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Telfs | Kultur | 30. November 2020 | Lia Buchner

Wer klopfet an?

Wer klopfet an?<br />
Bei jedem Wetter und mit Gitarre unterwegs: Die Götzner Anklöpfler am Christkindlmarkt. Fotos: Thomas Steinlechner
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Die letzten Götzner Anklöpfler halten eine uralte Tradition aufrecht

In anderen Wintern ziehen vier Hirten mit Hut, Joppe und Stecken durch Götzens, klopfen an Haustüren und singen ihre Adventlieder. Heuer ist das anders Klaus Gamper, der erste Bass der Götzner Anklöpfler, erzählt wie es beim Anklöpfeln so zugeht.
Von Lia Buchner

Die Tradition des Anklöpfelns gibt es in Tirol wohl schon seit dem 15. Jahrhundert. Schon um 1600 wurde es nach schriftlichen Aufzeichnungen in Innsbruck und Kufstein verboten, weil die Bettelei überhandgenommen hatte. Ursprünglich gingen die Armen in der Adventzeit zu den Bauern betteln, später hat man dann als Gegenleistung auch etwas gesungen.  Das ist heute auch nicht viel anders, nur dass die Anklöpfler nicht mehr betteln, sondern um Spenden bitten. „Wenn es einen akuten Notfall in der Gemeinde gibt, vergeben wir das Geld direkt. Sonst bekommt es ein sozialer Verein in Götzens“, erzählt Klaus Gamper. Und die Anklöpfler sind auch keine Plage mehr, sondern immaterielles Kulturerbe und ein schöner Brauch im Advent, auf den sich die besuchten Familien lange freuen. Drei- oder viermal im Advent sind die vier Sänger unterwegs in Götzens. „Inzwischen laden sich die Leute ein paar Gäste ein, und dann bleiben wir natürlich ein bissl länger dort. Wir singen ein paar Liedln, sagen zwei, drei Verse auf und setzten uns dann noch zu den Familien.“

Die Götzner Anklöpfler haben 1994 begonnen, die uralte Tradition wieder aufleben zu lassen. Damals gab es den Götzner Männcherchor noch, und oft sind sie in zwei Gruppen durch das Dorf gezogen. Bis zu 25 Häuser habe man damals pro Abend besucht „Wir sind nur hinein in die Stube, haben gesungen, nicht niedergesetzt und sind schon weiter.“ Heute schaffen die letzten Anklöpfler höchstens zehn Haushalte. Und meistens bleiben sie beim letzten dann noch gemütlich sitzen. Zusätzlich singen sie am Innsbrucker Christkindlmarkt und gehen von Standl zu Standl, um den Brauch wieder bekannter zu machen. 

Die vier Herren treffen sich kurz vor dem Advent zu ein, zwei Proben und singen die Herbergs- und Hirtenlieder ihres Repertoires durch. Meistens vierstimmig mit Gitarre. „Wir machen das jetzt seit mehr als 20 Jahren, die Lieder kennen wir wirklich in- und auswendig. Und wir singen sie ja zehnmal am Abend, da merkt man sich das schon.“ Für heuer hatte Klaus Gamper ein neues Lied geplant, er hat es selbst komponiert, aber: „Wir haben alles abgesagt, da ist das Risiko einfach zu groß.“  Aus der Anfangszeit erzählt Klaus Gamper dann noch eine Anekdote. Bei der ersten Anklöpfelrunde durch das Dorf war keiner der Sänger darauf gefasst, dass es in jedem Haus als Dank ein Schnapsl gibt. „Und wir sind ja auch Männer, die nicht gern verweigern. Wenn wir etwas angeboten bekommen, sagen wir meisten schon ja.“ Schließlich sei man – nach 20 Haushalten – um drei in der Früh höchst illuminiert heimgekommen. „Früher haben wir meistens in einem Gasthaus Schluss gemacht. Da trinkt man ein, zwei Bier und von dem Bier hat man dann komischerweise einen Rausch“, lacht Klaus Gamper. 

Nächstes Jahr werden wieder vier Hirten mit Hut, Joppe und Stecken durch Götzens ziehen, an Haustüren anklopfen und ihre Lieder singen. Dann ist wirklich Advent.
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Die vier Anklöpfler aus Götzens halten mit ihren Herbergssuche- und Adventliedern eine jahrhundertealte Tradition aufrecht. Dieses immaterielle Kulturerbe wird in vielen Tiroler Gemeinden gepflegt.
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