Zum Greifen nahe

Liebe Freunde der Manipulation!

Es ist Wahlzeit. Und da gilt es für uns Wähler, einiges zu begreifen. Zum Beispiel, dass uns die Politiker zum Greifen nahe sind. Nicht nur auf Plakaten. Auch auf Almwanderwegen, auf der Straße, im Bus oder im Zug. Volksnähe heischend ziehen unsere Parlamentarier durch die Lande. Offen wie sonst selten marschieren sie auf uns zu. Für attraktive Bilder werden neben Kindern sogar Hunde und Kühe gestreichelt. Und so mancher Spitzenkandidat schwingt sich aufs Fahrrad, um seine Sportlichkeit zu vermitteln. Um da fit zu bleiben, bedarf es für den einen oder anderen Marathon wohl einer gehörigen Portion Salbe aus Hirschtalk. Oder Handcreme. Um sich vom vielen Händeschütteln keine Blasen zu holen. Dieser Zugriff auf unsere Zuneigung ist eigentlich ein Eingriff in unsere Privatsphäre. Um als Urnengänger da letztlich keinen Fehlgriff zu tätigen, muss man den feinen Unterschied zwischen Angriff und Untergriff begreifen. Denn während wir, das Stimmvieh, mit Süßem gelockt werden, gibt es für die jeweiligen Mitbewerber Saures. Wir kennen das aus der Vogelwelt. Dort gibt es nicht nur solche, die singen. Auch Beutegreifer! Wonach greifen unsere Politiker? Erst nach unseren Stimmen. Dann nach der Macht, nach der Wahl was machen zu können. Griffiges soll in Angriff genommen werden. Da ist auch so mancher Eingriff in Bestehendes geplant. Hoffentlich wird es kein Zugriff auf unsere Geldtaschen. Bleibt die Frage: Wer hat wen im Griff – wir Wähler die zu Wählenden oder die Wahlwerber uns? Übrigens: Derzeit haben wir noch eine Expertenregierung. Was im Rückschluss die Fragen erlaubt: Was war das vorher? Und was kriegen wir in Zukunft?

Meinhard Eiter