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Telfs | Kultur | 13. September 2021 | Lia Buchner

Beat als Lebenseinstellung

Beat als Lebenseinstellung<br />
„Wildes Drauflos“. Der Tiroler Literat Elias Schneitter hat sich ganz der Beatliteratur verschrieben.Foto: ptivat
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Elias Schneitter im RUNDSCHAU Gespräch

Elias Schneitter gilt als unkonventionelles Urgestein der Tiroler Literaten-Szene. Der Zirler ist Mitgründer und Mitveranstalter des Literaturfestivals „Sprachsalz“ in Hall, prägt mit seinem unabhängigen Kleinverlag „Edition BAES“ die Publikationslandschaft nicht nur Tirols und lässt in regelmäßigen Abständen mit seinen eigenen Texten aufhorchen. Sein vielfältiges Schaffen hat er ganz der Beatnik-Bewegung verschrieben.
Von Lia Buchner

Elias Schneitter publiziert seit fast 50 Jahren, seine frühesten Arbeiten erscheinen 1974, zuerst in Literaturzeitschriften, vier Jahre später veröffentlicht er sein erstes Buch. Als junger Autor ist er wie elektrisiert von den Texten der amerikanischen „Beat-Generation“ der frühen 50er Jahre, einer literarischen Subkultur-Gruppe, der Literaten wie Jack Kerouac, Allen Ginsberg und William S. Burroughs angehörten. Die Beatnik-Bewegung prägt Schneitters Arbeit bis heute. Er selbst bezeichnet sich selbst gern als „Vertreter der US-amerikanischen Beatliteratur“. In seinem Verlag „Edition BAES“, den er vor 20 Jahren gegründet hat, lag und liegt der verlegerische Schwerpunkt auf amerikanischem Underground, „soweit das mit den begrenzten Ressourcen möglich ist“. Solange sie sich abseits vom Mainstream bewegen, stehen auch deutschsprachige Autoren auf dem Verlagsprogramm: „Bestseller finden Sie bei uns keinen.“ Als Verleger kennt er jeden seiner Autoren persönlich, steht in laufendem Kontakt mit ihnen und legt größten Wert auf sein Endprodukt, das Buch an sich. So wurde beispielsweise seine Publikation der österreichisch-amerikanischen Beat-Ikone ruth weiss 2012 vom Hauptverband des österreichischen Bundhandels als schönstes Buch prämiert. Oder die in völliger Handarbeit hergestellte Kleinstauflage des Lyrikbandes „nackte gedichte“ der Tirolerin Rebecca Heinrich.

Salz in der Sprache. Die zeitgenössische Literaturszene findet wenig Gnade vor Elias Schneitters Urteil: „Momentan gibt’s vorwiegend Krimis und Nabelbeschau. Familienstorys und Ego-Trips.“ Der krimi-lastige Literaturbetrieb in Tirol ist da keine Ausnahme. „Krimis interessieren mich einfach nicht, das ist literarischer Schwachsinn. Allerdings muss man Bernhard Aichner zu seinen Erfolgen herzlich gratulieren, er bringt da viel zustande. Aber seine Anfänge als Literat waren für mich wesentlich spannender.“ Mit dem Literaturfestival „Sprachsalz“ in Hall versucht er gegenzusteuern. „Wir sind ein Team von sechs Freunden. Jeder von uns hat ein Kontingent von Autoren zur freien Auswahl.“ Beim 19. Jahrgang des Festivals, das vergangenes Wochenende stattfand, waren so spannende Grenzgänger wie der Österreicher Nicolas Mahler geladen, der mit seinen Graphic Novels treffsicher zwischen den Genres Literatur und Comic balanciert. Mahler interpretiert die großen, spröden Autoren der Literaturgeschichte, James Joyce, Marcel Proust, Robert Musil, der finale Durchbruch gelang ihm mit Thomas Bernhards „Alte Meister“. Zum zweiten Mal in Folge fand „Sprachsalz“ heuer als Online-Veranstaltung statt. „Aber so ist es uns gelungen, auch Weltstars digital nach Hall zu holen. Wir konnten viel Vertrauen aufbauen und einige dieser Autoren haben bereits zugesagt, persönlich zu uns zu kommen, wenn das wieder möglich sein wird.“ 

Bloss kein Mainstream. Mit seiner eigenen literarischen Produktion bewegt sich Elias Schneitter zwischen Lyrik und Erzählung, zuletzt erschien „Ein gutes Pferd zieht noch einmal“. Seine etwas surreale, absurde Kunstfigur, der Central Dichter, taucht immer wieder auf, bisher sind drei Bände erschienen. „Er sitzt meistens im Kaffeehaus und konstruiert auf eigenwillige Weise seine Biografie. Es ist nicht ganz klar, ob er noch lebt, oder schon gestorben ist, vielleicht hat es ihn auch nie gegeben“, erzählt Schneitter. „Seit Jahren arbeite ich an den Notizen zum vierten Teil des Central Dichters. Der Grundgedanke des gesamten Projektes ist etwas Unvollendetes in Notizenform zu schreiben.“ Auch als Leser schätzt Schneitter die Beatliteratur, „also die Form des wilden Drauflos. Mainstream langweilt mich in der Regel“. Was er aktuell am Nachtkästchen liegen hat? „Ich habe gerade drei Bücher des großartigen deutschen Autors Ralf Rothmann gelesen. Wunderbar! Ich werde ihn nächstes Jahr zu Sprachsalz einladen.“

 
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