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Telfs | Sport | 12. Mai 2020 | Alex Dosch

Versiegen der Geldquelle folgt Spieler-Exodus

Versiegen der Geldquelle folgt Spieler-Exodus
Zirls Startelf beim Derby in Telfs: Ein Mannschaftsbild, dass es so nicht mehr geben wird. Foto: sportszene.tirol
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Zirl-Boss Plattner zieht sich aus Tagesgeschäft zurück – Regionalliga-Mannschaft zerstreut sich in alle Richtungen

Die Nachricht schlug vergangenen Dienstag wie eine Bombe ein: Zirl-Boss Martin Plattner zieht sich nach 22 Jahren zurück. Zumindest was das Engagement bei der ersten Kampfmannschaft betrifft. Als Obmann steht Plattner dem Verein zwar bis zum Ende seiner Amtszeit (noch zwei Jahre) weiter mit Rat und Tat zur Seite, finanziell müssen künftig aber weitaus kleinere Brötchen gebacken werden.
Von Alex Dosch

Über viele Jahre hinweg erarbeitete sich Zirl den Ruf als „Spielwiese der Stars“. Allein im Kader der abgebrochenen Saison 2019/20 standen mit Thomas Bergmann, Julius Perstaller und Harald Pichler drei Ex-Profis. Zu dem Trio gesellten sich „Unterhaus-Stars“ wie Stefan Milenkovic, Samuel Krismer oder Patrick Kapferer. Auch in Sachen Übungsleiter gab sich das „Who‘s who der Trainer-Szene“ die Klinke in die Hand. Diese Zeiten sind nun vorbei. „Zirl ist so abhängig von seinen Sponsoren wie kein anderer Verein. Wir haben keine Kantine, keine anderen Einnahmequellen. Der Spielbetrieb in der Kampfmannschaft wurde ausschließlich mit Sponsoren finanziert. Und die wollen für ihr Geld klarerweise eine Gegenleistung, die wir ob der Corona-Krise nicht erfüllen können. Und das wohl auf längere Zeit gesehen, wenn etwa Sportminister Kogler davon spricht, dass Fußball erst wieder möglich sein soll, wenn es einen Impfstoff gibt“, so Plattner. Wie die sportliche Zukunft in Zirl ausschaut, ist ungewiss. Auch wenn der Noch-Obmann klare Vorstellungen hat. „Zwangsabstieg und mit der Gebietsliga-Mannschaft weitermachen. Alles andere ist nicht finanzierbar. Ein Regionalliga-Abenteuer erhält von mir keine Zustimmung. Aber ich bin nur eine von mehreren Stimmen im Vorstand.“ Fakt ist, dass Zirl aktuell über keine regionalligataugliche Mannschaft verfügt. Bis auf Eigengewächs Can Alak sind alle Verträge ausgelaufen, gehört ein Großteil der Spieler sich selbst. Einige davon, wie etwa Stefan Milenkovic oder Harald Pichler, weckten bereits Begehrlichkeiten bei anderen Clubs. Und auch einem Thomas Bergmann, einem Julius Perstaller und wie sie alle heißen, werden – Corona hin, Corona her – lukrative Angebote ins Haus flattern.   

TRAINER KALT ERWISCHT. Nicht nur die Spieler zeigten sich von der weitreichenden Entscheidung überrascht, auch der Trainerstab wurde kalt erwischt. Werner Rott, der erst im Winter in Zirl anheuerte und noch kein Pflichtspiel auf der Zirler Trainerbank absolvierte, nahm die Kunde vom Zerfall der Mannschaft stoisch ruhig, wie es eben seine Art ist, zur Kenntnis. „Was soll’s. Ich kann es ja sowieso nicht ändern.“ Dabei beschäftigte sich Rott, der im Frühjahr bereits 40 Einheiten mit der Mannschaft absolvierte, bis Sonntag mit der Planung für die neue Saison. Sogar die Zusage von manch am Transfermarkt heiß begehrtem Kicker lag bereits auf dem Tisch. „Ich möchte mich aus dieser Sache eigentlich komplett raushalten. Aber es ist schon schade, weil die sportliche Herausforderung enorm gewesen wäre. Und ich habe noch nie zuvor so viel Zeit in den Trainerjob investiert wie jetzt. Zudem wäre die Mannschaft auch billiger geworden. Wir hätten uns im Sommer vom einen oder anderen Spieler getrennt.“ Einen Verbleib in Zirl kann sich Rott nicht vorstellen. „Im Grunde hat es sich für mich erledigt. Es waren sportliche Gründe, wegen denen ich nach Zirl gegangen bin. Und die gibt es jetzt nicht mehr. Selbst wenn vier, fünf Spieler von der aktuellen Mannschaft bleiben sollten, würde das keinen Sinn machen. Weil du nicht konkurrenzfähig wärst und dir die Spieler nach einem Jahr voller Niederlagen ohnehin davonlaufen würden.“  Was den Funktionären des FC Zirl definitiv davonläuft, ist die Zeit. Bis spätestens Mitte Juni muss die Mannschaftsmeldung für die neue Saison erfolgen. Die Frage, ob diese mit einer abgespeckten Regionalliga-Variante, einem jungen hungrigen Team in der Gebietsliga oder einem totalen Neuanfang im Ligakeller zweiter Klasse in Angriff genommen wird, wird auch Vorstandsintern noch für einigen Gesprächsstoff sorgen.
Versiegen der Geldquelle folgt Spieler-Exodus
Dreht den Geldhahn ab: Zirl-Boss Martin Plattner. Foto: sportszene.tirol
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