromotors wiederbelebt. Heute wird in der Mühle wie in den Jahrhunderten zuvor Korn zu wertvollem Mehl gemahlen – somit wird ein wichtiges Kulturgut gepflegt und für nachfolgende Generation erhalten.

Westliches Mittelgebirge – Omesmühle. „Ich war erst vor wenigen Wochen im westlichen Mittelgebirge unterwegs und bin durch einen Hinweis auf die ehemalige Omesmühle gestoßen. Die Mühleneinrichtung wurde beim Umbau des Hauses vor rund 30 Jahren von einem Zimmermann aus Neustift ausgebaut und bei ihm in seiner Halle gelagert. Durch einen glücklichen Zufall habe ich heuer erfahren, wo sich die Mühlenteile befinden und ich konnte diese dann vor wenigen Wochen vor Ort besichtigen. Nun sind wir dabei, für die Mahlgänge wieder ein neues Zuhause zu finden. Eine spannende Geschichte“, berichtet Glatzl. Der Mühlenpionier betreibt die Haiminger Bauernmühle, die er vor 25 Jahren am Haiminger Sagbichl nach alten Vorbildern gebaut hat. Vor nunmehr zwei Jahren hat er angefangen, die Mühledatenbank für Tirol zu erstellen. Darin sollen alle Mühlen – egal ob noch existent, oder nicht – mit einem Bild und einer Kurzbeschreibung angeführt werden. Seine langjährige Erfahrung in Sachen Mühlen stellt er bei anstehenden Renovierungen oder auch bei Neubauten gerne zur Verfügung. Natürlich hofft er auf weitere interessante Entdeckungen und freut sich auf Hinweise aus der Region: hans.glatzl@gmail.com
Auf den Spuren eines alten Handwerks<br />
Hinter diesen Mauern verbirgt sich mit „Maiers Mühle“ ein wahres Kulturgut.
Auf den Spuren eines alten Handwerks<br />
Die Bauern wurden stets nach der Reihenfolge ihres Eintreffens bedient. Eine Gepflogenheit, die sich bis heute in einem bekannten Sprichwort wiederfindet: „Wer zuerst kommt, mahlt zuerst.“
Auf den Spuren eines alten Handwerks<br />
Für die Versorgung der Bevölkerung mit Mehl war der Beruf des Müllers lebensnotwendig. Das Bild zeigt die Mahlstube der Omesmühle im westlichen Mittelgebirge mit Müller J. Oberdanner. Fotos: Johann Glatzl/Ernst Kuprian
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