Wanderjahre früher Fotografie im alpinen Raum

Diese Aufnahme eines Bergführers mit Touristinnen und einem Hilfsführer tätigte Josef Schöpf vor dem Brandenburgerhaus. Foto: Schöpf/Repro: Pechtl

Neuestes Werk von Willi Pechtls erscheint demnächst

37 Jahre Sammelleidenschaft sind die Grundlage für das neueste Buch des aus dem Pitztal stammenden und in Strad lebenden Künstlers Willi Pechtl, der mit dem im Studia-Verlag erscheinenden Werk „Wanderjahre. Ein Beitrag zur frühen Fotografie im alpinen Raum“ beeindruckende Einblicke in die Kinderstube der Fotografie gibt – reich bebildert und mit detailreichen Geschichten zu Wanderfotografinnen und fotografierenden Bauernbuben. Über Fotografie einst und heute wird diesen Freitag übrigens auch im Turmmuseum diskutiert werden.

Von Agnes Dorn

Eine seiner frühesten Funde, durch die der Künstler und Autor Willi Pechtl mit der Fotografie speziell des Pitztals in Berührung kam, war während seiner Studienzeit an der Angewandten auf einem Flohmarkt in Wien, wo er ausgerechnet vier Postkarten seines Vaters entdeckte, der mit schönen Aufnahmen des Pitztals Urlauber nach Tirol locken wollte. „Da bin ich draufgekommen, dass die Fotografie in den 30-er Jahren auch in Tirol eine Rolle gespielt hat“, erzählt Pechtl von den Anfängen seiner Sammelleidenschaft. Das Buch, das er nun pünktlich zum 180. Jubiläum des Fotografiepatents fertiggestellt hat, geht jedoch noch weiter zurück und beleuchtet die ganz frühen Jahre der Fotografie im alpinen Raum bis zum Jahre 1914. Es sind besonders auch die Lebensgeschichten der Pioniere, die das Buch spannend und lesenswert machen. So erzählt Pechtl den Lesern unter anderem jene Geschichte der Wanderjahre, die die neun Geschwister (sechs davon weiblich) der aus Arzl im Pitztal stammenden Familie Lentsch als Fotografen hinaus in die Welt geführt hat.

FOTOPIONIERE.

Auch Bauernfotografen wie dem Pitztaler Josef Schöpf widmet sich Pechtl in seinem Werk, das er mit rund 270 Fotografien geschmückt hat. Die schwere Arbeit der Bergbauern und der Handwerker, der aufkommende Fremdenverkehr, der Alpinismus, Aufnahmen von Landschaften und Dörfern sowie Einzel- und Gruppenportraits aus dieser Zeit dokumentieren nicht nur die Geschichte der Fotografie, sondern legen auch Zeugnis über eine Zeit ab, die gerade in Tirol den Menschen einiges an Mühe und Entsagung abverlangt hat. Die Dokumentation und Archivierung dieser alten Fotografien habe hierzulande leider nicht den Stellenwert wie andernorts, bedauert Pechtl, dass in der Vergangenheit viel vernichtet worden sei, das es wert gewesen wäre, für die Nachwelt erhalten zu werden. Heute sei dagegen auch international wieder eine Rückkehr zu einer ruhigen Form der Fotografie zu beobachten. „Die ausführliche Betrachtung eines Gegenstandes und die Darstellung als Unikat kommen wieder in Mode, um vom Digitalwahn wegzukommen“, so der Fotograf, der selbst lange ausschließlich analog fotografiert hat. Am Freitag wird Willi Pechtl übrigens gemeinsam mit dem Leiter des Innsbrucker Stadtarchivs Lukas Morscher und dem Fotografen Ewald Schmidt auf Einladung der Ötztaler Museen im Turmmuseum Oetz ab 19 Uhr über die Fotografie einst und heute diskutieren.

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