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Telfs | Kultur | 19. April 2021 | Lia Buchner

Das letzte Buch

Das letzte Buch<br />
Gedrängte Enge zwischen den Regalen der Bücherei: Wolfgang Pöschl und Nadja Fenneberg nehmen Abschied vom Noaflhaus. RS-Fotos: Lia Buchner
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Umzug der „Bücherei und Spielothek Telfs“

Umziehen ist für jeden mühsam. Wenn man aber 16.000 Bücher, Zeitschriften und Spiele in den Regalen stehen hat, wird es zum Kraftakt. Nadja Fenneberg, die Leiterin der Telfer Bücherei, hat den Umzug vom Noaflhaus in die neuen Räume am Wallnöferplatz minutiös geplant.
Von Lia Buchner

Am vergangenen Samstag kurz nach 11:30 Uhr war es so weit: die Ära der Bücherei im Noaflhaus geht unwiederbringlich zu Ende. Etliche Mitarbeiter des Freiwilligenteams kommen extra vorbei, um beim allerletzten Zusperren dabei zu sein. Für ein paar Minuten kommt Wehmut auf, aber die Vorfreude auf den neuen Standort am Wallnöferplatz gewinnt schnell die Oberhand. „Ja, es sind für alle schöne und gute Erinnerungen an diesen Ort“, überlegt Nadja Fenneberg, „aber das Arbeiten drüben wird so viel leichter und feiner sein, dass das keiner lange vermissen wird“.

26 Jahre Noaflhaus. Mit Unterbrechungen war die Bücherei 26 Jahre lang im Noaflhaus untergebracht, dort ist sie gewachsen und hat das Gesicht geändert. Vom reinen Lesestoff-Versorger, der nur Bücher über die Theke reicht, entwickelte sie sich zum Sammelpunkt Gleichgesinnter, zum Rezensionsort für Neuerscheinungen, und nicht zuletzt zum Mutmacher für Leseanfänger. „Gerade unsere Kindergarten- und Volksschulprojekte haben uns irgendwann an unsere räumlichen Grenzen gebracht. Oft mussten wir mit den Gruppen in den Noaflsaal ausweichen, aber die Kinder kommen ja wegen der Bücher, und die haben wir oben nicht.“ Seit Ende 2019 war klar: es wird eine neue, großzügige Bücherei geben. 

Großzügig und stilvoll. Die Räume am Wallnöferplatz waren nicht die erste Wunschadresse von Fenneberg, aber zumindest groß genug. Der baulichen Adaptierung gingen lange Gespräche mit dem Architekten Walter Härting über moderne Büchereikonzepte, konkrete Arbeitsabläufe und die Teamstruktur voraus. Auch die 35 Ehrenamtlichen im Büchereiteam wurden eingeladen, ihre Wünsche und Ideen beizusteuern. Ein sehr partizipativer Prozess, der „wunderbar funktioniert hat“. Natürlich kam dann irgendwann der Sparstift, „aber der hat dem Architekten glaube ich mehr wehgetan als uns“. Essentielles wie reichlich Sozialflächen und Sitzgelegenheiten, die großzügige Theke, eine abtrennbare kleine Bühne, variable Lesetische konnten realisiert werden und muten nun eher wie ein stilvolles Buchgeschäft als eine Gemeindebücherei an. Wie groß der Bedarf an kleinen modernen Veranstaltungsräumen in Telfs ist, zeigen die vielen Anfragen zur Abendnutzung der neuen Bücherei. Der Schachclub wird sich zu den wöchentlichen Clubabenden hier treffen, die Volksschauspiele möchten gerne ihre Lesungen unterbringen, auch die Musikschule ist an Vortragsmöglichkeiten interessiert. Verschiedene Lernprojekte werden die Räume nutzen, aber „alles andere schaue ich mir sehr genau an. Es darf uns nicht noch mehr Arbeit machen“.

Bücherklappe. Auch die technische Infrastruktur ist auf den neuesten Stand gebracht worden. Alle Medien wurden mit einem RFID Chip ausgestattet, mit dem sie jetzt vollautomatisch eingebucht werden können. Ein Selbstverbucherplatz funktioniert völlig ohne Personal, „für alle, die es eilig haben. Sonst freuen wir uns schon sehr über ein Gespräch“. Zusätzlich ist eine 24/7 Rücknahmeklappe an der Außenwand der Bücherei in Planung. „Das System entwickeln wir mit der HTL Innsbruck. Die Schüler bauen uns die Buchungselektronik und die Gehäusekonstruktion. Ein Sensor erkennt das Buch, öffnet die Klappe und liest den Chip ein. Ganz unabhängig von Öffnungszeiten.“ 

Der Kraftakt. Jetzt geht es also ans Umsiedeln. Als erstes wurde die EDV ab- und wieder aufgebaut. Am Freitag haben die Freiwilligen begonnen, in Zweierteams die Regale zu räumen. „Wir haben ganz viele Plastikkisten vom Telfer Bad bekommen. Mit einem Rollbrett darunter können wir fünf Kisten auf einmal transportieren.“ Jedes Team räumt seinen Bereich aus, rollt vom Noaflhaus über die Straße zum Wallnöferplatz und sortiert dort sofort wieder ein. „Sonst haben wir endlos Chaos. Ich habe viel ausprobiert, aber so sind wir am schnellsten.“ Am Samstagabend sollten dann alle 16.000 haptische Medien wieder in einem Regal stehen. „Und dann werden wir noch fünfmal umsortieren“, lacht Fenneberg. „Es gibt zwar einen genauen Plan, aber ich bin sicher, dass es an Ort und Stelle noch einige neue, gute Ideen geben wird.“ Die restlichen zwei Wochen sind für die Einschulung der Mitarbeiterinnen reserviert. Schließanlage, Lichtsystem, Regalsystematik, alles wird mit jeder Einzelnen in Ruhe angeschaut. 

wiedereröffnung voraussichtlich am 3. mai. Die Wiedereröffnung plant Nadja Fenneberg für den 3. Mai, „wenn die Regalböden, die ich morgen bekomme, nicht zum Beispiel lila sind. Wir hatten schon viele Überraschungen“. Dann hat Telfs wieder sein „Wohnzimmer im Dorf“, wie Fenneberg die Bücherei liebevoll nennt. „Hier ist jeder willkommen, auch wenn er noch Nicht-Leser ist, oder eigentlich auf den Bus wartet und ein paar Minuten Zeit hat. Einfach hereinkommen. Über Bücher gibt es immer etwas zu reden.“ Das letzte Buch, das im alten Noaflhaus ausgeliehen wurde, ist übrigens der Klassiker „Spielen, bewegen, selber machen“ der Schweizerin Susanne Stöcklin-Meier. Man darf gespannt sein, mit welchem Buch die „Neue Bücherei“ im Mai eröffnet wird.
Das letzte Buch<br />
Viel Platz für 16.000 Bücher, Zeitschriften und Spiele: Das Freiwilligenteam befüllt die Neue Bücherei am Wallnöferplatz.
Das letzte Buch<br />
Übersiedelung zu Fuß über die Straße: „So geht es am schnellsten.“
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