Rundschau - Oberländer Wochenzeitung
Imst | Kultur | 15. September 2020 | Manuel Matt

Weite erlaubt Neues – aber kein Stillstehe

Weite erlaubt Neues – aber kein Stillstehe
Freut sich, Ihre Bekanntschaft zu machen: Kathrin Deisenberger, die neue Leiterin des Imster Kulturbüros und der Hörmann-GalerieRS-Foto: Matt
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Die RUNDSCHAU auf Einstandsbesuch bei Kathrin Deisenberger vom Imster Kulturbüro

Das Büro in der Hörmann-Galerie beim Imster Stadtplatz ist bezogen, die kommende Ausstellung des Telfer Architekten Raimund Wulz harrt ihrer Eröffnung am Donnerstag – und ein kleines Stück hat sich Kathrin Deisenberger als neue Kulturarbeiterin im Dienste der Stadtgemeinde schon in die Karten schauen lassen. Geblieben ist dennoch die leise Ahnung, dass der Nachfolgerin von Andrea Schaller durchaus noch mehr zu entlocken ist. Warum aber orakeln, wenn man sich einfach selbst zum Einstandsbesuch einladen kann? Das tat die RUNDSCHAU jedenfalls ganz ohne Genierer und hat dabei einen Menschen getroffen, der denkt, bevor er spricht – und obendrein noch ziemlich sympathisch ist.
Von Manuel Matt

Surrend und schnaubend tut die Kaffeemaschine ihren Dienst – und Milch, die gibt’s auch. So ist fast nicht zu merken, dass Kathrin Deisenberger eigentlich erst vor einigen Tagen in der Imster Hörmann-Galerie die Agenden ihrer langjährigen Vorgängerin Andrea Schaller offiziell übernommen hat. Auch, weil der Schreibtisch schon ziemlich voll ist. Dabei ist es immer noch die Zeit der Einarbeitung, verrät Deisenberger, die zugunsten eines Gesprächs die Arbeit für einen Moment ruhen lässt. „Anfangs ist’s natürlich viel aufzunehmen, kennenzulernen – einfach, um sich einzufinden“, erklärt die frischgebackene Kulturarbeiter der Stadtgemeinde, die bereits reichlich Erfahrung im Bereich von Öffentlichkeitsarbeit und Marketing mitbringt. Eine angenehme Erfahrung sei es aber bereits – „und dafür möchte ich auch Andrea als meiner Vorgängerin herzlich danken, für ihre feine Art und ihre Unterstützung“, sagt Deisenberger und lächelt: „Sie sagt zwar immer, sie möchte keine Ratschläge erteilen und doch steht sie mir freundlich und beratend zur Seite.“

GEWISSENHAFT. Die ersten Tage sind freilich geprägt von der nahenden Ausstellungspremiere des Architekten Raimund Wulz, die am Donnerstagabend eröffnet wird. Parallelen zu beruflichen Stationen in der Vergangenheit – etwa bei den Tiroler Landesmuseen – hätten sich dabei schon gezeigt, beispielsweise „planen wir gerade den Aufbau und die Hängung der Werke von Raimund Wulz. Das ist recht ähnlich wie in der Museumsarbeit“, weiß Deisenberger, ebenso wie sie bereits Bauhofmitarbeiter Manuel „Hasi“ Haslwanter zu schätzen gelernt hat. „Immer voller guter Ideen, der Hasi – und sehr, sehr engagiert“, sagt die 32-Jährige und verweist im selben Atemzug auch erfreut auf die neu installierte Beleuchtung in der Galerie.

VON DER FREIHEIT IN DER KINDHEIT. Die Ankunft in Imst sei jedenfalls ein „freundliches, warmes Willkommen“ gewesen, sagt Deisenberger – und zugleich ein „Heimkommen in allen Facetten“, lebte die Tochter eines Landhausbeamten und einer Werbeberaterin doch bis zur Matura an der Imster Handelsakademie in Obtarrenz, also nur einen Katzensprung weit entfernt, relativ gesehen. Immerhin ging es anschließend als Au-Pair nach Frankreich, dann zum Studium nach Salzburg und Sankt Pölten mit Wohnsitz in Wien, in weiterer Folge der Arbeit wegen nach Berlin und schließlich nach Innsbruck. Vielleicht lässt einen das Oberland aber nie gänzlich los – besonders dann, wenn die Erinnerungen geprägt sind an eine behütete, aber auch freie Kindheit. „Da war viel Draußen, viel Natur“, gibt Deisenberger einen Einblick: „Eine kleine Umgebung, aber liebevoll, mit viel Freiheit – und vielen anderen Kindern.“

FRÜHE PRÄGUNG. Sobald von Kultur die Rede ist, leuchten die Augen umso mehr, voller ehrlicher Begeisterung und ungestümer Freude. „Mich fasziniert der Facettenreichtum, die Weite von Kunst und Kultur, die Neues erlaubt, nie still stehen lässt, sondern alles in ständiger Bewegung hält“, schwärmt Deisenberger. Entzündet wurde diese Liebe für all die schönen Dinge, die jegliche Mühsal des Lebens vergessen machen, bei ihr auf bedruckten Papierseiten, gebunden zu unendlichen Abenteuern. „Ich bin ein echtes Harry-Potter-Kind und konnte altersmäßig mit den Helden genau Schritt halten. Genossen habe ich auch andere, klassische Kinderbuchliteratur, wurde sehr gefördert und war überhaupt gerne in der Bücherei“, erzählt Deisenberger, die diese Liebe zu Literatur auch schon auf ihre kleine Tochter Amalia überspringen lässt. Am Herzen liegen ihr aber auch die Kinder anderer, Jugendliche, denen sie die Pforte zur Seelennahrung eröffnen will. „Hinsichtlich der Arbeit mit Schulklassen und Kinderprogrammen gibt es noch viel Potential, glaube ich – und ein persönliches Anliegen ist es auch, Barrieren und Schwellenängste abzubauen“, so die junge Mutter, die dabei natürlich die Großen nicht vergisst: „Weil Kunst nichts ist, vor dem man Angst haben muss. Nichts, dass man immer verstehen, interpretieren muss – sondern etwas, das jedem einen eigenen Zugang gewährt und manchmal einfach wirken darf.“ Mit diesen Worten ist sie gewiss gleich einladender, die schwere Holztür zur Städtischen Galerie Theodor von Hörmann, die zugleich auch als Platz zum Verweilen nicht zu unterschätzen sei. „Ohne Zwang zum Konsumieren, das ist extrem wichtig“, betont die Hausherrin, die ihrer ersten Vernissage naturgemäß mit einer Spur an Nervosität begegnet. Überwiegend sei dann aber doch die Vorfreude, „vor allem auf das Kennenlernen der Besucher“, lädt Deisenberger ein, behält weitere etwaige Schwerpunkte aber derweil noch für sich – auf freundlich-offene Art: „Das kristallisiert sich bestimmt noch heraus. Ich möchte mit der Aufgabe wachsen – und manche Dinge soll man wohl manchmal einfach offen lassen...“
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