Von guten Sachen und noch besseren Menschen

Der Sozialmarkt Imst (SoMI) in der Pfarrgasse 26 steht dienstags und donnerstags von 9 bis 12 Uhr sowie mittwochs von 15 bis 18 Uhr für Einkäufe bereit. Zuvor ist eine Einkaufskarte zu beantragen, was aber mit den notwendigen Unterlagen schnell und einfach erledigt ist. Eine Mitgliedschaft im Trägerverein ist für Einkäufe nicht notwendig, macht aber Sinn, sind beherzte Mitbürger doch eine unverzichtbare Stütze für das Fortbestehen des Projekts. Die Formulare gibt’s direkt im Geschäft. RS-Foto: Matt

Zwölf Jahre Sozialmarkt Imst (SoMi): Obmann Andreas Sailer über konkrete Hilfe für bescheidene Einkommen

Lebensmittel sind kostbar. Das weiß eigentlich jedes Kind, besonders dann, wenn es um das Aufessen der unliebsamen Erbsen geht. Dennoch landet einwandfrei Essbares allzu oft im Müll – kiloweise in Privathaushalten, tonnenweise im Einzelhandel. Dieser Verschwendung tritt die Idee des Sozialmarktes Imst (SoMI) entgegen, gepaart mit dem Gedanken an jene, für die ein gewöhnlicher Einkauf nicht selten mit deprimierenden Kopfrechnen verbunden ist. Gebraucht wird das Projekt damals wie heute, weiß SoMI-Obmann Andreas Sailer.

Von Manuel Matt

Dienstagvormittag, in der Imster Pfarrgasse 26: Die Dame an der Kasse wünscht freundlich einen guten Morgen und erkundigt sich nach dem werten Befinden des Gegenübers. Die Regale sind gefüllt – mit Grundnahrungsmitteln wie Marmelade, Kaffee, Nudeln, Brot, Milch, Obst und Gemüse, aber auch mit Wasch- und Reinigungsmitteln, Kosmetik- und Pflegeprodukten, Spielsachen und Notwendigkeiten wie Holzbriketts. Die angebotenen Produkte sind einwandfrei, die Lebensmittel weder abgelaufen noch beschädigt – und doch sind die Preise unschlagbar günstig. Keine Sonderaktion, kein Etikettenschwindel und eben kein gewöhnlicher Einzelhandel, sondern der Sozialmarkt Imst (SoMI).

Viele Hände.

„Alles gute Sachen“, bestätigt Andreas Sailer, Obmann des über 70 Mitglieder starken Trägervereins, der hinter dem Projekt steht. Zur Verfügung gestellt werden die angebotenen Produkte von Handels-, Landwirtschafts- und Industriebetrieben, aber auch von beherzten Privatpersonen. Ebenso engagiert sind auch die 18 ehrenamtlichen Mitarbeiter, deren Rücken von zwei geringfügig Beschäftigten gestärkt werden. Unterstützung erfährt das Gemeinwohlprojekt unter anderem von der Caritas Tirol, der Tiroler Arbeiterkammer, dem Land Tirol sowie der Stadtgemeinde und der Pfarre Imst. Zusammen mit den Beiträgen der erwähnten Vereinsmitglieder und Erlösen aus dem Verkauf lassen sich Miete und laufende Kosten decken. „Das Ziel ist es, auf null zu kommen. Das funktioniert momentan“, nickt Sailer.

Anfang & Anliegen.

Hervorgegangen ist der Sozialmarkt, der dieser Tage seinen zwölften Geburtstag feiert, einerseits aus einem Imster Maturaprojekt, andererseits aus der Tiroler Sozialmarkt-Initiave der Caritas Tirol. Imster Gründungobmann war damals Diakon Andreas Sturm. „Anfangs war es schwer, an Lebensmittel zu kommen“, erinnert sich Sailer. Das habe sich mittlerweile geändert. Durchaus mehr Menschen könnten das Angebot in Anspruch nehmen, der Bedarf sei jedenfalls definitiv gegeben, ist der Obmann überzeugt. Immerhin sei das Leben gerade in Tirol eine überaus kostspielige Angelegenheit, so Sailer, „und die Löhne stagnieren, doch die Preise steigen weiter“. Mit den stetig anziehenden Lebenshaltungskosten kämpfen auch Mindestpensionisten, die ebenso wie Menschen mit Migrationshintergrund einen beträchtlichen Teil des SoMI-Klientels ausmachen. Zu den Kunden zählen freilich auch „einheimische“ Berufstätige, wobei Sailer gerade in diesen Kreisen „Scham“ und „Schwellenangst“ ortet, die es zu überwinden gilt. Dabei ist es aber alles andere als eine Schande, Hilfe in Anspruch zu nehmen – besonders dann, wenn damit zugleich der Verschwendung von Lebensmitteln der Kampf angesagt werden kann.

Zielgruppe.

Einkaufen darf jeder, dessen Einkommen unter einer bestimmten Grenze liegt. Momentan sind dies 920 Euro bei Einzelpersonen beziehungsweise 1.350 Euro bei Ehepaaren und Lebensgemeinschaften (Zuschlag pro Kind: 135 Euro). Vorzulegen für eine Einkaufskarte sind neben Einkommensnachweisen ein Passfoto oder Lichtbildausweis sowie eine Haushaltsliste, die von der Gemeinde kostenlos ausgestellt wird. Eine Vereinsmitgliedschaft ist keine Voraussetzung. Das Formular für eine Einkaufskarte ist sowohl online als auch direkt im Sozialmarkt zu bekommen. Stets willkommen sind übrigens auch Sach- und Geldspenden von Nicht-Vereinsmitgliedern sowie freiwillige Helfer, die ihr Engagement einbringen möchten. Sämtliche Fragen werden natürlich gerne im Vorfeld beantwortet (siehe Kasten).

Im Bild: Obmann Andreas Sailer (2.v.l.) mit einem Teil des engagierten Teams vom Sozialmarkt Imst (SoMI) RS-Foto: Matt