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Telfs | Kultur | 5. Jänner 2021 | Lia Buchner

Der Theater-Ermöglicher

Der Theater-Ermöglicher
Thomas Gassner wird zu Beginn 2021 die kaufmännische Leitung der Tiroler Volksschauspiele übernehmen. Vorerst interimistisch. Foto: Lia Buchner
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Thomas Gassner übernimmt mit Jahresbeginn interimistisch die Geschäftsführung der Tiroler Volksschauspiele

Als Mitglied des „Feinripp Ensembles“, als künstlerischer Berater des Tiroler Theaterverbandes und langjähriger Player der Freien Theaterszene hat Thomas Gassner Wandlungsfähigkeit bewiesen. Über seine neue Rolle als kaufmännischer Leiter der Tiroler Volksschauspiele sprach er mit der Freien RUNDSCHAU-Journalistin Lia Buchner.
Von Lia Buchner

RUNDSCHAU: Herr Gassner, was bedeuten Ihnen die Tiroler Volksschauspiele?
Thomas Gassner: Die Volksschauspiele sind für mich das Theaterfestival schlechthin in Tirol. Neben dem Tiroler Landestheater sind sie für jeden Theaterkünstler das Ziel. Als Jugendlicher war ich als Zuschauer da, später habe ich fünf Jahre im Ensemble gespielt. Das Feinripp-Ensemble hat hier seine Geburtsstunde erlebt und in Ruth Drexel eine Mentorin gefunden. Vor diesem persönlichen Hintergrund war das unerwartete Angebot der interimistischen Geschäftsführung sehr reizvoll. Ich habe mich nach viel Überlegen auf dieses Abenteuer eingelassen, eben weil es die Volksschauspiele sind. Für vieles Andere würde ich das nicht tun.

RS: Wie würden Sie die Volksschauspiele unter den Tiroler Festivals einordnen?
Gassner: Von der Tradition her ist Telfs einzigartig. Die Namen, die da vor 40 Jahren begonnen haben, das ist rückblickend das „Who is who“ der Tiroler Theaterkunst. Am Anfang - und auch noch vor 20 Jahren - stand Telfs alleine da mit dieser Qualität. Aber plötzlich hat im Sommer viel gutes Theater stattgefunden. Nicht nur auf professioneller Ebene wie beim Steudltenn Festival oder in Erl in einer finanziell anderen Liga. Im Lechtal auf der Geierwally Bühne oder bei den Schlossbergspielen Rattenberg machen sie auf Amateurbasis Volkstheater und ziehen inzwischen richtig viel Publikum an. Das wollen die Leute sehen.

RS: Wo kann sich Telfs da positionieren? 
Gassner: Inhaltlich ist das ja nicht meine Aufgabe, aber wenn ich ein bissl mitdenken darf, würde ich mir den Volkstheaterbegriff genauer anschauen. Ist es das Tiroler Volkstheater? Oder ein internationales Volkstheater? Kann der regionale Bezug des ursprünglichen Volkstheaters, auch zu lokalen Künstlerinnen, wieder einen Platz finden? Wie bekommt man eine gute Balance hin?

RS: Die über Tirol hinaus strahlt?
Gassner: „Weit über Tirol hinaus. Weit.

RS: Volkstheater ist gleich Amateurtheater?
Gassner: Nein! Es hat eher mit Identifikation zu tun. Mit der Frage: Was hat das Theater mit meiner konkreten Lebensrealität zu tun? Volkstheater arbeitet weniger mit intellektueller als mit affektiver Wirksamkeit. Ich muss mich als Zuschauer nicht intellektuell mit den Dingen auseinandersetzen, ich werde auf einer emotionalen Ebene mitgerissen. 

RS: Macht das Feinripp-Ensemble Volkstheater?
Gassner: Ja, wir definieren uns als Volkstheater-Truppe. Alle unsere Projekte funktionieren so, dass wir uns zuviel vornehmen und das Publikum uns beim Scheitern zuschaut. Das tun die Menschen gerne, sie können sich damit identifizieren. Man muss da nicht viel denken und trotzdem transportieren wir unsere Anliegen. Der intellektuelle Prozess des Theatermachens soll am Theaterabend nicht mehr sichtbar sein.

RS: Sie haben mit Markus Völlenklee, dem vorigen Volksschauspiele-Intendanten, in zwei Produktionen zusammengearbeitet. Haben Sie auch schon mit Christoph Nix gearbeitet?
Gassner: Nein! Als neuer künstlerischer Leiter hat er begonnen, Netzwerke in Tirol aufzubauen, und dabei ist er auf den Theaterverband und mich gestoßen. So haben wir uns kennen und schätzen gelernt. Er ist ja ähnlich theaternarrisch wir Markus Völlenklee. Und so erlebe ich ihn jetzt auch: Ein leidenschaftlicher Mensch, der durch diese Leidenschaft auch aneckt. Damit muss man umgehen können.

RS: Können Sie?
Gassner: Ja!

RS: Sie kommen aus der freien Theaterszene?
Gassner: Ich war als Schauspieler im Ensemble des Tiroler Landestheater und habe recht schnell gemerkt, dass mich das alleine nicht ausfüllt. Also habe ich angefangen zu schreiben, zu inszenieren und selbst zu produzieren. Ich habe den ganzen Prozess vom ersten Gedanken bis zum Aufklauben der Tschickstummel am Abend durchlaufen, seit mittlerweile 25 Jahren. Ich bin sehr gerne auch Theater-Ermöglicher.

RS: Sie können gut in der zweiten Reihe stehen?
Gassner: Das kann ich sehr gut. Mir ist wichtig, dass der Abend gut wird.

RS: Sie waren künstlerischer Leiter beim Festival „Stummer Schrei“, Sie haben mit einer Operetten-Inszenierung für das Landestheater den österreichischen Musiktheaterpreis gewonnen. Sie sind auch Betriebswirt und stehen jetzt vor Ihrer ersten kaufmännischen Verantwortung für ein Millionenbudget. Wie wohl fühlen Sie sich auf der anderen Seite des Tisches?
Gassner: Das ist sehr neu für mich. Wohlfühlen ist vielleicht zuviel, aber es ist notwendig. Das empfehle ich übrigens jedem, der vorschnell das Budget kritisiert, doch bitte auch mal die Seiten zu wechseln, um eine gewisse Empathie aufzubringen für das Gegenüber. 

RS: Für die Spielzeit 2021 ist eine Regie von Ihnen vorgesehen. Wie kann eine klare Trennung zwischen kaufmännischer und künstlerischer Leitung funktionieren? 
Gassner: Als geplant wurde, dass ich 2021 ein Stück mache, war ja von der interimistischen Geschäftsführung noch gar keine Rede. Ich möchte gerne dabei bleiben und jetzt ist es mein Angebot an die Volksschauspiele GmbH, dass ich im Rahmen meiner kaufmännischen Tätigkeit auch eine künstlerische Arbeit zur Verfügung stelle. Ohne zusätzliches Honorar. Das entlastet auch das Budget.

RS: Muss Christoph Nix im Gegenzug eine Woche Buchhaltung machen?
Gassner: Richtig, er muss jetzt den Taschenrechner herausholen und bissl rechnen. Nein. Natürlich gab es traditionell sehr viel Machtkonzentration und eine Teilung der Kompetenzen ist sinnvoll. Und natürlich führt es zu Reibeflächen, wenn der Intendant alles Mögliche in den Einkaufkorb legt und der Geschäftsführer dann aber an der Kassa zahlen muss. Da schauen wir dann mal, wie das bei mir und Herrn Nix funktioniert. 

Vielen Dank für das Gespräch.
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